Sommerzeit
Im Schlund der Falkensteiner Höhle
<strong>Elsachtal </strong> • Lesedauer: 5 min

Nur vier Meter trennen Conny von der einen Höhlenseite zur anderen. Doch um dort hinzugelangen, muss sie unter einer meterdicken Gesteinsdecke hindurchtauchen. Ihre linke Hand umklammert ein Seil, das sich vor ihr durchs Wasser schlängelt und den Weg markiert. Einmal tief einatmen. Feuchte Luft strömt in Connys Nase. Ihr Körper füllt sich mit Adrenalin. Ihr Kopf taucht unter Wasser. Mit einem kraftvollen Ruck zieht sie an dem Seil und verschwindet im dunklen Schlund der Höhle.
Während über den Falkensteiner Höhlen die Sommersonne das Elsachtal in einen heißen Dunst legt, ist es in den Höhlen angenehm kühl. Hunderte Meter Gesteinswände aus Millionen Jahre altem Felsen. In der feuchten Höhlenluft liegt ein Geruch von Lehm und Wasser. Dazwischen schlängelt sich das kristallklare Wasser, das in Millionen von Jahren tiefe Gänge in das Gestein geschliffen hat. Und auf einem Felsvorsprung steht Constanze Krauß, Spitzname Conny. Sie ist Tourguide und Mitgründerin der „Cojote Outdoor Events“. Der Name setzt sich aus den Vornamen der Gründer zusammen, erklärt Conny. „Co“ von Constanze, „jo“ von ihrem Partner Jochen und „te“ von Team. Mit einem breiten Lächeln ergänzt sie: „Und da es auf der Alb noch nicht so viele Wölfe gibt, kamen die ‚Cojoten‛ hierher.“

Die Höhlengänge der Falkensteiner Höhle kennt Conny in- und auswendig. Selbst ohne ihre Taschenlampe könnte sie im Notfall wieder herausfinden, erzählt sie. „Dafür bräuchte ich aber deutlich länger.“ Ihr Körper ist in einen türkis-schwarzen, engen Neoprenanzug gepackt. Auf dem Kopf ein weißer Sicherheitshelm. An ihrem Rücken hängt ein wasserdichter, knallblauer Rucksack. Die kleine Kopflampe auf Connys Helm leuchtet in die Höhle hinein.
Entdeckt wurde die Falkensteiner Höhle Ende des 18. Jahrhunderts. Sie ist die einzige wasserführende Höhle Deutschlands, in der geführte Touren möglich sind. Bis heute ist die Höhle auf etwa fünf Kilometern erforscht. Ob es dahinter weitergeht, wisse man nicht, sagt Conny.
Wir gehen tiefer in die Höhle. Das Licht der Taschenlampe spiegelt sich in den glatten Felswänden, die von einem schmierigen Lehmfilm überzogen sind. Jeden Schritt, den Conny setzt, scheint sie kurz vorher geplant zu haben. „Wichtig ist, dass man eine gute Trittsicherheit hat“, sagt sie, während sie schon den nächsten glitschigen Gesteinsbrocken überquert hat. Gerade in unübersichtlichen Bereichen der Höhle sei diese Sicherheit absolut notwendig. Bewegungen, die bei Conny bereits in Fleisch und Blut übergegangen sind, könnten für unerfahrene Besucher der Höhle eine Herausforderung darstellen. „Wer aber regelmäßig wandern geht, der sollte hier keine Probleme haben“, sagt Conny.

Ein wenig Mut gehöre aber trotzdem dazu, erzählt sie. Denn gleich zu Beginn der Touren warten auf die Besucher von der Decke ragende Gesteinsplatten. Im Entengang müssen wir die ersten Meter hinein in die Dunkelheit überwinden. Das dabei entgegenkommende Wasser mit einer Temperatur von knapp sechs Grad sorgt nicht nur für die ersten nassen Füße. Es hält auch Wanderer davon ab, tiefer in die Höhlengänge hineinzusteigen. Seit 2018 ist das Betreten für die Öffentlichkeit verboten. Wer weiter hinein möchte, brauche eine Genehmigung, erklärt Conny.
Sollten Besucher in den Höhlen durch einen plötzlichen Wasseranstieg doch einmal eingeschlossen werden, finden sich in größeren Höhlen Notfallbehälter. Diese bieten Verpflegung, Wärmedecken und weitere Notfallausrüstung.
Ein leises Plätschern durchdringt die Stille der Höhle. Mit jedem weiteren Meter nähert sich Conny dem Geräusch, und das Plätschern entwickelt sich zu einem lauten Sprudeln. Doch zu sehen ist nur ein kniehoher Wasserfall, der an den herumliegenden Felsen zerbricht und dabei das Wasser aufwirbelt. Wer in den Höhlen richtige Wasserfälle erleben möchte, der sollte sich für die Tour Nummer drei anmelden, sagt Conny. Wer darüber hinaus noch tiefer in die Falkensteiner Höhlen eintauchen möchte, brauche aber eine gewisse Erfahrung, so die Tourführerin.
Wenige Meter später betreten wir eine große Höhle, der sogenannte Goldgräberstollen. Meterhoch sind hier die Gesteinsdecken, an einigen Stellen tropft Wasser vom Felsen. In der Zeit des Goldrausches wurde hier nach Gold gesucht, erzählt Conny. Betrüger hatten gutgläubigen Suchern Goldgräberlizenzen verkauft und ihnen den großen Schatz versprochen. Gefunden hatten die Suchenden nie etwas.

Hinter dem Stollen verbirgt sich der erste von vielen Siphons in der Falkensteiner Höhle. Siphon ist in der Sprache der Höhlenforscher ein wassergefüllter Gang. 26 von diesen Gängen konnten seit der Entdeckung der Höhlen erforscht werden. Doch schon der erste Siphon verlangt von den Besuchern Mut. Mit einem festen Griff umfasst Connys linke Hand das vor ihr liegende Seil. In ihrer rechten hält sie ihren Rucksack. Conny schließt die Augen, holt tief Luft und drückt sich unter der Felsdecke hindurch. Einen kurzen Augenblick später taucht sie auf der anderen Seite sicher wieder auf. „Auch für mich ist es jedes Mal ein Abenteuer“, sagt Conny. „Und für die Besucher ist es in jedem Fall ein unvergessliches Erlebnis.“
Cojote Outdoor Events bietet verschiedene Touren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden an. Die Preise variieren je nach Tour. Weitere Informationen finden Sie hier.