Sommerzeit
Eine entspannte Tour: Mit Fahrrad und Mini-Wohnwagen durch das Hinterland des Bodensees
Mammern • Lesedauer: 4 min

Wer schon immer von einem „Mini-Wohnwagen“ fürs Fahrrad geträumt hat, wird begeistert sein – alle anderen auch! Ganz schön groß ist der Anhänger mit dem bunten Aufdruck und dem Schriftzug „Velosafari.ch“, der neben Tank & Trank im schweizerischen Mammern am Untersee steht. Zwar handelt es sich hier um eine Tankstelle mit Imbiss, aber Benzinzapfsäulen sind überflüssig. Denn das auffällige Gefährt hat einen Elektromotor und wird ansonsten mit Muskelkraft bewegt.
Bevor es auf den Sattel des Dreirads geht, bei dem der Anhänger mit dem Fahrrad fest verbunden ist und auf zwei Rädern fährt, macht Doris von Tank & Trank noch die Einweisung. Innerhalb weniger Minuten verwandelt sie den viereckigen kastenförmigen Anhänger in eine lauschige Campingunterkunft, inklusive Matratzen, Bettdecken, Kopfkissen und einem Vordach fürs Frühstück, dem gemütlichen Absacker vor dem Schlafengehen oder zum Sternegucken. Ausgestattet mit Ladekabeln, Helmen, zwei E-Bikes, eines davon zieht die Schlafkoje, und der digitalen Karte auf Komoot (Navigations-App), geht es endlich los!
Doris gibt dem Radler mit dem Anhänger noch einen kräftigen Schubs und schon geht es eine kleine Steigung zum Bahnhof in Mammern hinauf. Nach den ersten etwas wackeligen Metern kommt das Gefährt schnell ins Gleichgewicht und im Turbogang lassen sich auch ein paar Höhenmeter überwinden. Wer der vorgeschlagenen Route folgt, fährt rund 40 Kilometer an zwei Tagen – machbar, auch mit dem zusätzlichen Gewicht.

Im Kanton Thurgau ist es nicht weit zum Bodensee und zum Rhein. Durch Wein- und Obstbaugebiete geht es entlang der Bahnlinie. Das Ziel ist die Stegackerfarm in Uesslingen bei Frauenfeld. Auf dem Weg nach Stein am Rhein bleibt Eschenz rechts liegen, bevor es über die Rheinbrücke – vom Ortsteil „Vor der Brugg“, nach Stein am Rhein geht. Die Räder bleiben vor dem Kloster Sankt Georgen. Egal, von welcher Seite man das mittelalterliche Städtchen betritt, die aufwendig bemalten Fassaden der Bürgerhäuser verteilen sich über die ganze Altstadt.
Eine Strecke fast ohne Steigung
Ein Stopp im Eiscafé muss sein, bevor es wieder zurück über den Rhein und auf die Strecke geht. Fast ohne Steigung verläuft die Route entlang von Wiesen und Feldern – bis nach Unterstammheim. Hier sorgt die Bäckerei und Konditorei Ammann mit ihrer Auswahl an Wähen für die nächste Stärkung. Der Kuchen mit dem Rahm-Ei-Guss schmeckt so lecker, dass noch einer als Proviant in den Anhänger kommt, der inzwischen gar nicht mehr so ins Gewicht fällt.
Knapp fünf Kilometer sind es bis zum Grillplatz am Nussbaumersee im Seebachtal, ein geschützter Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten mit sumpfigen Wäldern, alten Hecken und seichten Uferbereichen. Am Grillplatz liegt neben viel Holz auch eine Axt bereit, sodass das Feuer bald kräftig lodert und die Gänsefamilie sich lieber ins Wasser verzieht. In der Schweiz kommt natürlich eine der berühmten St. Gallener Kalbsbratwürste auf den Rost. Die geschützte geografische Angabe garantiert, dass die Wurst in den Kantonen St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden und Thurgau hergestellt wurde und bestimmte Qualitätskriterien erfüllt.
Entlang des letzten Wegstücks liegen einige Weinbauern mit Direktverkauf – für den Gute-Nachttrunk unterm Zeltdach. Die letzten Meter zur Stegackerfarm, wo die junge Familie Dickenmann eine Wiese für den Velo-Van sowie sanitäre Anlagen bereitstellt, rollt es sich fast wie von selbst – immer den Berg hinunter.
Stetig nach oben in die Weinberge
Ein paar Handgriffe und der Anhänger ist bereit für die Nacht, die kühle Temperaturen verspricht. Dank der kuscheligen Decken und mit dem Blick direkt in den Sternenhimmel schläft es sich angenehm warm und behaglich. Schweren Herzens geht es nach dem tollen Frühstück, mit Käse der benachbarten Kartause Ittingen, einer ehemaligen Klosteranlage, zurück auf die Strecke.
Die heutige Tour führt durch die Weinberge, stetig nach oben, ohne den Turbogang fast nicht zu schaffen. Bis zum höchsten Punkt, nahe Klingenzell, mit der schönen Wallfahrtskapelle, gilt es über zehn Kilometer zurückzulegen. Die Aussicht auf den Bodensee und Stein am Rhein mit der kleinen Klosterinsel Werd, ganz am Ende des Untersees, ist herrlich. Eine letzte Abfahrt und das Gefährt erreicht sicher Tank &Trank in Mammern.
Fazit: Dank des Elektromotors, der nachts aufgeladen werden sollte, ist die Tour machbar, auch wenn die Steigungen teilweise ganz schön anstrengend sind. Eine gewisse Grundfitness ist von Vorteil, da vor allem der Rückweg oft bergauf geht. Fürs sichere Fahren ist Balance gefragt.
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