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„Man sieht plötzlich mehr“

Stefanie Negd über Lauschtouren, leises Entdecken und Gänsehaut-Momente auf der Barockstraße.

Region Lesedauer: 3 min


Veröffentlicht: Uhr
(Aktualisiert: Uhr)

Zum 60. Jubiläum der Oberschwäbischen Barockstraße setzt die Region verstärkt auf digitale Erlebnisse. Im Mittelpunkt stehen dabei die neuen Lauschtouren. Was steckt dahinter? Und warum verändert Hören die Art zu reisen? Ein Gespräch mit Stefanie Negd, Themenmanagerin der Oberschwäbischen Barockstraße.

„Man braucht nur ein Smartphone – und kann losgehen“

Frau Negd, die Lauschtouren spielen im Jubiläumsjahr eine zentrale Rolle. Was war die Grundidee?

Die Oberschwäbische Barockstraße war vor 60 Jahren eine der ersten Ferienstraßen Deutschlands. Sie verbindet einen riesigen Kulturraum – von Ulm bis nach St. Gallen. Wir haben uns gefragt: Wie können wir die vielen Geschichten dieser Route so erzählen, dass sie leicht zugänglich sind – für Gäste ebenso wie für Einheimische?

Der Barock zeigt sich hier in ganz unterschiedlichen Facetten: in Zwiebeltürmen zwischen grünen Hügeln, in Orgelmusik, im Essen und Trinken oder in unseren Bräuchen. Das Format der Lauschtouren ist dafür ideal. Man braucht nur ein Smartphone und die App – und kann sofort losgehen.

„Der Ort bleibt der Star“

Sie sprechen vom „leisen Entdecken“. Was bedeutet das konkret?

Beim leisen Entdecken steht der Ort selbst im Mittelpunkt. Die Lauschtour drängt sich nicht auf, sondern begleitet den Besucher. Man geht im eigenen Tempo, bleibt stehen, schaut sich um und erfährt dabei ganz leicht Neues.

Anders als bei klassischen Führungen gibt es keinen festen Ablauf und keine Gruppe. Man kann jederzeit pausieren – zum Beispiel für einen Kaffee oder eine Seele auf einem Aussichtsbänkle.

Wie läuft die Entwicklung einer solchen Tour ab?

Der Prozess wird vom Anbieter der Lauschtouren gesteuert. Wir geben den inhaltlichen Rahmen vor – also die Oberschwäbische Barockstraße als roten Faden. Die Recherche, die Aufnahme der Stimmen vor Ort und die Abstimmung mit den lokalen Partnern übernehmen die Lauschtour-Kollegen gemeinsam mit den jeweiligen Orten.

Was berichten Besucher über ihre Erfahrungen?

Viele sagen, dass sie Orte viel intensiver wahrnehmen. Weil sie allein oder in kleinen Gruppen unterwegs sind, entsteht eine ruhigere Atmosphäre. Besonders schön ist es, wenn Menschen erzählen, dass sie einen Ort plötzlich mit ganz anderen Augen sehen.

Der Moment mit der Kuppel

Haben Sie einen Lieblingsmoment auf einer Lauschtour?

In der Lauschtour durch Weingarten gibt es einen Punkt in der Basilika. Man schaut auf die Deckenfresken und erfährt, wie diese Malereien entstanden sind – und wie eine optische Täuschung dafür sorgt, dass man glaubt, direkt in den Himmel zu blicken.

Wenn man bedenkt, in welcher Zeit das geschaffen wurde, bekommt man manchmal wirklich Gänsehaut.

Warum lohnt sich ein Besuch im Jubiläumsjahr besonders?

Ein Besuch entlang der Oberschwäbischen Barockstraße lohnt sich immer. Aber mit den neuen Lauschtouren, den zusätzlichen Stationen und der „BAROCKwoche“ kann man 2026 besonders gut in seinem eigenen Tempo eintauchen und die Region neu kennenlernen.

Tourismus neu gedacht

Tourismus neu gedacht

Die Lauschtouren zeigen: Reisen verändert sich.
Weniger geführt, weniger laut – dafür persönlicher, intensiver und überraschend emotional.

Oder, wie Stefanie Negd es beschreibt:
Man sieht nicht nur mehr. Man hört sich tiefer hinein.

Mehr Hintergründe zum Jubiläum, den neuen Lauschtouren und eine konkrete 3-Tage-Route entlang der Oberschwäbischen Barockstraße finden Sie in unserem ausführlichen Artikel:
60 Jahre Oberschwäbische Barockstraße: Wenn die Ohren den Weg weisen