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Ernährung

Airfryer-Pommes sind labbrig? Woran der Crunch scheitert

Knusprige Pommes mit kaum Fett, lautet das Airfryer-Versprechen. Doch warum werden sie oft matschig? Was Kartoffelstärke, Öl und Garstufen ausmachen und wann der Backofen die bessere Alternative ist.

Hagen/Wegberg • Lesedauer: 6 min.


Veröffentlicht: Uhr
(Aktualisiert: Uhr)

Die Burger sind fertig, die Dips angerührt, der Salat steht längst auf dem Tisch. Es fehlt nur noch die Beilage. Also wandern selbst geschnippelte Kartoffelstäbchen oder eine gekaufte Tüte Pommes in den Airfryer. Rund jeder zweite Haushalt in Deutschland soll bereits über solch ein Küchengerät verfügen. 

Ob es je nach aktuellen Erhebungen nun 42 Prozent sind oder 57 - die Heißluftfritteuse wird inzwischen gern als der „Thermomix der Gen Z“ betitelt, manchmal auch als „Thermomix der Millennials“. Ganz ohne Fett soll sie die gleiche Knusprigkeit wie eine klassische Fritteuse bringen - dabei aber deutlich kalorienärmere Ergebnisse.

Oje: Wenn es oben halb goldbraun ist, aber unten blass und weich

Und tatsächlich: Wenige Minuten nachdem die Pommes in den Airfryer der Autorin gewandert sind, duftet die Küche verheißungsvoll. Doch beim Blick in den Garkorb folgt oft die Ernüchterung: Die Fritten sind stellenweise goldbraun, an anderer Stelle noch blass und weich. Den Korb bis zum Rand zu füllen, war keine gute Idee - auch wenn viele hungrige Menschen am Tisch sitzen.

Pommes aus dem Airfryer - für zwei Personen mag das funktionieren. Sollen aber acht Gäste gleichzeitig knusprige Pommes bekommen, wird aus der schnellen Beilage schnell ein Geduldsspiel. Denn die meisten Airfryer sind eher für kleine Portionen gemacht. Wie also gelingen Pommes am besten - und wann ist der Backofen die bessere Wahl?

Airfryer statt Fritteuse - was ist der Unterschied?

Früher waren Backofenpommes der gesunde Kompromiss für all jene, die Zuhause keine Fritteuse nutzen wollten: weniger Geruch und weniger Fett, dafür meist auch weniger Geschmack. Der Airfryer verspricht nun beides zugleich - knusprige Pommes mit deutlich weniger Öl.

Tatsächlich arbeitet eine Heißluftfritteuse ganz anders als eine klassische Fritteuse: Statt die Kartoffeln vollständig in heißes Fett zu tauchen, zirkuliert heiße Luft mit hoher Geschwindigkeit um die Pommes. Das spart Fett und Energie, verändert aber auch das Ergebnis. 

Wie genau erklärten zwei Experten: Sowohl Kochbuchautor Peter Kowalski („Das Airfryer-Kochbuch für Männer“), der auch unter dem Namen „airfryingkowa“ auf Instagram aktiv ist, als auf die Wahl-New Yorkerin Svenja Ostwald, ebenfalls Kochbuchautorin („The Healthy Airfryer Kitchen“), schwören auf Pommes aus der Heißluftfritteuse. 

„Klassisch frittierte Pommes schwimmen im Fett, im Airfryer reichen ein bis zwei Esslöffel Öl für dieselbe Menge Kartoffeln - die heiße Umluft übernimmt den Rest. Das senkt Kalorien und Fett massiv, ohne dass man auf Röstaromen verzichten muss“, sagt Svenja Ostwald. 

Die richtige Kartoffel

Ob selbst gemachte oder tiefgekühlte Pommes - schon die Kartoffel entscheidet über das Ergebnis, ist Franz-Josef Siegers überzeugt. Der Kartoffelbauer aus Wegberg in Nordrhein-Westfalen produziert selbst Pommes für Supermärkte in der Region und die Gastronomie und sagt: „Es muss eine Kartoffel mit hohem Stärkegehalt sein, die Stärke sorgt für die Knusprigkeit.“

Siegers, der auch Kartoffeln für Airfryer-Pommes anbaut, empfiehlt späte Sorten wie Melody oder Babylon.

Die perfekten Maße der Fritten

Auch die Dicke der Pommes spielt eine Rolle: „Eine klassische Fritte hat eine Kantenlänge von zehn mal zehn Millimetern, bei der Airfryer-Fritte gehen wir auf neun mal neun“, sagt Siegers. Dünner sollten sie seiner Meinung nach nicht werden: „Unter neun Millimetern kommt der Charakter der Kartoffel nicht mehr heraus.“ 

Frisch oder tiefgekühlt?

Wer möglichst wenig Arbeit haben möchte, ist mit Tiefkühlpommes gut beraten. „TK-Pommes sind der bequeme Weg - meist schon vorfrittiert und dadurch im Airfryer zuverlässig knusprig, ohne Vorarbeit“, sagt Svenja Ostwald, die selbst allerdings immer auf frische Kartoffeln setzt.

Pommes-Produzent Franz-Josef Siegers rät dazu, darauf zu achten, ob die Kartoffeln beim TK-Produkt vorbehandelt wurden: „Viele Hersteller nutzen Panaden aus Weizenstärke, um die Pommes knuspriger zu machen“, sagt Siegers, „damit sind sie dann aber nicht mehr glutenfrei.“ Auch Maissirup wird von manchen Herstellern zu den Fritten gegeben, das gibt ihnen einen zusätzlichen süßen Geschmack.

Pommes werden im Airfryer matschig? Hier die knusprigen Tipps: 

Eigentlich klingt das Prinzip simpel: Pommes in den Korb, Programm starten, fertig. In der Praxis scheitert der Crunch aber oft an Kleinigkeiten.

Zu viel Feuchtigkeit

Nach Erfahrung von Kartoffelbauer Franz-Josef Siegers steckt häufig noch zu viel Feuchtigkeit in der Kartoffel. Oder der Korb ist zu voll. Was ist zu tun? 

  • Laut Siegers entsteht nur dann eine knusprige Kruste, wenn die heiße Luft jede einzelne Pommes umströmen kann. Liegen die Kartoffelstifte übereinander, garen sie eher im Dampf, als dass sie rösten. 
  • Ähnliche Empfehlungen geben auch Hersteller und Produkttests: Für gleichmäßige Bräunung sollte der Korb höchstens etwa zur Hälfte gefüllt werden.
  • Aber gerade diese halben Füllungen werden für größere Runden oft zum Nachteil. Viele Geräte fassen nur rund 600 g Pommes - genug als Beilage für zwei bis vier Personen. Für einen Kindergeburtstag oder einen Grillabend mit Freunden braucht es mehrere Durchgänge. 
  • Wer alle gleichzeitig versorgen möchte, fährt mit einem Backblech im Ofen oft entspannter - oder leiht sich ein weiteres Gerät beim Nachbarn. 

Gegen Klebeeffekt: Stärke rauswaschen

Wer nicht Tiefkühlpommes nutzt, sondern frische Kartoffeln verwenden will, braucht etwas mehr Zeit - wird dafür aber mit mehr Geschmack belohnt.

  • Der wichtigste Schritt passiert noch vor dem Garen. Auch wenn es paradox klingt: „Man muss auf jeden Fall vorher die Stärke rauswaschen“, rät Kochbuchautorin Svenja Ostwald. 
  • Die Kartoffelstifte sollten so lange in kaltem Wasser liegen, bis das Wasser klar bleibt. Überschüssige Stärke wird dadurch entfernt und die Pommes später knuspriger.
  • Airfryer-Experte Peter Kowalski macht es ähnlich. Er wässert die Kartoffeln zwischen 20 und 30 Minuten. „Dabei verlieren sie Stärke und kleben später nicht aneinander“, erklärt der Airfryer-Experte.

Kartoffelstifte gründlich trocken tupfen

Nach dem Wässern sollten die Pommes Marke Eigenbau aber nicht gleich direkt in den Airfryer-Korb. Stattdessen müssen die Kartoffeln sorgfältig trocken getupft werden. Erst dann kommen Öl und Gewürze dazu. Anders als bei der klassischen Fritteuse empfiehlt Peter Kowalski, die Pommes schon vor dem Backen zu salzen. Nach dem Garen hafte das Salz deutlich schlechter.

Selbst gemachte Pommes in zwei Garstufen backen

 Für besonders viel Crunch setzt Svenja Ostwald auf zwei Garstufen: 

  • zunächst die Kartoffelstifte mit einem Esslöffel Öl mischen und bei 175 Grad acht Minuten vorgaren
  • anschließend einen weiteren Esslöffel Öl zu den Pommes geben und sie bei 200 Grad 5 bis10 Minuten fertig backen. Das entspricht dem Prinzip des zweimaligen Frittierens. 

Schütteln nicht vergessen: Während des doppelten Frittierens sollte der Airfryer-Korb mit den Pommes zwei- bis dreimal geschüttelt werden. Sind sie fertig, sollte man sie sofort servieren. Dann sind sie am knusprigsten.

Füllmenge und regelmäßiges schütteln beeinflussen beim Garen im Airfryer das Ergebnis.
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Füllmenge und regelmäßiges schütteln beeinflussen beim Garen im Airfryer das Ergebnis. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Bei größeren Mengen lohnt es sich, auf den Backofen umzusteigen.
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Bei größeren Mengen lohnt es sich, auf den Backofen umzusteigen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Wer Pommes zu Hause macht, sollte diese vor dem Garen wässern, um ein knuspriges Ergebnis zu bekommen.
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Wer Pommes zu Hause macht, sollte diese vor dem Garen wässern, um ein knuspriges Ergebnis zu bekommen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Nach dem Wässern sollten die Pommes gut getrocknet werden.
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Nach dem Wässern sollten die Pommes gut getrocknet werden. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Wer Pommes selbst macht, weiß was drin ist und wird mit besonders viel Kartoffelaroma belohnt.
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Wer Pommes selbst macht, weiß was drin ist und wird mit besonders viel Kartoffelaroma belohnt. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
„The Healthy Airfryer Kitchen - Gesund, schnell und knusprig - Airfryer Rezepte für jeden Tag“, Svenja Ostwald, Gräfe und Unzer Verlag, 160 Seiten, 26 Euro, ISBN 978-3-7589-0589-6
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„The Healthy Airfryer Kitchen - Gesund, schnell und knusprig - Airfryer Rezepte für jeden Tag“, Svenja Ostwald, Gräfe und Unzer Verlag, 160 Seiten, 26 Euro, ISBN 978-3-7589-0589-6 (Foto: Gräfe und Unzer Verlag/dpa-tmn)
„Das Airfryer-Kochbuch für Männer: 60 deftige und schnelle Rezepte für alle, die es herzhaft lieben“, Peter Kowalski, Riva, 144 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-7423-0977-8
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„Das Airfryer-Kochbuch für Männer: 60 deftige und schnelle Rezepte für alle, die es herzhaft lieben“, Peter Kowalski, Riva, 144 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-7423-0977-8 (Foto: Riva/dpa-tmn)