Zum Inhalt springen
VG Wort tracking pixel
  1. Startseite
  2. Ratgeber
  3. Gesundheit
  4. Aktuelles
  5. Aktiv Magazin

aktiv Magazin

Augen ab 40: Was Sie jetzt wissen sollten

Schlechter sehen gehört zum Älterwerden, oder? Dr. Georg Eckert über die kleine Veränderung, die große Frage und ein Warnsystem, das es so nicht gibt.

Region • Lesedauer: 4 min.


Veröffentlicht: Uhr

Irgendwann zwischen 40 und 50 passiert es: Die Sehkraft lässt nach. Wie Haare, Haut und der Rest des Körpers, altern auch die Augen. Doch hier setzt ein medizinisch entscheidender Punkt an: Veränderungen des Sehens sind in dieser Lebensphase häufig normal – aber nicht immer harmlos. Denn in dieser Lebensphase steigt auch das Risiko für ernsthafte Erkrankungen. Darum gilt es jetzt genau hinzusehen und normale Veränderungen von behandlungsbedürftigen zu unterscheiden.

Das Überraschende ist nicht, dass sich das Sehen mit der Zeit verändert. Sondern, dass viele Menschen es erstaunlich lange nicht bemerken.

Der Unterschied zu den Zähnen

„Die Zähne melden sich meist, wenn ein Problem vorliegt. Dann drückt es. Tut weh. Die Augen dagegen bleiben ruhig, auch wenn etwas nicht stimmt. Sie haben kein Warnsystem, das uns aufschrecken lässt.“

Grauer Star, Grüner Star oder Netzhauterkrankungen verursachen in aller Regel keine Schmerzen. Das Sehvermögen schwindet so langsam, dass Betroffene das sehr spät bemerken. „Da die Augen genauso wichtig sind wie die Zähne“, sagt Georg Eckert, „sollten auch sie einmal im Jahr angeschaut werden.“

Die Grenze, die Sie kennen sollten

Die entscheidende Frage ist: Was verändert sich?

„Viele merken in diesem Alter, dass sie in der Nähe schlechter sehen“, sagt Georg Eckert. Meist steckt dahinter ein ganz normaler Vorgang: Die Linse im Auge wird mit den Jahren weniger beweglich. Das Auge kann nicht mehr so schnell zwischen nah und fern umstellen. Die Folge ist bekannt. Bücher rücken weiter weg, das Handy wird höher gehalten, irgendwann hilft eine Lesebrille. Das ist in der Regel harmlos.

Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Nicht jede Veränderung ist gleich. Solange nur das Lesen schwieriger wird und die Fernsicht stabil bleibt, spricht vieles für die sogenannte Alterssichtigkeit. Ein Fall für den Optiker.

„Wenn die Sehkraft in der Ferne nachlässt, obwohl man vorher gut gesehen hat, muss das abgeklärt werden“, sagt Georg Eckert. Denn dann können Erkrankungen dahinterstecken, die nichts mit dem normalen Altern der Augen zu tun haben. Dazu gehören Grauer Star, Grüner Star oder Veränderungen an der Netzhaut.

Gut behandeln – wenn man rechtzeitig reagiert

Die gute Nachricht: Die Augenheilkunde kann heute viel. Der Graue Star kann in der Regel operativ sehr gut versorgt werden. Beim Grünen Star helfen Augentropfen oder eine Laserbehandlung. Auch bei Erkrankungen der Netzhaut gibt es moderne Therapien. „Entscheidend ist, dass man früh genug dran ist“, sagt Dr. Eckert. „Dann lassen sich Schäden oft vermeiden.“

Wenn es plötzlich anders wird

Es gibt aber auch Situationen, in denen man nicht warten sollte. Wenn sich das Sehen plötzlich verschlechtert, Lichtblitze auftreten, viele neue schwarze Punkte im Sichtfeld erscheinen oder ein Schatten ins Blickfeld kommt, sollte man sofort zum Arzt gehen. „Das kann ein Hinweis auf eine Netzhautablösung sein“, warnt Georg Eckert. „Dann zählt jede Minute.“

Regelmäßig kontrollieren lohnt sich

Und unabhängig davon gilt: Eine regelmäßige Kontrolle ist der einzige Weg, Veränderungen zu erkennen, bevor sie spürbar werden.

Wie oft eine Untersuchung sinnvoll ist, hängt vom Alter und von den persönlichen Risiken ab. Die American Academy of Ophthalmology empfiehlt eine vollständige Augenuntersuchung mit 40 Jahren – auch ohne Beschwerden. Denn dann kann der Arzt einen Ausgangsbefund erstellen, an dem sich spätere Veränderungen messen lassen.

  • Mit 40: Erste vollständige Untersuchung – das ist der Nullpunkt für alle späteren Vergleiche.
  • Zwischen 40 und 60: Bei unauffälligem Befund reichen oft größere Abstände, etwa alle zwei bis drei Jahre.
  • Ab 60: Jährliche Kontrollen werden empfohlen.
  • Bei Risikofaktoren: Wenn Sie Diabetes haben, Augenerkrankungen in der Familie vorkommen oder Sie stark kurzsichtig sind, kann eine häufigere Kontrolle sinnvoll sein. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Online-Sehtests – erste Orientierung, aber kein Ersatz
Interessant

Online-Sehtests – erste Orientierung, aber kein Ersatz

Im Internet gibt es die Möglichkeit, das eigene Sehvermögen schnell und unkompliziert zu prüfen. Die Seh-Check-App und die Webseite seh-check.de des Kuratoriums Gutes Sehen bieten verschiedene Tests an – etwa zur Überprüfung der Nah- und Fernsicht, einen Farb-Seh-Check oder den Amsler-Gitter-Test für die Netzhaut. Bereits über 420.000 Sitzungen verzeichneten diese Online-Seh-Checks im letzten Jahr.

Aber Vorsicht: Ein gutes Testergebnis bedeutet nicht automatisch, dass die Augen gesund sind. Experten wie Prof. Dr. Frank G. Holz von der Stiftung Auge warnen: „Online-Sehtests ersetzen keine augenärztliche Untersuchung. Erkrankungen wie die altersabhängige Makuladegeneration, diabetische Netzhautschäden oder ein Glaukom lassen sich dadurch nicht zuverlässig ausschließen.“

Die Tests sind abhängig von Bildschirmhelligkeit, Raumbeleuchtung und Abstand zum Gerät. Sie können erste Hinweise geben und für Veränderungen sensibilisieren – der Besuch beim Augenarzt oder Optiker bleibt aber unerlässlich.