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Wo der Herbst auf den Teller kommt

Pilze, Kastanien und kleine Entdeckungen am Wegesrand – ein Spaziergang durch die kulinarische Vorratskammer der Natur. Dazu gibt es ein Rezept zum Nachkochen.

Region • Lesedauer: 4 min.


Veröffentlicht: Uhr
(Aktualisiert: Uhr)

Der Wald beginnt nicht am Waldrand. Er beginnt am Geruch. Ein paar Schritte auf feuchtem Boden genügen, und schon liegt er in der Luft: dieser typische Duft aus Erde, Laub und einer feinen, erdigen Pilznote. Der Waldboden speichert den Regen der letzten Tage, die Blätter beginnen sich zu zersetzen, und zwischen den Baumkronen hängt noch ein Rest Morgendunst.

Die Vorratskammer der Natur

Was im Sommer oft übersehen wird, tritt im Herbst deutlich hervor. Der Wald wirkt dann nicht mehr wie eine grüne Fläche, sondern wie ein vielschichtiger Lebensraum voller kleiner Hinweise.

Am Wegrand liegen Kastanien im Laub, glatt und braun, frisch gefallen aus stacheligen Hüllen. Hagebutten leuchten rot zwischen den Sträuchern und liefern wichtige Nahrung für Vögel – und seit Jahrhunderten auch Vitamin-C-reiche Wildfrüchte für die Küche. An sonnigen Waldrändern finden sich Brombeeren, die bis in den Oktober hinein reifen. Und unter Buchen und Haselsträuchern verbergen sich Nüsse, die den Herbst zur klassischen Sammelzeit machen.

Der Wald ist keine freie Selbstbedienung, aber er zeigt, wie reich eine Landschaft sein kann, wenn man sie aufmerksam liest.

Wussten Sie schon?

  • Hagebutten enthalten besonders viel Vitamin C und wurden traditionell für Tee und Mus verwendet.
  • Esskastanien (Maronen) waren in Mitteleuropa über Jahrhunderte ein wichtiges Grundnahrungsmittel.
  • Viele Wildfrüchte erreichen im Herbst ihren kulinarischen „Reifehöhepunkt“ mit besonders intensiven Aromen.

Kastanien – das vergessene Erbe

Die Esskastanie gehört zu den prägendsten Herbstfrüchten in wärmeren Regionen. Sie ist ein kulinarisches Erbe, das fast in Vergessenheit geraten ist. In wärmeren Gefilden Europas war sie einst das „Brot des Waldes“, ein Grundnahrungsmittel, das ganze Regionen ernährte. Auch bei uns finden sich noch vereinzelt diese alten Bäume als stumme Zeitzeugen, die an sonnigen Hängen, in Parks oder an Waldrändern auf ihre Entdeckung warten.

Wer sie findet, sollte genau hinsehen: Essbar ist nur die Frucht der Edelkastanie, auch Marone genannt. Sie ist spitz zulaufend und steckt in einer dichten, weichstacheligen Hülle. Die Rosskastanie hingegen ist eher ein Fall fürs Bastelzimmer – ihre glänzende Frucht in der hartstacheligen Hülle sieht zwar hübsch aus, ist aber für den Menschen ungenießbar.

Walnüsse und Haselnüsse ergänzen die Saison um eine kräftige, leicht herbe Note. In der Küche eignen sie sich als Topping, in Teigen oder geröstet über Salaten.

Pilze: Faszination mit Verantwortung

Kaum eine Jahreszeit ist so eng mit Pilzen verbunden wie der Herbst. Feuchtigkeit, milde Temperaturen und organisches Material schaffen ideale Bedingungen für ihr Wachstum.

Steinpilze gelten als vergleichsweise gut erkennbar und sind in der Küche sehr geschätzt. Dennoch besteht auch hier Verwechslungsgefahr mit ungenießbaren Arten. Pfifferlinge sind durch ihre gelbe Farbe auffällig und wachsen häufig in moosreichen Nadel- und Mischwäldern. Aber auch sie haben ihre Doppelgänger: der giftige Ölbaumtrichterling sieht ähnlich aus und wächst an gleichen Stellen. Wer sich nicht absolut sicher ist, sollte daher lieber auf geprüfte Ware vom Markt oder vom Fachhändler zurückgreifen.

Grundsätzlich gilt: Nur sammeln, was zweifelsfrei bestimmt werden kann. Viele Regionen bieten dafür ehrenamtliche Pilzberatungen an, wie etwa die Freiwilligenagentur Ravensburg oder das B.U.N.D.-Umweltzentrum in Sigmaringen. Eine weitere zuverlässige Anlaufstelle bietet die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM).

Sicherheitshinweis beim Sammeln

  • Nur sammeln, was eindeutig bestimmt werden kann
  • Keine Pilze aus Naturschutzgebieten entnehmen
  • Im Zweifel stehen lassen
  • Bei Unsicherheit: Pilzberatung (alle Infos finden sich online unter www.dgfm-ev.de) oder geprüfte Marktware nutzen
  • Regionale Sammelregelungen beachten

Wildkräuter im Herbst

Der Wald zeigt im Herbst nicht nur Früchte und Pilze. Unter Laubschichten wachsen Wildkräuter wie Brennnessel oder Sauerampfer weiter, auch wenn sie weniger sichtbar sind. Sie wurden traditionell in der Küche verwendet und liefern geschmackliche wie kulinarische Vielfalt – heute vor allem in der regionalen und saisonalen Küche wiederentdeckt.

Aus der Brennnessel lässt sich ein würziges Pesto zubereiten oder ein feiner Tee aufbrühen – reich an Eisen und Vitaminen. Der Sauerampfer überzeugt mit seiner zitronig-frischen Note, die Salaten, Suppen oder Quarkspeisen eine besondere Säure verleiht. Auch Giersch – oft als lästiges „Unkraut“ im Garten empfunden – ist ein unterschätztes Wildgemüse, das sich wie Spinat zubereiten lässt und an Petersilie mit einer leichten Karottennote erinnert.

Auch junge Triebe und Blätter einzelner Baumarten wurden historisch genutzt, etwa die der Rotbuche, die im Frühling gesammelt werden, aber im Herbst noch zarte Nachzügler finden lassen.

Zurück in der Küche

Zuhause wirkt der Wald nach. Auf dem Tisch liegen Kastanien, Nüsse oder Pilze aus sicherer Herkunft – vom Markt, aus kontrollierter Sammlung oder aus der eigenen Umgebung. Der Übergang ist unspektakulär, und darin liegt sein Reiz: Aus einfachen Zutaten entsteht ein Gericht, das den Tag verlängert.


Rezept: Cremige Herbstpasta mit Pilzen und Esskastanien

Zutaten (für 2 Personen)

  • 300 g Tagliatelle
  • 250 g gemischte Pilze (z. B. Kräuterseitlinge, Austernpilze oder Champignons)
  • 200 g vorgegarte Esskastanien (Maronen, aus Glas oder Vakuum)
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 150 ml Gemüsebrühe
  • 80 g Frischkäse
  • 1 Schuss Balsamico-Essig
  • Salz, Pfeffer, Öl, Petersilie und Parmesan zum Servieren

Zubereitung:
1. Pilze vorsichtig mit einem Tuch oder einer weichen Bürste reinigen und in Scheiben schneiden. In einer heißen Pfanne mit etwas Öl kräftig anbraten, bis sie goldbraun sind.
2. Zwiebel und Knoblauch fein würfeln und kurz mitdünsten. Die grob gehackten Esskastanien hinzufügen und leicht anrösten.
3. Mit Gemüsebrühe ablöschen, Frischkäse einrühren und mit Balsamico, Salz und Pfeffer abschmecken. Währenddessen die Pasta al dente kochen.
4. Alles vermengen, bei Bedarf mit etwas Nudelwasser cremig ziehen und mit Petersilie und Parmesan servieren.

Tipp: Dazu ein heißer Brennnesseltee – selbst gezogen, selbst aufgebrüht – und das warme Gefühl eines Tages, der in der Natur begonnen hat.

Guten Appetit!