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Sommerzeit

Wie ein historisches Möbelset - Das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof

Gutach Lesedauer: 3 min

Ein Dach aus Stroh, Wände aus Holz und eine Küche, die mit einer dicken Rußschicht überzogen ist: der Vogtsbauernhof im Schwarzwald. Dabei bietet das Freilichtmuseum noch so viel mehr.

Veröffentlicht: Uhr
(Aktualisiert: Uhr)
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Beim Betreten des Freilichtmuseum Vogtsbauernhof bei Gutach im Schwarzwald fühlt man sich sofort in eine andere Zeit versetzt. Bauernhöfe mit Strohdächern, dazwischen springen Ziegen und Hühner über die Wiesen und in der Ferne hört man das donnernde Mahlwerk einer jahrhundertealten Mühle, die noch immer Getreide zu Mehl verarbeiten kann. Jedes der Gebäude erzählt eine Geschichte und repräsentiert die unterschiedlichen Orte des Schwarzwaldes, sagt die Geschäftsführerin des Museums, Margit Langer.

Eröffnet wurde das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof 1964 und ist damit das älteste Freilichtmuseum in Baden-Württemberg. Gelegen im malerischen Gutachtal bietet es seinen Besuchern einen faszinierenden Einblick in das ländliche Leben und die Kulturgeschichte des Schwarzwaldes. Das Museum erstreckt sich über ein weitläufiges Gelände von knapp sieben Hektar und zeigt originalgetreu restaurierte Gebäude, die die architektonische Vielfalt und traditionelle Bauweise der Region widerspiegeln.

Historische Gebäude und Architektur

Bevor die Häuser und Höfe auf dem Gelände ihren Platz fanden, mussten sie zunächst an ihrem früheren Standort teilweise zerlegt werden, erzählt Margit Langer. „Bei den Vollholzkonstruktionen hat man wirklich Balken für Balken abgetragen, nummeriert und hier wieder aufgebaut“, so die Geschäftsführerin. Zum Beispiel beim „Hippenseppenhof“: Das Gebäude wurde Mitte der 1960er-Jahre an seinem Standort in Furtwangen-Katzensteig in seine Einzelteile zerlegt, rund 30 Kilometer nach Gutach transportiert und auf dem Gelände des Museums wie ein riesiges IKEA-Möbelset erneut zusammengesetzt. Eine spannende Aufgabe, erzählt Langer. Sie selbst begleitete bisher zwei Versetzungen dieser Art, zuletzt 2023 beim „Ortenauhaus“ aus dem knapp 50 Kilometer entfernten Durbach.

„Doch das Herzstück des Museums ist der namensgebende Vogtsbauernhof“, ergänzt Langer. Mit seinem markanten strohgedeckten Walmdach und der Holzverschalung repräsentiert der 1612 erbaute Bauernhof die typische Schwarzwälder Bauweise. Gerade im Inneren des Hofs wird deutlich, wie einfach das Leben früher war. Hölzerne Möbel, fehlender Strom und schwarz verrußte Lehmwände in der Rauchküche erzählen von vergangenen Tagen, als der Hof noch aktiv bewirtschaftet wurde.

Das Herzstück des Museums ist der Vogtsbauernhof, ein imposanter, 1612 erbauter Bauernhof, der die typische Schwarzwälder Bauweise mit seinem markanten Walmdach und der Holzverschalung repräsentiert.
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Das Herzstück des Museums ist der Vogtsbauernhof, ein imposanter, 1612 erbauter Bauernhof, der die typische Schwarzwälder Bauweise mit seinem markanten Walmdach und der Holzverschalung repräsentiert. (Foto: ost)

Besonderes Highlight des Museums sind die regelmäßig wechselnden Präsentationen traditioneller Handwerkskünste. Besucher haben die Möglichkeit, den Schmieden, Webern oder Bäckern bei ihrer Arbeit zuzusehen und selbst an Workshops teilzunehmen. Während der aktuellen Saison können Besucher auch die Sonderausstellung „60 Jahre Freilichtmuseum Vogtsbauernhof“ besichtigen.

Familienfreundliche Angebote

Auch für Kinder hält das Museum eine Menge Erlebnismöglichkeiten bereit, die besonders familienfreundlich gestaltet wurden. So haben die Kinder die Chance, an speziellen Führungen und Bastelaktionen teilzunehmen. An verschiedenen Stationen besteht auch für sie die Möglichkeit, das traditionelle Handwerk kennenzulernen. Zum Beispiel, wie es sich anfühlt, eine Kuh zu melken. Sollte danach immer noch Energie übrig sein, bietet der Abenteuerspielplatz genug Fläche, sich endgültig auszutoben. Und natürlich dürfen auf einem Bauernhof die Tiere nicht fehlen. So finden sich Pferde, Kühe, Schweine und Ziegen, aber auch Hühner, Tauben und Kaninchen auf dem Gelände, sagt Langer und ergänzt: „Bei uns ist es also wirklich sehr lebendig.“

Besonders auch das 600 Jahre alte „Schlössle von Effingen“. Das Gebäude zählt zu den ältesten Gebäuden in einem deutschen Freilichtmuseum.
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Besonders auch das 600 Jahre alte „Schlössle von Effingen“. Das Gebäude zählt zu den ältesten Gebäuden in einem deutschen Freilichtmuseum. (Foto: hüsam)

Kulinarische Erlebnisse

Neben den kulturellen und handwerklichen Darstellungen bietet das Museum auch kulinarische Genüsse. In der Museumswirtschaft werden regionale Spezialitäten serviert. Darunter Flammkuchen mit Schwarzwälder Schinken oder die berühmte Schwarzwälder Kirschtorte, die Besucher in gemütlicher Atmosphäre im Ortenauhaus genießen können.

Das Museum lässt sich neben dem Auto auch mit dem Zug erreichen. Der Bahnhalt „Gutach Freilichtmuseum“ direkt vor dem Museum wird während der Öffnungszeiten stündlich angefahren. Bis zum 3. November können Besucher den Hof von 9 bis 18 Uhr erleben. Preise und weitere Informationen unter vogtsbauernhof.de.