Serie Sommerzeit
Junges Leben im Museumsdorf Kürnbach
Bad Schussenried • Lesedauer: 4 min

Als sie an der Hand der Mutter durch die einladend offene Haustür tritt, fragt das kleine, blondgelockte Mädchen: „Wohnt hier niemand mehr?“ Nein, es ist keiner zu Hause. Der große Herd ist kalt, die alten Milchkannen sind leer und in der guten Stube sitzt auch keiner am Holztisch oder am Kachelofen. Der kleine Theo, der auf einem Schild am Eingang große und kleine Gäste willkommen heißt, wohnt tatsächlich schon lange nicht mehr im schönen, alten Haus Laternser. Und doch scheint in und um den prächtigen strohgedeckten Hof im Museumsdorf Kürnbach das Leben zu pulsieren. Kinderwagen oder kostenlos zur Verfügung gestellte Bollerwagen knirschen auf den Kieswegen, hier und da sind helle Stimmen zu vernehmen, gefolgt von elterlichen Ermahnungen.
Auf dem weitläufigen Gelände bei Bad Schussenried verteilen sich etwa 40 alte Gebäude, große und kleine, jüngere und ältere, die einst in verschiedenen Weilern oder Dörfern Oberschwabens standen. Vom Straßenwärterhäuschen bis zur Zehntscheuer, von der Eligius-Kapelle bis zur Umspannstation ist auf vielfältige Weise dokumentiert, wie in früheren Jahrhunderten in diesem Landstrich gelebt und gearbeitet wurde.

Die meisten Besucher zieht es beim Rundgang zunächst zur Keimzelle des Museums, dem Kürnbachhaus aus dem 17. Jahrhundert, das noch am ursprünglichen Standort steht. Aber während die Erwachsenen hier den Sorgen und Nöten der ehemaligen Bewohner lauschen, die beim Betreten aus den Lautsprechern zu hören sind, haben die jüngsten Besucher ganz anderes im Sinn.
Am kleinen Brunnen vor dem alten Hof wird kräftig Wasser gepumpt. Das Eimerchen muss voll werden, dann gibt es als Belohnung ein Tiersymbol, das eigenhändig in ein Heftchen gestanzt wird, das die Kinder am Eingang bekommen. „Feschte drucka, Timo!“, weist ein Bub seinen jüngeren Bruder an. Dann geht's schon weiter, es warten schließlich noch weitere acht Stationen.
Denn die Kinder sind auf dem Entdeckerpfad durchs Museumsdorf unterwegs. Da gilt es dann, im Stall des Hauses Laternser beispielsweise eine Kuh zu melken, die zwar lebensgroß, aber nicht echt ist - und daher unendlich geduldig bleibt, wenn sich die Kleinsten am Plastikeuter mühen. Im Haus Hueb werden die Elemente eines Fachwerks fachmännisch zusammengesetzt, und im alten Klassenzimmer im oberen Stock des Rathauses können die Mädchen und Jungen versuchen, ihre Namen in Sütterlinschrift auf eine Schiefertafel zu schreiben.

Die größte Attraktion wartet aber eindeutig am Spritzenhaus, wo nicht nur alte Gerätschaften der Feuerwehr bestaunt werden können. Hier heißt es: Wasser marsch! Die Kübelspritze wird eigenhändig in Betrieb gesetzt, es gilt schließlich ein Feuer zu löschen. Die Flammen sind natürlich nicht echt, aber das tut dem Ehrgeiz des Feuerwehrnachwuchses keinen Abbruch. Diese Station auf dem Entdeckerpfad ist so beliebt, dass dafür eigens eine Zisterne angelegt wurde, damit der Wasservorrat gesichert ist, wie Sophia Distler vom Museumsdorf erzählt.
Familienfreundlichkeit wird in Kürnbach großgeschrieben, sie wurde zuletzt sogar durch ein Zertifikat bestätigt, wie die Museumsmanagerin berichtet. Nicht nur der Entdeckerpfad für Kinder ist hierfür ein wichtiges Element. Auch die alte Kegelbahn oder der Spielplatz mit großem Baumhaus und diversen Klettermöglichkeiten bieten viel Raum, um sich auszutoben. Eltern und Großeltern finden derweil genug Bänke und Tische vor, an denen sich alle auch mit mitgebrachtem Vesper stärken können. Letzteres ist natürlich auch im Vesperstüble beim Tante-Emma-Laden möglich.

Auch abseits des Entdeckerpfads gibt es im Museumsdorf so manches zu entdecken. Im Bienenhaus Frech beispielsweise summt und brummt es, hier können emsige und sehr echte Bienen in einem Schaukasten hinter Glas beobachtet werden, sogar die markierte Bienenkönigin ist schnell gefunden. Und das sind nicht die einzigen Tiere, die auf der Anlage leben. Eine braune Kuh, die zur Überraschung mancher Besucher tatsächlich Hörner trägt, beäugt die Besucher seelenruhig, während die frecheren Ziegen offenbar schon hoffen, von der ein oder anderen Kinderhand ein Büschel frisches Gras gereicht zu bekommen. „Wir sind kein Streichelzoo, aber die Kinder sollen die Tiere ja auch kennenlernen“, sagt Sophia Distler. Auf kleinen Infotafeln ist daher auch über die Schafe oder Hühner einiges zu erfahren.
Besonders viel los ist auf dem Museumsgelände an den Wochenenden, wenn für Kinder und Familien besondere Führungen oder Veranstaltungen angeboten werden. Dann duftet es auch aus dem alten Backhäuschen, wenn der Bäcker frische Seelen, Knauzen und Dinnete aus dem Holzofen holt. „Wir haben auch schon Schwarzmus mit den Kindern gekocht“, erzählt Distler. Der Getreidebrei, auch als „Brennt's Muas“ bekannt, war in den Bauernfamilien Oberschwabens einst ein gängiges Essen. An diesem Sonntag, 25. August, steht „Tierisches Landleben“ auf dem Programm. Dabei wird gezeigt, welche Tiere früher auf dem Bauernhof lebten und wie sie dem Menschen nutzten. Am letzten Feriensonntag, dem 8. September, wird dann das traditionelle Schlachtfest im Museumsdorf gefeiert.
Weitere Informationen: Oberschwäbisches Museumsdorf Kürnbach, Tel.: 07351-52-6790, www.Museumsdorf-Kürnbach.de