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Ravensburger Autorin

"Mich begeistert Oberschwaben seit jeher mit seinem Facettenreichtum"

Die Ravensburger Autorin Juliane Lutz stellt in ihrem Buch 80 „Glücksorte in Oberschwaben“ vor.  Im Interview mit der Schwäbischen Zeitung verrät sie auch ihre Lieblingsorte.

Ravensburg Lesedauer: 5 min.


Veröffentlicht: Uhr
(Aktualisiert: Uhr)

Sie möge Herausforderungen, sagt Buchautorin Juliane Lutz. Für ihr jüngstes Werk, die „Glücksorte in Oberschwaben“ ist die Ravensburgerin über Monate an den Wochenenden von ihrem Wohnort Bern in ihre alte Heimat Oberschwaben gependelt. Unter der Woche leitet sie das Reiseressort des „Touring“-Magazins. Ein sportliches Unterfangen, wie sie selbst sagt. Gelohnt hat es sich allemal. Nicht nur verkauft sich das Buch gut, auch ihre Heimat, die sie nach dem Abitur für eine Karriere als Redakteurin und freie Autorin verlassen hat und die sie zeitweise bis nach New York führte, durfte sie so noch einmal neu kennenlernen.

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über Glücksorte in Ihrer Heimat Oberschwaben zu schreiben?

Da war tatsächlich reiner Zufall. Ich war in Bern in einer Buchhandlung und bin dort auf einen Band aus der Serie „Glücksorte“ gestoßen. Die Aufmachung hat mir gut gefallen. Zu jedem Glücksort gab es eine Seite Text und eine Seite mit einem Foto. Von jeder größeren Stadt in Deutschland, aber zum Teil auch in Österreich oder in der Schweiz existierten bereits Ausgaben. Auch der Bodensee oder die Schwäbische Alb waren vertreten. Lediglich meine Heimat Oberschwaben fehlte. So kam mir die Idee für die Glücksorte Oberschwaben. Außerdem dachte ich, wäre es eine gute Möglichkeit, Oberschwaben etwas bekannter zu machen. Wenn ich in der Schweiz erzähle, dass ich aus Oberschwaben komme, dann können die meisten damit nichts anfangen. Manche sagen dann: „Ach ja, das ist doch diese Region da in Bayern, oder?“

Im Buch stellen Sie 80 verschiedene „Glücksorte“ in Oberschwaben vor. Wie sind Sie auf diese Vielzahl an Orten gekommen? Was hat Sie inspiriert?

Ich wollte einen interessanten Mix aus Natur, Architektur und Gastroadressen. Schon bevor ich mit der Recherche begonnen habe, hatte ich eine lange Liste von Orten im Kopf, die mir sehr viel bedeuten. Da ist zum Beispiel Pfärrich, dieser kleine Weiler bei Amtzell, der Marienplatz in Ravensburg, der für mich wie eine italienische Piazza ist. Oder der Fidelsbäck in Wangen, dem ich, wann immer ich dort bin, einen Besuch abstatte. Dann kam mir aber auch der Zufall zu Hilfe. Beispielsweise als ich im Franziskusgarten vom Kloster Sießen war. Eine Nonne erzählte mir dort vom Eisen- und Haushaltswarenladen Gruber in Kressbronn und fragte mich, ob ich den kennen würde. Ich kannte ihn nicht. Nach einem Besuch dort war für mich klar: Das ist auf jeden Fall ein Glücksort.

Ihr Buch gibt auch einige Gastrotipps, es handelt sich vorwiegend um Cafés. Nach welchen Kriterien haben Sie hier ausgewählt?

Ich habe mich bewusst gegen teure Restaurants entschieden und lieber ein paar Cafés vorgestellt. Um Glück zu erfahren, braucht es meiner Meinung nach nicht viel Geld. Da reicht oft schon ein Stück Kuchen oder ein Kaffee. Außerdem sind das Orte, an denen es häufig kommunikativ zugeht und Oberschwaben erlebbar wird.

Autorin Juliane Lutz mit ihrem Buch "Glücksorte in Oberschwaben"
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Autorin Juliane Lutz mit ihrem Buch "Glücksorte in Oberschwaben" (Foto: Privat)

Was hat unsere Region, was es woanders nicht gibt?

Mich begeistert Oberschwaben seit jeher mit seinem Facettenreichtum. Da ist zum einen diese unglaubliche landschaftliche Schönheit, die mich immer wieder entzückt. Aber auch der kulturelle Reichtum, die vielen alten Städte oder die zahlreichen Bauten aus der Zeit des Barock. Dann liebe ich auch die zahllosen Seen hier: vom Bodensee bis zu hunderten kleinen Weihern, wie etwa dem Flappach in Ravensburg. Auch Moore wie das Pfrungener Ried machen die Region besonders. Und dann die Lage im Dreiländereck. Österreich und die Schweiz sind nur einen Katzensprung entfernt. Und damit auch die Berge der Alpen. Die Kombination dieser Eigenschaften ist es, die Oberschwaben für mich einzigartig macht. Und in Oberschwaben spricht man ein sehr melodiöses Schwäbisch.

An Ihren Glücksorten sind Sie immer auch verschiedenen Menschen begegnet. Gibt es den typischen Oberschwaben und wenn ja, wie würden Sie ihn charakterisieren?

Tatsächlich durfte ich zahlreiche spannende Menschen während meiner Recherche kennenlernen. Alle haben mich begeistert durch eine enorme Hingabe für das, was sie tagtäglich machen. Einen generellen Typus Oberschwaben auszumachen wird der Vielfalt an Charakteren, die es hier gibt, natürlich nicht gerecht. Trotzdem würde ich sagen, dass die Menschen hier vor allem versuchen durch Taten und weniger mit markigen Worten zu überzeugen. Man ruht sich nicht auf Vergangenem aus, ist stets vorwärts gewandt und dadurch ja auch wirtschaftlich so erfolgreich. In der Schweiz würden wir sagen: Man bleibt à jour.

An wen richtet sich Ihr Buch? Die Oberschwaben selbst oder auch an Interessierte von außerhalb? Urlauber zum Beispiel.

Ursprünglich sollte sich das Buch vor allem an Interessierte von außerhalb richten. Tatsächlich kaufen es aber überwiegend die Oberschwaben selbst. Ich denke, auch für Einheimische ist das Buch eine Möglichkeit, die Heimat nochmal neu zu entdecken.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsglücksort in Oberschwaben?

Einen einzigen Ort herauszunehmen, das würde mir sehr schwerfallen. Ich sage mal der Marienplatz in Ravensburg ist für mich immer ein Highlight, aber auch der alte Milchpilz in Wangen, das Wurzacher Ried oder das Café Crumbles in Ochsenhausen.

Wie würden Sie Ihre Heimat Oberschwaben in nur drei Worten beschreiben?

Landschaftlich reizvoll, kulturell und geschichtlich reich und allgemein sehr vielseitig.

Wie läuft der Verkauf bislang?

Es läuft erfreulich. Die erste Auflage war schon nach weniger als einem Jahr ausverkauft. Aktuell ist die zweite Auflage im Handel. Auch innerhalb des Verlages bekomme ich immer wieder die Rückmeldung, dass das Buch zu den Top-Sellern gehört. Das freut mich natürlich.

Sie leben in der Schweiz. Könnten Sie sich vorstellen, jemals einmal wieder nach Oberschwaben zurückzukehren?

Vorstellen kann ich mir das durchaus. Aktuell bin ich beruflich an die Schweiz gebunden. Ich habe auch den Schweizer Pass und fühle mich dort sehr wohl. Aber was nach dem Ende meiner beruflichen Zeit kommt, da bin ich noch sehr offen.

Weitere Informationen: „Glücksorte in Oberschwaben“. Droste-Verlag, 168 Seiten, 15,99 Euro.