Heizöl

Warum das Spekulieren auf günstigeres Heizöl im Moment nicht sinnvoll ist

Ravensburg / Lesedauer: 4 min

Der Verband für Energiehandel rät Kunden, sich jetzt für den Winter einzudecken
Veröffentlicht:01.07.2022, 05:00
Aktualisiert:01.07.2022, 07:55

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Der nächste Winter kommt bestimmt. Wer seine Wohnung oder sein Haus dann warm haben möchte, sollte am besten jetzt vorsorgen.

Das zumindest rät der Verband für Energiehandel Südwest (VEH). Geschäftsführer Hans-Jürgen Funke hat am Donnerstag in einer Pressekonferenz nach einer Versammlung der Mitgliedsunternehmen erklärt, dass die Preise für Heizöl, aber auch für Holzpellets, sich auf dem aktuell hohen Niveau eingependelt haben und zum Herbst hin eher noch steigen werden.

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Der VEH vertritt die Interessen von vorwiegend mittelständischen Unternehmen aus dem Brennstoff- und Mineralölhandel aus Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen. Auch wenn andere Brennstoffe wie Holzpellets immer wichtiger werden, liegt der Schwerpunkt des Verbands immer noch auf Heizöl.

Die Heizölpreise, erklärte Funke, bewegten sich seit einiger Zeit seitwärts „in einer gewissen Bandbreite“ rund um 1,50 Euro pro Liter – das ist fast doppelt so viel wie im Juni 2021. Eine Prognose, wie es mit den Preisen weitergehen könnte, sei „fast nicht möglich“, sagte Funke.

„Es macht aber sicher niemand etwas falsch, wenn er die Zeit jetzt nutzt, um an den nächsten Winter zu denken und sich einzudecken, auch wenn das für den ein oder anderen vielleicht schmerzhaft ist.“

Heizöl-Absatz trotz Krieg gestiegen

Besonders der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat bei den Heizölpreisen für einen starken Anstieg gesorgt, sagte auch der wiedergewählte erste Vorsitzende des VEH, Thomas Rundel. Vor dem Krieg habe der Preis noch bei etwa 90 Cent pro Liter gelegen.

Der Anstieg sei damit zu erklären, dass „sich der Ölmarkt in der Beschaffung neu finden muss“, und das brauche Zeit. Bislang seien aber viele Kunden gar nicht in die Situation gekommen, bei den hohen Preisen Heizöl kaufen zu müssen, sagte Funke. Sie hätten sich häufig bei niedrigen Preisen 2019 und 2020 eingedeckt.

In diesen Jahren war der Heizöl-Absatz höher als 2021. Im ersten Quartal 2022 sei dieser jedoch wieder gestiegen, weil viele sich mit Ausbruch des Krieges in der Ukraine hätten absichern wollen, so Funke.

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Ebenfalls Einfluss auf den Heizölpreis hat die Welt-Rohöl-Versorgung, mitbestimmt durch die Förderung von Rohöl in den Opec +-Staaten, die etwa 45 Prozent des Weltmarktes abdecken.

Zu dem Zusammenschluss gehören neben den 13 ursprünglichen Opec-Staaten, wie Saudi-Arabien und dem Iran, noch zehn weitere, darunter Russland. In ihrem monatlichen Online-Treffen am Donnerstag hat die Allianz beschlossen, ihrer Linie einer nur moderaten Öffnung des Ölhahns treu zu bleiben.

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Das Kartell werde im August die Förderung um 648 000 Barrel (je 159 Liter) am Tag erhöhen, teilte die Opec+ mit. Insgesamt ist damit das Produktionsniveau aus den Zeiten vor der Corona-Pandemie bald wieder erreicht. Schon für Juli hatte die Allianz ein Produktionsplus in derselben Höhe beschlossen.

Das hatte jedoch kaum Auswirkungen auf den Rohölpreis. Auch bei dem neuen Beschluss glaubt Hans-Jürgen Funke nicht daran, dass er kurzfristig am Preis etwas ändern wird. Er sagt: Auch die Opec sei momentan noch zurückhaltend.

VEH glaubt an die Zukunft flüssiger Energie

In Deutschland heizt noch etwa jeder vierte mit Heizöl. „Im Südwesten ist es sogar jede dritte Heizung, die mit Öl betrieben wird. Da ist der Gasanteil traditionell geringer“, sagte Funke. Die Umsetzung der geforderten Energiewende im Heizungssektor mache eine Diversifizierung des Angebots nötig.

„Die Branche muss sich dieser Entwicklung stellen.“ Funke glaube aber auch an die Zukunft flüssiger Brennstoffe, etwa von synthetischem Heizöl. „Wir brauchen eine Vielfalt an Lösungen und die flüssigen Energieträger können und müssen da einen Beitrag dazu leisten“, forderte Funke.

Dementsprechend begrüße der Verband die Entscheidung der Bundesregierung, sich im Rahmen der Diskussion um ein europaweites Verbrenner-Aus für synthetische Kraftstoffe eingesetzt zu haben.

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