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Gesundheit

Der Hals kratzt: Kann ich eine beginnende Erkältung stoppen?

Vitamin C- oder Zinktabletten, Ingwershot und Sofaruhe: Wer erste Anzeichen einer Erkältung bemerkt, tut oft vieles in der Hoffnung, das Schlimmste doch noch abzuwenden. Geht das? Ein Arzt ordnet ein.

Wipperfürth • Lesedauer: 3 min.


Veröffentlicht: Uhr
(Aktualisiert: Uhr)

Mit einem trockenen, kratzigen Gefühl im Hals aufgewacht? Willkommen in der Erkältungszeit! Blöd nur, dass Husten, Schnupfen und Co. oft genau dann grüßen, wenn wir sie am allerwenigsten gebrauchen können. Lässt sich der Infekt jetzt noch abwenden? 

„Ein ganz klares Nein“, sagt Markus Tullius, Chefarzt und Allgemeinmediziner an der Helios Klinik Wipperfürth. Ob laufende Nase oder schmerzender Hals: „Das, was wir da spüren, sind die Symptome, die unser Immunsystem bei der Bekämpfung der Viren produziert“, erklärt der Mediziner. Die Ansteckung liegt dann aber schon eine gewisse Zeit zurück. Oft vergehen um die 48 Stunden zwischen dem Kontakt mit Atemwegsviren und den ersten Beschwerden. 

Plagen uns erste Symptome, spricht das dafür, dass es in den Schleimhäuten bereits eine hohe Virenlast gibt, gegen die sich der Körper zur Wehr setzt. Die ernüchternde Antwort: Die Erkältung lässt sich jetzt nicht mehr stoppen. 

Wie Ingwershot und Co. der Seele guttun

Viele Menschen wissen das. Und fahren beim ersten Halskratzen dennoch ein mitunter ritualisiertes Anti-Erkältungsprogramm - in der Hoffnung, doch noch das Ruder herumreißen zu können. 

Immerhin: Ingwershot, heißer Tee oder warme Wanne können uns eine Erkältung zwar nicht ersparen. Das heißt aber nicht, dass diese Maßnahmen gar keinen Nutzen für uns haben. „Das Sich-um-sich-selbst-Kümmern tut einem gut, weil man das Gefühl hat "Ich kann selbst etwas tun" und dem Kontrollverlust etwas entgegensetzen kann“, sagt Markus Tullius. 

Wenn der Hals kratzt, gibt es erst einmal heißen Ingwertee? Wegzaubern kann der die Erkältung nicht. Aber er kann guttun - auch der Seele.
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Wenn der Hals kratzt, gibt es erst einmal heißen Ingwertee? Wegzaubern kann der die Erkältung nicht. Aber er kann guttun - auch der Seele. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Vitamin C und Zink sind keine Wundermittel

Und was ist mit Vitamin-C- und Zinkpräparaten, auf die viele in der Erkältungszeit schwören? Dass sie Infekte abwenden oder verhindern können, ist wissenschaftlich nicht belegt. 

Was Studien laut dem Portal „gesundheitsinformation.de“ aber zeigen: Die regelmäßige Einnahme von Vitamin-C-Präparaten kann die Dauer von Erkältungsbeschwerden leicht verkürzen. Wird Vitamin C erst zu Beginn der Erkältung eingenommen, zeigt sich aber kein Effekt.

Auch die regelmäßige Einnahme von Zinktabletten kann Studien zufolge dafür sorgen, dass Erkältungssymptome etwas weniger lang bleiben. Das internationale Forschungsnetzwerk Cochrane ordnet die Ergebnisse allerdings als unsicher ein. Dazu kommt: Die Einnahme von Zink kann Nebenwirkungen wie Geschmacksstörungen und Magenbeschwerden mit sich bringen. 

Zink und Vitamin C, um Erkältungen zu vermeiden? Daran glauben viele. Überzeugende wissenschaftliche Belege dafür fehlen aber.
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Zink und Vitamin C, um Erkältungen zu vermeiden? Daran glauben viele. Überzeugende wissenschaftliche Belege dafür fehlen aber. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Hilfe, ich muss doch funktionieren!

Manchmal muss man einfach fit sein. Dafür gibt es allerlei Kombi-Erkältungsmedikamente in der Apotheke. Sie enthalten zum einen schmerz- und fiebersenkende Wirkstoffe wie Paracetamol, Ibuprofen oder ASS, zum anderen Pseudoephedrin, der die Schleimhäute abschwellen lässt. 

In Einzelfällen - etwa, wenn man für einen Vortrag fit sein muss - könne man solche Medikamente einnehmen, sagt Markus Tullius. Sie wirken ihm zufolge effektiv. „Sie werden dann gut durchkommen durch den Tag. Sie werden sich abends aber womöglich kränker fühlen als zuvor“, beobachtet der Mediziner immer wieder. Zudem kaufe man sich dem Mediziner zufolge mit dem Wirkstoff Pseudoephedrin das Risiko ein, dass sich der Infekt verzögert.

Und nicht jeder hat auf dem Schirm, dass in den Medikamenten bereits schmerzstillende Wirkstoffe enthalten sind. Wer noch eine Schmerztablette einnimmt, übersteigt womöglich die täglich empfohlene Dosis des Wirkstoffs.

Immer eine gute Idee: Abwarten und Tee trinken

Auch wenn eigentlich so viel zu tun wäre: Wer eine Erkältung hat, ruht sich am besten gut aus - und akzeptiert, dass der Körper nun gegen die Viren arbeitet. 

Die gute Nachricht: Besserung ist absehbar. Erkältungen bezeichnen Mediziner als „selbstlimitierend“. Das heißt: Der Körper wird mit den Erregern selbst fertig, wenn man ihm die Zeit dafür gibt. „Drei Tage kommt die Erkältung, drei Tage bleibt sie, drei Tage geht sie“, fasst Markus Tullius zusammen.