Jubiläum
60 Jahre Oberschwäbische Barockstraße - Wenn die Ohren den Weg weisen
Region • Lesedauer: 6 min

Hören statt nur sehen
Es gibt Orte, die sich beim Gehen erschließen. Und es gibt Orte, die man hören muss.
Die Basilika in Weingarten gehört zur zweiten Kategorie. Wer durch ihr gewaltiges Portal tritt, den trifft zuerst die Stille. Diese besondere, dichte Stille großer Kirchenräume, die jeden Schritt hallen lässt und die Stimme flüstern macht. Doch dann, wenn man sich langsam dem Altar nähert, den Blick nach oben richtet zu den Fresken, die sich in scheinbar endloser Höhe wölben – dann beginnt eine zweite Stimme zu sprechen.
Nicht von der Kanzel, sondern aus dem Smartphone in der eigenen Hand.
„Hier wird der Blick auf die Deckenfresken gelenkt“, erklärt Stefanie Negd, Themenmanagerin der Oberschwäbischen Barockstraße.
Das Ohr als Reiseführer
Genau solche Momente sind das Ziel der neuen Lauschtouren. Neun digitale Hör-Erlebnisse entstehen zum Jubiläum entlang der Route. Sie führen durch Altshausen, Bad Schussenried, Bad Wurzach, Kißlegg, Laupheim, Mengen, Ochsenhausen, Tettnang und Weingarten. Zwei davon sind bereits online, die restlichen folgen im Laufe des Jubiläumsjahres 2026.
Das Prinzip:
Kein Guide, keine Gruppe, kein Zeitplan.
Stattdessen:
- GPS-gesteuerte Audioinhalte
- Stimmen, Musik und Geräusche
- Geschichten genau am richtigen Ort
„Wir nennen das leises Entdecken“, erklärt Negd. „Die App drängt sich nicht auf – sie begleitet.“
Man kann pausieren, Kaffee trinken, weiterlaufen – und jederzeit wieder eintauchen. Der Ort bleibt der Star. Die Technik ist nur die Souffleuse.
Eine der ersten Ferienstraßen Deutschlands
Dass die Oberschwäbische Barockstraße nach 60 Jahren immer noch so spannend ist, liegt auch an ihrer Geschichte. 1966 war sie eine der ersten Ferienstraßen Deutschlands – ein visionäres Projekt, das einen riesigen Kulturraum von Ulm bis nach St. Gallen zu einer Einheit verband. Was damals als Route zu den großen Klöstern begann, ist heute ein 790 Kilometer langer Erzählfaden, der barocke Prachtbauten mit bäuerlicher Geschichte und gelebten Traditionen verknüpft.
Doch nicht nur digital wächst die Route. Fünf neue Stationen sind hinzugekommen: das Bauernhaus-Museum Allgäu-Oberschwaben in Wolfegg, die Gemeinde Bergatreute, die Heimat Bärenweiler bei Kißlegg sowie die Klöster Bonlanden und Kellenried. Und weil die Schlossanlage Altshausen zu schön ist, um nur als Fernziel zu glänzen, wurde der Routenverlauf leicht angepasst – für eine direkte Anbindung.
BAROCKwoche 2026: Die Epoche wird lebendig
Wer all das in seiner intensivsten Form erleben möchte, sollte seinen Kalender zücken. Vom 8. bis 16. August findet die „BAROCKwoche“ statt – acht Tage, in denen die Epoche des Überschwangs auflebt. Konzerte in Klosterkirchen, Führungen hinter sonst verschlossenen Türen, kulinarische Formate, die barocke Tafelfreuden neu interpretieren. „Das ist der ideale Zeitpunkt für ein verlängertes Wochenende“, findet Negd. „Weil man dann sieht, wie aktuell und alles andere als verstaubt dieser Barock sein kann.“
3 Tage auf der Barockstraße – die ideale Route
Aber auch abseits der Festwoche lohnt sich die Reise. Besonders, wenn man sie richtig plant. Stefanie Negd hat für aktiv-Leser eine dreitägige Route zusammengestellt, die das Beste der Barockstraße zeigt – und nebenbei beweist, wie gut analoge und digitale Entdeckung zusammenpassen.
Und dann?
Wer noch Zeit hat, dem sei der Blick auf den Bodensee empfohlen. Das Neue Schloss Meersburg lohnt jeden Abstecher. Oder die Fahrt ins Württembergische Allgäu: Kißlegg, Bad Wurzach, Wangen oder Leutkirch. Hier gibt es schmucke Altstädte, imposante Schlösser – und kulinarische Highlights wie die berühmte „Trisinet-Schnitte“ aus Bad Wurzach.
Digital reisen mit der „AusZeit Card“
Ermöglicht wird diese Art des Reisens auch durch ein digitales Helferlein, das immer mehr Gastgeber der Region ihren Gästen schenken: die „AusZeit Card“. Die digitale Gästekarte bündelt über 100 Erlebnisse entlang der Barockstraße – von Museen über Führungen bis zu den Thermen der Region. Ein QR-Code in der App „WegBegleiter“, und schon ist der Eintritt frei. Was die Karte ausmacht? Sie verbindet Gegensätze zu einem leichtfüßigen Mix. Trubeliges Ravensburg mit der Stille der weiten Moore in Bad Wurzach. Geschichte im Museum mit wohltuender Pause in der Therme.
Und ein weiterer Vorteil wiegt schwer: Die „AusZeit Card“ gilt während des gesamten Aufenthalts als Ticket für den regionalen Bus- und Bahnverkehr. Quer durch Oberschwaben, das württembergische Allgäu, auf ausgewiesenen Strecken sogar bis zum Bodensee und ins bayerische Allgäu. Kein Kleingeld, keine Fahrplansuche – einfach einsteigen und weiter entdecken.
Der perfekte Abschluss
Nach einem Tag voller Eindrücke empfiehlt Stefanie Negd etwas ganz Einfaches:
Ein kühles Bier.
Eine knusprige Vesperseele.
Ein schöner Platz.
„Das kulinarische Erbe des Barock lebt“, sagt sie. „Man muss es nur genießen.“

Barock für unterwegs
Alle Stationen der Oberschwäbischen Barockstraße, Infos zur „BAROCKwoche“ und die kostenlose Jubiläumsbroschüre gibt es unter www.himmelreich-des-barock.de. Die Lauschtouren zum Hören unter www.oberschwaben-tourismus.de/lauschtouren. Alles zur „AusZeit Card“ unter www.auszeit-card.de.

