Bericht

Unwetter in Baden-Württemberg nehmen zu

Wirtschaft / Lesedauer: 3 min

Sturm und Hagel richteten 2015 die größten Schäden an – Schadenhäufigkeit im Sommer steigt
Veröffentlicht:06.10.2016, 19:50
Aktualisiert:23.10.2019, 11:00

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In Baden-Württemberg sind 2015 deutlich mehr Unwetterschäden aufgelaufen als noch im Jahr zuvor. Das geht aus dem aktuellen Allianz Naturkatastrophenkalender hervor, den der Versicherer am Donnerstag präsentiert hat. Demnach kamen im vergangenen Jahr 22000 Unwetterschäden zusammen – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Zudem wurden die Schäden teurer: Die durchschnittliche Schadenhöhe stieg von 1402 Euro im Jahr 2014 auf 1655 Euro im Jahr 2015.

Damit einher gingen auch höhere Auszahlungen an die Versicherungsnehmer. „Hatte die Allianz für Schadenfälle aus Unwetterereignissen 2014 noch rund 14,3 Millionen Euro an ihre Kunden im Südwesten ausgezahlt, war diese Summe im vergangenen Jahr mit rund 36,8 Millionen Euro mehr als zweimal so hoch“, erlärte Mathias Scheuber , Schadenvorstand der Allianz Deutschland.

Sturm und Hagel verursachten die meisten Schäden. Mehr als 18000 Versicherungsfälle in Baden-Württemberg gingen auf diese Naturgewalten zurück. Besonders heftig erwischte es den Südwesten im März 2015, als mit Zacharias, Mike und Niklas gleich drei größere Sturmereignisse auftraten. Vor allem das Orkantief Niklas, das dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge zu den fünf schwersten Stürmen der vergangenen 15 Jahre gehörte, richtete erhebliche Schäden an. An zweiter Stelle folgten in weitem Abstand mit 2600 Schadenmeldungen Blitz und Überspannung.

Stürmischere Sommer

Auch im laufenden Jahr prägen schwere Unwetter die Schadenbilanz der Versicherer – allen voran die Sturmtiefs im Mai und Juni. So geht die Allianz davon aus, betroffenen Kunden deutschlandweit voraussichtlich 270 Millionen Euro auszahlen zu müssen. Bei der SV Sparkassenversicherung hat die Unwetterserie mit rund 18000 Schäden zu Buche geschlagen. „Damit wird der Aufwand für die Schäden über der 100-Millionen-Marke liegen“, erwartet Klaus Zehner, Vorstand Schaden/Unfall bei der SV, die im vergangenen Jahr bei größeren Naturkatastophen in Baden-Württemberg rund 22500 Schäden mit einer Schadensumme von 41,4 Millionen Euro bilanzierte.

Ob und wie der Klimawandel dabei Häufigkeit und Schwere der Unwetter beeinflusst, lässt sich den Versicherern zufolge zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht mit Sicherheit sagen. „Hierfür wären zwanzig- bis dreißigjährige Zeitreihen zu den einzelnen Naturkatastrophen nötig“, schränkt Markus Stowasser, Meteorologe des Rückversicherers Allianz Re ein. Laut einer aktuellen GDV-Studie zum Klimawandel zeichnet sich aber ab, dass für den Zeitraum von 2011 bis 2040 im Sommer mit einer Zunahme der Schäden von einem Viertel zu rechnen sei.

Wie sich die Unwetterschäden auf die Versicherungsprämien auswirken, ließ die Allianz auf Nachfrage offen. „Ein einzelnes Ereignis hat keine Auswirkung auf die Prämienkalkulation; allerdings müssen wir natürlich immer wieder prüfen, ob unsere Prämienkalkulation stimmt“, erklärte Allianz-Mann Scheuber.

Höhere Prämien müssen Kunden aber nicht klaglos hinnehmen: So gibt es in bestimmten Bereichen die Möglichkeit, durch Schutzmaßnahmen vorzusorgen – etwa durch bauliche Veränderungen gegen die Gefahr Hochwasser oder bei Firmengebäuden durch spezielle Brandschutzmaßnahmen. Sollte dies nicht möglich sein, ist eine Überprüfung des Versicherungsschutzes sinnvoll. „Eine Lösung wäre zum Beispiel, Selbstbehalte zu vereinbaren. Oder auch den Versicherungsschutz auf Aktualität zu überprüfen“, rät Scheuber.