Mietwohnung

Wie lang das Wasser kalt bleiben darf

Wirtschaft / Lesedauer: 3 min

Bei Wohnungsmängeln notfalls die Miete mindern – Alter schützt nicht vor Kündigung
Veröffentlicht:28.11.2014, 18:21
Aktualisiert:24.10.2019, 08:00

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Die 94-jährige Anna Schulz (Name geändert) wohnt seit Jahrzehnten in derselben Mietwohnung. Die Wohnung ist aufgrund des langjährigen Mietverhältnisses günstig. Und doch ist die Rentnerin sauer auf ihren Vermieter. „Der will mich raus haben“, vermutet die Trossingerin. Das habe der Eigentümer ihr schon deutlich gemacht.

Anlass für einen nun schon längeren Streit zwischen ihr und der Verwaltung des Hauses ist das warme Wasser. „Letztes Jahr kam plötzlich immer nur kaltes Wasser aus der Leitung“, erinnert sie sich. Auf ihre Beschwerde hin sei ein Sanitärhandwerker erschienen und habe die Wasserpumpe im Keller ausgetauscht. Doch seither dauere es lange, bis tatsächlich warmes Wasser in ihrer Wohnung ankomme. Mehrere Liter kaltes Wasser fließen demnach bei jedem Aufdrehen des Hahnes ungenutzt ab. „Man hat mir etwas vorgemacht“, schimpft sie. Die Pumpe sei wohl gar nicht ausgetauscht worden. Das bestreitet die Hausverwaltung. „Frau Schulz wittert einen Komplott des Vermieters“, sagt der Verwalter. Es sei normal, dass es eine Weile dauert, bis erhitztes Wasser in oberen Stockwerken ankomme. Aufs Jahr gerechnet gingen der Mieterin allenfalls ein paar Euro verloren.

Beschwert sich die Mieterin z Recht? In diesem Falle sitzt der Vermieter am längeren Hebel. Denn hier haben die Gerichte einen Grenzwert festgesetzt. Es darf maximal zehn Sekunden dauern, bis das warme Wasser aus dem Hahn fließt und es muss wenigstens 45 Grad warm sein. Eine Verschwendung von bis zu fünf Litern sieht die Rechtsprechung als hinnehmbar an. Die Leserin muss daher mit der Unannehmlichkeit leben.

Grundsätzlich gilt in diesem oder anderen Fällen von Mängeln ein geregelter Ablauf. „Der Mieter muss den Vermieter über Mängel sofort informieren“, erläutert der Sprecher des Deutschen Mieterbunds (DMB), Ulrich Ropertz . Wenn der Schaden nicht behoben wird, kann der Mieter die Miete mindern. Dafür setzt der Experte im Falle fehlenden Warmwassers zehn Prozent der Miete an.

Auf einem anderen Blatt steht im Fall von Anna Schulz der Verdacht, dass der Hauseigentümer sie gerne los werden würde, um die Wohnung zu einem höheren Preis anderweitig zu vermieten. Ohne Weiteres ist das jedoch nicht möglich, solange die Leserin nicht von sich aus kündigt. „Das Alter spielt dabei keine Rolle“, sagt Ropertz. Der Besitzer müsse aber einen Kündigungsgrund haben. Dies könnten Mietrückstände oder Verstöße gegen den Mietvertrag sein. Auch wenn sich die Vermietung des Objekts nicht mehr wirtschaftlich durchführen lässt oder Eigenbedarf vorliegt, kann das ein Kündigungsgrund sein. Sehr lange Fristen gibt es dabei nicht. Langjährige Mieter haben neun, bei alten Verträgen auch mal zwölf Monate Zeit für die Suche nach einer neuen Bleibe.

Insbesondere in Kommunen mit knappem Wohnraum greifen Vermieter nach Beobachtung des DMB bisweilen zu Druckmitteln, mit denen unliebsame Mieter vergrault werden sollen, um deren Wohnung anschließend viel teurer weiter zu vermieten. Mal landen ohne Grundlage permanent Mieterhöhungen im Briefkasten, mal wird eine Modernisierung mit kräftigem Preissprung angekündigt oder ein lärmender Handwerker in den Hausflur geschickt. Dieses Vorgehen ist dennoch die Ausnahme. „Der Vermieter hat normalerweise kein Interesse an einem Rauswurf“, weiß Ropertz.

Falsche Abrechnungen

Zwischen Mieter und Vermieter gibt es oft Streit. Häufig geht es um die Betriebskosten, die allein ein Drittel aller Beratungen des Mieterbundes ausmachen. „Jede zweite Abrechnung ist falsch“, stellt der Experte fest und rät jedem Mieter zu einer Überprüfung. Eine oberflächliche Sichtung kann jeder selbst vornehmen. Dazu gehört ein Vergleich der im Mietvertrag vereinbarten Betriebskosten mit den tatsächlich in Rechnung gestellten, ein Vergleich der neuen mit der letzten Abrechnung oder ungewöhnlich hohe Kosten für einzelne Posten. „Wenn der Hausmeister plötzlich doppelt so viel kostet, stimmt etwas nicht.“