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Neuer Trend

Graveln am Fuße der Zugspitze

Lermoos Lesedauer: 3 min

Neben E-Mountainbikes gelten Gravelbikes als derzeit größter Trend der Radbranche. Kein Wunder, verbinden sie doch den Highspeed von Rennrädern und die Geländegängigkeit von MTBs. In der Zugspitz Arena wird einem der Einstieg leicht gemacht
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Was für ein Service! Vor zwei Tagen gebucht, stehen die blitzblanken Gravelbikes samt Helmen und Trinkflaschen pünktlich um zehn vor dem Hotel Post Lermoos. An dessen Rezeption steht Reinhard Spielmann, den alle nur Reini nennen. Breites Grinsen, sportliche Figur, orangefarbenes Outfit. Als Guide bei Bergsport Total hat er Zugriff auf neueste Bikes und Klamotten. Der 43-Jährige beruhigt: „Keine Sorge. Es geht nicht um Hardcore-Action. Wir sind zum Genießen da.“ Und der Genuss wird einem in der Tiroler Zugspitz-Arena zwischen Ehrwald und Lermoos quasi zu Füßen gelegt, allein schon rein landschaftlich betrachtet. Das Setting mit Zugspitze und der ans Matterhorn erinnernden Sonnenspitze sucht seinesgleichen.

An diese Berge im bayerisch-tirolerischen Grenzgebiet wollen wir näher ran. Reinis Vorschlag: die 45-Kilometer-Runde „Rund um den Daniel“. Konkret: vier Stunden, 700 Höhenmeter. Doch jetzt geht es erstmal ein paar Meter runter, hinein ins Moos. Ideales Terrain zum Eingrooven mit den ungewohnten Rädern. An Lenkerhörnchen und Tippschaltung gewöhnen wir uns schnell. An einer Bank justiert Reini unsere Sättel, und schon geht es weiter zum Häselgehr-Wasserfall, dessen neben dem Wasser verlaufender Klettersteig feuchtfröhliches Vergnügen verspricht. Beschwingt rollen wir, der Loisach folgend, sanft bergab, wobei wir erstaunt feststellen, dass wir mit den Neun-Kilo-Leichtgewichten schneller unterwegs sind als die omnipräsenten, aber eben viel schwereren E-Mountainbikes. Selbst ohne Treten überholen wir sie auf der Straße hinunter nach Griesen. Am Grenzort biegen wir ab ins herrliche Neidernachtal. Wagemutige probieren es mit Vollspeed durchs fußknöcheltiefe Flussbett nebenan. Ergebnis: nasse Schuhe. Und lachende Gesichter. Für uns geht es trocken durch den Wald bergauf bis zum Grenzstein, O-Ton Reini: „nette Steigung“. Tatsächlich nicht schlimm, höchstens, dass uns manche E-Biker von vorhin nun wieder überholen. Dafür reden wir uns ein, dass wir die Pause am traumhaften Plansee noch mehr verdient haben.

Bikeguide Reini überquert eine Brücke.
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Bikeguide Reini überquert eine Brücke. (Foto: Christian Haas)

Wieder an Land fasst Reini zusammen: „Im Gegensatz zum actionlastigen Mountainbiken und zum Rennradfahren hat beim Graveln der Genuss einen deutlich höheren Stellenwert.“ Der lässt sich vielerorts erfahren, aber „es gibt bislang nur wenig Regionen, die aktiv Graveler ansprechen.“ Tirol gehört dazu, haben sich doch die Tourismusverbände Naturparkregion Reutte, Lechtal, Tannheimer Tal und Tiroler Zugspitz-Arena vor Kurzem zum Projekt „Gravel Tirol“ zusammengeschlossen. Es bündelt Events, Mietangebote und vor allem ein über 1000 Kilometer messendes Streckennetz, das bestehende Forstwege, Schotterwege, Radwege und teilweise Landstraßen zu 18 unterschiedlichen Routen verbindet, ganz ohne allzu massive Anstiege. Schließlich tritt man selbst, E-Hilfe ist eine absolute Ausnahme. Dass die Daniel-Runde zu den schönsten gehört, wird spätestens nach der Badepause klar, als uns perfektes Gravelterrain erwartet. Dafür sorgen erstens der Untergrund: schöner, grober Schotter. Und zweitens der Hintergrund: herrliche Ausblicke auf Thonella, Hollkopf und den See samt Motorschiff und SUPs. Aber Achtung, dort heißt es, auch auf die etwas steilere Passage zu achten. Reini rät: „Bergab am besten aufstehen zwecks der Balance.“

Der malerische Heiterwanger See bietet sich für eine Pause an.
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Der malerische Heiterwanger See bietet sich für eine Pause an. (Foto: Christian Haas)

Am See selbst erwartet uns das schönste Stück. Nah am Wasser führt der Trail auch mal über Wurzeln und am Hang entlang. Ab und zu lassen wir Wanderer passieren - Rücksicht statt Durchheizen. Wieder anders der Teil am Kanal zum Heiterwanger See und an ihm entlang. Dann werden die Schotterwege breiter und schattiger und die extralange Abfahrt von Bichlbach zurück nach Lermoos lässt den teils zähen Aufstieg vergessen. Den Temporausch kommentiert Reini so: „Gravelbikes sind halt eher ein Mustang als ein Kaltblut!“ Aus den vier wurden letztlich zwar doch fünf Stunden, aber was soll's? Wir haben ja danach keinen Termin. Morgen steht die nächste Tour auf dem Programm: Es geht zu den Loisachquellen, dem verträumten Mittersee und dem Blindsee. Keine Frage: Uns hat das Gravel-Fieber voll gepackt.

Weitere Informationen: www.zugspitzarena.com