Am Bodensee
Winzerpicknick zwischen den Reben
Nonnenhorn • Lesedauer: 4 min

Während Erika Hornstein drei spritzige Weiße des eigenen Weinguts in einer Kühlmanschette in den Bollerwagen packt, sagt sie: „Die Idee zum Picknick hatten meine Kinder. Ich glaube, das ist jetzt drei Jahre her.“ Dabei liegt es eigentlich auf der Hand, als Weinbaubetrieb den Gästen und Kunden die Möglichkeit zu bieten, mit einem frischen Weißwein im Glas durch die Reb- und Obstgärten der Familie zu streifen und es sich dabei gut gehen zu lassen. Noch dazu, weil sich Nonnenhorn sanft über dem Bodensee erhebt und eine gemächliche Tour mit dem gut gefüllten Picknick-Handwagen immer wieder besonders schöne Ausblicke offenbart.
Zunächst aber kontrolliert die Chefin, ob auch wirklich alles auf den Wagen geladen ist, etwa die großzügig bemessene Brotzeit: eine Platte mit Wurst und Käse, eine Platte mit ein bisschen Schnittgemüse und Griebenschmalz. Das Vesper ist gut gebettet auf Kühlelemente. Im Picknick-Koffer befindet sich Geschirr und Besteck sowie Gläser. Decken fehlen auch nicht. Außerdem zwei Bögen mit möglichen Routen, die je einen Weg beschreiben, für den man rund eine Stunde gemütliche Gehzeit einplanen muss. Wie schnell eine Gruppe oder ein Pärchen tatsächlich vorankommt, hängt freilich vom Durst und Hunger ab. Ohne es ausreichend wissenschaftlich belegen zu können, gilt die Faustregel: Je mehr Wein sich im Bollerwagen befindet, umso länger dauert die Picknick-Tour.
Der Gast bestimmt den Inhalt
Welche Sorten in welcher Menge im Wagen landen, können die Picknicker selbst bestimmen. Kurz vor dem Aufbrechen wird individuell ausgewählt und dann verladen. Die Preise orientieren sich entsprechend am Ausschank in der eigenen Wirtschaft. Die Flasche Müller-Thurgau kostet zum Beispiel 18,50 Euro. Pro Person werden elf Euro für die Brotzeit berechnet. Außerdem eine Pauschale von 20 Euro für die gesamte Picknick-Ausrüstung inklusive Bollerwagen.
Der Weg führt mit dem leichtgängigen Wagen an der Hand zunächst durchs Weindorf Nonnenhorn bis zu einem Aussichtspunkt oberhalb des Friedhofs mit Blick auf den See und hinein in die Rebgärten. Damit bietet er sich ideal an, um im länger werdenden Schatten eines warmen Sommertags zu überprüfen, ob der Sauvignon Blanc tatsächlich so erfrischend auf Körper und Geist wirkt, wie Erika Hornstein angedeutet hat. In der Tat ist es ein besonderer Genuss, das Auge zwischen den Trauben, dem eigenen Glas – herrlich dekorativ beschlagen – und dem Bodensee hin und her wandern zu lassen. Die frühabendliche Stille wird unterbrochen von ein wenig Geschirrgeklapper und den gut gelaunten Stimmen der Menschen, die es sich auf der Picknickdecke bequem gemacht haben.

Zeit, um endlich das Vinzer-Vesper genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei fällt auf, dass gerade an Wurst und Schinken keinerlei Mangel herrscht – am Ende wird sogar noch deutlich etwas davon übrig bleiben. Diverse Brotsorten vertragen sich sehr gut mit dem würzigen Schmalz, in dem Röstzwiebeln und Grieben zwischen den Zähnen nur so krachen. Zwei Sorten Käse – Art Tilsiter und Bergkäse – ergänzen das mobile Nahrungsmittelangebot, ebenso frisch geerntete Äpfel einer frühen Sorte. Vielleicht wäre ein bisschen mehr Obst und Gemüse zugunsten weniger Wurst- und Schinkenware nicht verkehrt gewesen. Fürs nächste Mal weiß man`s – und kann dies bereits bei der Reservierung anmerken. Apropos Reservierung: Die Picknicks können während der Saison von April bis Ende Oktober sehr individuell gebucht werden. Wie hatte Frau Hornstein noch gesagt? „Das geht auch mal spontan, dass man am Vormittag Bescheid gibt, wenn man am Nachmittag losziehen möchte.“ Die Tage am und ums Wochenende sind naturgemäß am stärksten nachgefragt. Familie Hornstein hat ihren Picknick-Fuhrpark deshalb bereits aufgestockt.
Nach einer ersten flüssigen und festen Stärkung ist der Wagen flugs wieder beladen und es geht gemütlich weiter zwischen Reben und später Apfel- und Birnbäumen, die Mitte August schon schwer unter den Früchten der kommenden Ernte tragen. Die gewählte Route führt dann über wenig befahrene, teilweise sogar ganz autofreien Pfaden direkt ins Paradies: So nennt sich nämlich nicht zu Unrecht die schattige Uferanlage direkt am See, die dazu einlädt, mit Blick auf die Halbinsel Wasserburg noch einmal das Picknick auszupacken und zwischen dem einen oder anderen Schluck in den See einzutauchen. Gerade am Abend ist dieser Platz nur noch von wenigen Menschen bevölkert, sodass sich eine wunderbare Sundowner-Stimmung entfaltet, die einmal mehr zeigt, dass es nicht immer die Hotspots sein müssen.
Der Weg zurück zum Weingut Hornstein führt dann wieder durchs Dorf, vorbei an den zum Teil spektakulären Architekturen anderer Weingüter. Nach rund drei Stunden begrüßt Erika Hornstein die satten und von vielerlei Eindrücken beseelten Wein-Spazierer. Und es bleibt die Erkenntnis, dass überhaupt viel zu wenig gepicknickt wird und diese Fehlentwicklung dringend korrigiert gehört. Vor allem am Bodensee.
Buchungsinformationen und Details zu Picknick und Weingut unter www.hornstein.wine.
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