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Trinkwasser aus dem Bodensee

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Woher kommt unser Trinkwasser: alles über Herkunft und Qualität

Ein Beitrag von: Regio TV

Erfahren Sie, wie unser Trinkwasser gewonnen wird, welche Qualitätsstandards gemäß der Trinkwasserverordnung gelten und ob Leitungswasser wirklich sicher ist.
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Wir drehen den Wasserhahn auf und haben frisches Trinkwasser, wir stehen unter der Dusche und genießen den erfrischenden Wasserstrahl - für uns ist das ganz normal. Doch wie kommt unser Trinkwasser zu uns nach Hause? Wie wird es gewonnen? Welche Arbeitsprozesse sind notwendig, bis das Wasser bei uns zu Hause aus der Leitung kommt?

Trinkwasser vs. Rohwasser
Was ist der Unterschied?

Trinkwasser vs. Rohwasser

Rohwasser ist unbehandeltes Wasser, das aus natürlichen Quellen wie Flüssen, Seen, oder dem Grundwasser entnommen wird. Es ist noch nicht für den menschlichen Verzehr aufbereitet und kann Verunreinigungen enthalten. Rohwasser dient als Ausgangsstoff für die Trinkwasseraufbereitung.

Trinkwasser ist Wasser für den menschlichen Bedarf. Es bezeichnet jedes Wasser, das zum Trinken, Kochen, zur Körperpflege, zum Spülen oder Waschen verwendet wird.

Woher kommt unser Trinkwasser?

Der größte Teil - etwa 60 Prozent - des Trinkwassers in Deutschland wird aus Grundwasser gewonnen. Zusätzlich kommt ein kleiner Teil - etwa acht Prozent - aus Quellwasser. Dieses kommt von selbst an die Oberfläche, man muss nicht wie beim Grundwasser danach bohren und es herauf pumpen. Der Rest des deutschen Trinkwassers wird aus Oberflächengewässern wie dem Bodensee entnommen.

Blick vom Hoyerberg auf den Bodensee.
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Blick vom Hoyerberg auf den Bodensee. (Foto: Archiv/Wolfgang Schneider)

Der Bodensee als Trinkwasserquelle

Am Bodensee gibt es 17 Wasserwerke, die Rohwasser entnehmen. Dennoch wird das Wasser im Bodensee nicht ausgehen. Schließlich fließen jedes Jahr elf Milliarden Kubikmeter Frischwasser in den Bodensee. Die 17 Wasserwerke beziehen hingegen nur 170 Millionen Kubikmeter Wasser. Das sind gerade einmal ein oder zwei Prozent. Zudem kommt ein Großteil des entzogenen Wassers auf natürlichem Wege wieder zurück in den See.

Das Muschel-Problem

Quagga-Muscheln kleben sich an die technischen Geräte der Wasserwerke.
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Quagga-Muscheln kleben sich an die technischen Geräte der Wasserwerke. (Foto: Archiv/Lisa Flaig)

Das Wasser aus dem Bodensee fließt durch eine einen Kilometer lange Leitung zum Wasserwerk. Am Ende dieser Leitung befindet sich ein sogenannter Saugkorb, der verhindern soll, dass große Fremdkörper mit aufgesaugt werden. Denn diese würden sonst die Pumpen beschädigen. Hierbei wird eine eingeschleppte Muschelart zum Problem. Die sich rasant im Bodensee ausbreitende Quagga-Muschel überlebt auch in großen Tiefen und klebt sich an die technischen Anlagen der Wasserwerke. Das kreiert Verstopfungen an den Saugkörben und mit der Zeit auch in den Leitungen.

Quagga-Muschel-Bewuchs ist ein Problem bei Leitungen, die in den Bodensee gelegt werden.
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Quagga-Muschel-Bewuchs ist ein Problem bei Leitungen, die in den Bodensee gelegt werden. (Foto: Archiv)

Um die Saugleitungen von den Quagga-Muscheln zu befreien, wird eine große Bürste durch die Rohre geleitet. Solch eine Säuberungsaktion war bei Installation der technischen Anlagen jedoch nie angedacht. Deshalb müssen mit viel Aufwand Öffnungen an den Leitungen geschaffen werden, durch die ein Reinigungsgerät überhaupt erst eingeführt werden kann.

Aktuell gibt es keine präventiven Maßnahmen gegen die Muschel, es kann immer nur reagiert werden.

Wie Seewasser zu Trinkwasser wird

Schritt 1: Wasserentnahme

Schritt 1: Wasserentnahme

Einen Kilometer vom Ufer entfernt wird das Rohwasser in 45 Metern Tiefe aus dem Bodensee entnommen. „Dort ist das Wasser sehr viel ruhiger, als an der Oberfläche und deshalb auch sauberer“, weiß Alexander Belard vom Stadtwerk am See. Zudem herrschen dort das gesamte Jahr über konstante Temperaturen - immer zwischen sechs und acht Grad.

Schritt 2: Ozon

Schritt 2: Ozon

Das von vier Pumpen ins Wasserwerk gesaugte Rohwasser kommt auf seinem Weg zum Trinkwasser dann direkt in die erste Aufbereitungsstation, wo ihm Ozon beigegeben wird. Ozon ist das stärkste zugelassene Desinfektionsmittel für Trinkwasser in Deutschland. Es tötet im Wasser enthaltene Bakterien, Krankheitserreger und Viren ab.

Schritt 3: Eisensalz

Schritt 3: Eisensalz

Bevor das mittels Ozon desinfizierte Wasser durch den Sandfilter fließt, wird Eisensalz beigemischt, um das Wasser ganz besonders sauber zu bekommen.  Das Eisensalz wirkt wie ein Klebstoff. Es sorgt dafür, dass sich größere Partikel bilden, die sich in der Folge einfacher herausfiltern lassen, als kleinere Partikel.

Schritt 4: Sandfilter

Schritt 4: Sandfilter

Auf dem Sandfilter, der aus Quarzsand mit einer Körnung von 0,4 bis 0,8 Millimetern besteht, befindet sich noch eine Schicht aus Steinkohle, die mit 1,2 Millimetern Körnung gröber ist als der Sand. Sie filtert oben zunächst die groben Partikel heraus, bevor weiter unten die feinen Partikel durch den Sand entfernt werden.

Schritt 5: UV-Licht

Schritt 5: UV-Licht

Nach dem Sandfilter hat das Wasser prinzipiell schon Trinkwasserqualität. Trotzdem folgt eine weitere Sicherheitsstufe, die herausfiltert, was zuvor noch durchgehuscht sein könnte.
Bevor das Trinkwasser das Wasserwerk verlässt, wird es dann noch einmal desinfiziert. Das erfolgt seit circa zwei Jahren mittels UV-Licht - kommt also völlig ohne Chemie und Chlor aus.

Beste Trinkwasserqualität aus dem Bodensee

Das Trinkwasser aus dem Wasserhahn kann man bedenkenlos trinken.
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Das Trinkwasser aus dem Wasserhahn kann man bedenkenlos trinken. (Foto: Colourbox)

Nitrat im Trinkwasser ist ein Thema, das sowohl gesundheitliche als auch umweltrelevante Aspekte betrifft. In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern liegt der gesetzliche Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser bei 50 mg/l. Dieser Wert ist in der Trinkwasserverordnung festgelegt und soll sicherstellen, dass das Wasser für den menschlichen Konsum unbedenklich ist.