Kulinarische Schnitzeljagd
Jedes Rätsel führt zur nächsten Genussstation
Romanshorn • Lesedauer: 4 min

Was ist ein Riegelhaus? Wo liegt Mostindien? Sind Mostbröckli vegetarisch? Auf diese und weitere Fragen gibt die Erkundungsreise durchs Thurgau Antworten.
„550 Höhenmeter und 45 Kilometer? Dafür brauchen wir nicht unbedingt das E-Bike, das geht auch mit Bio-Bike“, war die Aussage meines möglichen Begleiters. Statt mit mir im Thurgau auf FoodTrail ist er jetzt allerdings im Campingurlaub. Aufgrund seines Vertrauens in meine sportlichen Fähigkeiten und in Ermangelung eines eigenen E-Bikes sitze ich also im Sattel meines Mountainbikes und trete, trete, trete, um den Berg der fünften Etappe hochzukommen. Die Sonne lacht, ich schnaufe. Versöhnlich stimmen der Seeblick und mein Trinkrucksack. Meine Begleiterin legt die Strecke mit Elektroantrieb ein wenig anstrengungsfreier zurück.
Diese Tour startet in Romanshorn
Die fürs E-Bike konzipierte Rundtour startet in Romanshorn am Schalter der Schweizer Bodensee-Schifffahrt. Im Tausch gegen den Anmeldecoupon gibt es einen apfelgrünen Turnbeutel, ein Fläschchen Wasser, ein paar grundlegende Informationen und das erste Rätsel im Startkuvert. Helm zurecht gezurrt, ab aufs eigene oder aufs Leihfahrrad, los Richtung erster Genussstation. Wir folgen einer Veloroute vorbei an Obstplantagen und Malvensträuchern bis zu einem Dorf, in dem wir uns weitere Hinweise erarbeiten müssen. „Für die Lösungsfindung sind alle Hilfsmittel erlaubt, zum Beispiel Karte, Smartphone …“ heißt es im Infoblatt. Wenn das so ist, greife ich mal zur Satellitenansicht von Google Maps, um ein gesuchtes Bauwerk zu finden. Treffer! Jetzt steht fest, wo wir suchen müssen. Weiter geht’s dann - zunächst in die falsche Richtung – wir scheinen die Anweisung fehlinterpretiert zu haben. Macht aber nichts. Mithilfe eines Dorfbewohners und der Navigation auf dem Smartphone kommen wir schließlich ans erste Ziel. Hier tauschen wir den entsprechenden Coupon gegen einen Snack und das nächste Rätsel.
„Wie hat es Ihnen geschmeckt?“, fragen wir die zwei Damen mit dem bekannten, auffallend grünen Turnbeutel auf dem Rücken an einer Station am Bodenseeufer. „Sehr lecker“, bekunden sie. Es ist ihr zweiter FoodTrail – und ihr Favorit. Sie sollen recht behalten – auch uns wird es hier mit Blick aufs Wasser schmecken. An der nächsten Station dasselbe Spiel: Als wir eintreffen, sind die beiden Damen gerade am Aufbrechen, wieder Daumen hoch für das, was uns an Erfrischung erwartet. Vor uns sind heute drei Gruppen an Schatzsuchern gestartet. Mit den anderen beiden kommen wir an einem Fahrradständer am Rand der Arboner Altstadt ins Gespräch, bevor sie davon sausen und wir uns den nächsten Aufgaben stellen.

Statt auf unseren Mitstreitern mit den grünen Turnbeuteln treffen wir an einer der Stationen auf eine Hochzeitsgesellschaft. Das hochglanzpolierte Oldtimer-Cabrio und die weißen und roten Herzluftballons haben schon erahnen lassen, dass es an diesem sonnigen Sommertag auf der Terrasse etwas zu feiern gibt: Petra und Frank haben den Bund fürs Leben geschlossen. Wir Radler halten uns mit Wein und Käse am Rand und lösen das nächste Rätsel.
Aufgrund von Irrungen, Wirrungen und persönlichen Präferenzen legen wir am Ende statt der 45 Kilometer 53 Kilometer zurück. Hätten wir den Assistenten genutzt, der über das Smartphone weitere Hilfestellungen gibt, wäre es vielleicht etwas schneller gegangen. Aber das verbietet die Abenteuerlust – auch auf dem mit circa 90 Minuten längsten Abschnitt der Tour. Wir befinden uns schon eine geraume Weile zwischen zwei Stationen unserer kulinarischen Schnitzeljagd. „Bist du sicher, dass die Sehenswürdigkeit noch kommt?“, fragt meine Begleiterin, der die Etappe arg lang erscheint. „Ja“, bestätige ich. Die Schilder weisen noch immer in Richtung der gesuchten Ortschaft und von der Navigation des in den Rucksack verbannten Smartphones kommen bei den relevanten Abzweigungen auch die entsprechenden Hinweise. An der Sehenswürdigkeit gibt es einen Hofladen mit Spezialitäten – und einen Kasten mit Tierfutter, beides jedoch nicht für unsere Coupons gedacht. Wir werden anhand eines Bilderrätsels aufgefordert, noch anderthalb Kilometer weiterzuradeln.
Spannende Rätsel
Ob nun Piktogramm, Fragen zum Allgemeinwissen oder Fotorallye – die Rätsel und Hinweise sind abwechslungsreich, wie auch die Snacks, Getränke oder Speisen an den einzelnen Stationen. Die Genießer hätten sich eventuell ein wenig mehr Zeit gewünscht – für einen Abstecher in den See oder in ein Museum. Aber: Heute ist nicht aller Tage – wir kommen wieder, keine Frage.
Weitere Informationen: Der Food Trail Thurgau kann diese Saison noch bis Ende Oktober zum Preis von 68 CHF gebucht werden. Ein E-Bike lässt sich optional für 50 CHF mieten. Weitere Trails führen auf dem E-Bike beispielsweise durch das Emmental oder das Seetal. Mit der Bahn gibt es Angebote im Seeland und Appenzellerland. Zu Fuß geht es unter anderem durch Vaduz, Schaffhausen, St. Gallen oder Zürich. Manche FoodTrails sind auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen möglich. Informationen und Tickets unter www.foodtrail.ch.
Alle Reportagen und Verlosungen der „Sommerzeit“-Serie finden Sie auch online unter www.schwäbische.de/themen/sommerzeit