Sommerzeit
Mit dem Rad an den Ufern der Donau
Donaueschingen • Lesedauer: 4 min

Beinahe 3000 Kilometer lang schlängelt sich die Donau von Süddeutschland bis nach Rumänien ans Schwarze Meer. Über viele Jahrhunderte hinweg war der Fluss eine der bedeutendsten Handelsstraßen zwischen Europa und Asien. Flussabwärts fuhren die Schiffe der Händler und Reisenden problemlos und zügig. Wer jedoch in die entgegengesetzte Richtung wollte, musste einiges an Muskelkraft oder in die Hilfe von Zugpferden investieren. Letztere benötigten gute Wege entlang des Flusses, um ihre Besitzer flussaufwärts zu befördern. Diesen Treppelwege oder Leinpfade genannten Straßen ist es zu verdanken, dass Radfahrer heute ein beispielhaftes Radwegenetz entlang der Donau vorfinden: den Donauradweg.
Eine beliebte Etappe führt vom Quellort der Donau bei Donaueschingen bis nach Sigmaringen. 87 gut zu fahrende Kilometer vorbei an traumhaften Landschaften und echten Kulturdenkmälern, stets begleitet vom wechselvollen Gesicht der Donau.
"Quelltempel" der Donau als Ausgangspunkt
Ausgangspunkt für die Tagestour ist der in Marmor gefasste Quelltempel der Donau im fürstlichen Schlosspark von Donaueschingen. Hier entspringt die Donau und mit ihr der gleichnamige Radweg. Immer den gelben Donauradwegschildern folgend, geht es von nun an stets gen Osten. Kurz nach dem Start kommt es zum Zusammenfluss der beiden Donauquellen Brigach und Breg. Ein geläufiges Sprichwort besagt: „Brigach und Breg bringen die Donau zu Weg“. Von jetzt an schlängelt sich der Radweg durch malerische Kulturlandschaften der sogenannten Baarhochebene.

Die Donau wirkt hier noch wie ein kleines Bächlein. Kaum vorstellbar, dass sie etwas mehr als 100 Kilometer weiter in Ulm zu einem stattlichen Fluss herangewachsen sein wird. Auf dem Weg zur ersten größeren Stadt wird die landwirtschaftliche Idylle immer wieder von kleineren Ortschaften unterbrochen. Neudingen, Geisingen, Hintschingen oder Immendingen heißen diese kleinen Weiler, durch die der Radweg führt.
Und plötzlich ist der Fluss weg
Ein besonders empfehlenswertes Restaurant findet sich nahe Immendingen: Ninas ess-Art nennt sich die kleine Gastronomie, inmitten blühender Wiesen. Nach den ersten circa 20 Kilometern lässt sich hier das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Das Lokal am Wegesrand bietet alles, was das Radlerherz begehrt, während sich wenige Schritte entfernt ein seltenes Nauturschauspiel beobachten lässt: die Donauversickerung.
Auf den folgenden rund zwei Kilometern fällt das Flussbett der Donau besonders im Sommer trocken. Das vorhandene Flussbett muss sich anschließend erst wieder aus neuen Zuflüssen aufbauen. Das entschwundene Wasser kommt nämlich größtenteils nicht mehr zurück. Es fließt unterirdisch in den Karstfelsen des Oberen Jura südwärts, um im sogenannten Aachtopf, in der Gemeinde Aach, die wasserreichste Karstquelle Deutschlands zu speisen. Über die Radolfzeller Aach endet das Donauwasser so schlussendlich im Bodensee.

Kurze Schotterpassage auf überwiegend gut geteertem Donauradweg
Gestärkt von der ersten kleinen Pause kann es nun in Richtung Tuttlingen weitergehen. Hier befindet sich auch eine der wenigen nicht asphaltierten Streckenabschnitte dieser Etappe. Lediglich reine Rennradfahrer tun sich etwas schwer. Mit einem Touren- oder Gravelbike kommt man aber auch hier ohne größere Probleme weiter.

Wer gleich weiterradelt, kommt nach Fridingen. Hier wartet mit dem Donaudurchbruch das nächste Naturspektakel. Auf ihrem Weg gen Osten durchbricht die Donau hier die südwestliche Schwäbische Alb. Bis zu 200 Meter hoch ragen die Kalkwände, in die sich der Fluss im Laufe seines Lebens hineingegraben hat. Gut die Hälfte des Weges hat man mittlerweile geschafft. Der folgende Streckenabschnitt wird allerdings anspruchsvoller, da sich die Schwäbische Alb durchaus in den Beinen bemerkbar macht. Alles in allem bleibt die Etappe mit etwa 365 Höhenmetern aber verhältnismäßig flach und gut zu fahren.
Auf den kommenden Kilometern nach Beuron werden die landschaftlichen Schönheiten durch architektonische Meisterwerke ergänzt. So lädt ein kleiner Abstecher ins Tal zur Besichtigung des Klosters Beuron ein. Bauliches Highlight ist die barocke Klosterkirche aus dem 18. Jahrhundert. Wenig später grüßt von weit her die Burg Wildenstein. Heute als Jugendherberge genutzt, gilt die mehr als 900 Jahre alte Trutzburg als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Burgen Deutschlands.
Über den "Rabenfelsen" auf die Zielgerade
Nur etwa zehn Kilometer weiter, nahe dem Ort Thiergarten, thront der sogenannte Rabenfelsen über dem Fluss und lädt erneut zu einer kleinen Fotopause ein. Wer sich die Mühe macht und auf die felsige Aussichtsplattform klettert, wird mit einem atemberaubenden Blick ins Donautal belohnt.
Jetzt stehen die Schlusskilometer an. Immer wieder quert man die Donau und fährt mal links mal rechts von ihr. Die meisten Höhenmeter sind nun auch geschafft. Und so erreicht man über die Orte Gutenstein, Inzigkofen und Laiz schlussendlich den Zielort Sigmaringen. Standesgemäß empfängt einen hier auch schon von weither sichtbar das Schloss Hohenzollern. Für Mehrtagesfahrer dient die Etappe als Auftakt für eine längere Reise, während Tagesausflügler sich mit dem Zug auf den Rückweg nach Donaueschingen machen können.
