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Schlecker-Frauen dürfen hoffen

Wirtschaft / Lesedauer: 3 min

Insolvenzverwalter klagt nach illegalen Preisabsprachen - Für alle reicht es trotzdem nicht
Veröffentlicht:27.05.2016, 18:03

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Die rund 20 000 Beschäftigten der früheren Schlecker-Filialen können wieder hoffen: Sie haben Aussicht auf zumindest einen Teil der noch ausstehenden Gehälter und Abfindungen . Das Büro des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz bestätigte am Freitag der „Schwäbischen Zeitung“, dass eine entsprechende Klage Aussicht auf Erfolg hat.

Geiwitz will bereits im Juni gegen einige namhafte Konsumgüterhersteller wegen illegaler Preisabsprachen klagen. Das Bundeskartellamt hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Preisabsprachen von Tschibo über Mars bis Ritter Sport aufgedeckt und die Hersteller mit hohen Strafen belegt. Gegen welche Händler der Insolvenzverwalter nun konkret vorgeht, wollte der Sprecher nicht mitteilen. Allerdings sollen sie von Schlecker jahrelang zu hohe Preise kassiert und das Unternehmen damit geschädigt haben. Der Schaden beläuft sich dem Vernehmen nach auf rund 300 Millionen Euro. Mit diesem Geld werden zuerst die so genannten Masseverbindlichkeiten bedient: Forderungen die im Laufe des Insolvenzverfahrens enstanden sind, also zwischen Januar und Juni 2012.

Abfindung nach Berufsjahren

Neben den Verfahrenskosten handelt es sich dabei um die Gehaltsansprüche der Beschäftigten. Bis einschließlich Juni haben die Schlecker-Frauen noch ihr Gehalt bezogen. Doch nach einer betriebsbedingten Kündigung haben sie noch Anspruch auf teilweise drei Monate Gehalt, je nach Kündigungsfrist. Außerdem erhalten sie eine Abfindung abhängig von den Jahren der Betriebszugehörigkeit.

Darum geht es jetzt aktuell. Für die Zeit nach der Abwicklung Ende Juni haben die Schlecker-Beschäftigten zwar rund zwei Drittel ihres Gehalts von der Bundesagentur für Arbeit erhalten. Das restliche Drittel und die Abfindungen stehen jedoch noch aus. Sollte die Schadenersatzklage erfolgreich sein, käme allerdings zunächst die Bundesagentur für Arbeit zum Zuge. „Diese hat Anspruch auf einen dreistelligen Millionenbetrag“, sagte der Sprecher. Erst danach erhalten die Beschäftigten ihre Gehälter. Sie können jetzt hoffen, zumindest einen Teil davon zu bekommen.

Einige haben sich selbstständig gemacht

Das Problem: Weil die rund 20000 Beschäftigten anders als damals von der Politik prognostiziert kaum in andere Beschäftigungen vermittelt werden konnten, sind die hohen Beträge bei der Bundesagentur aufgelaufen.

Wegen der schlechten Job-Aussichten haben sich einige von ihnen selbstständig gemacht. So beispielsweise Andrea Straub, die zusammen mit zwei Kolleginnen vor drei Jahren die Schlecker-Filiale in Stetten am kalten Markt übernommen hat. Sie wartet bis heute auf das Geld für 80Überstunden, Urlaubstage, Abfindung und das restliche Gehalt während der Kündigungsfrist. Viel Hoffnung hat Andrea Straub nicht. „Wir sind die Letzten, die noch etwas bekommen“, glaubt sie. „Vorher werden erst die Lieferanten und Anwälte bezahlt“, sagt die ehemalige Schlecker-Frau.

Ansprüche belaufen sich auf eine Milliarde Euro

Nach Angaben des Geiwitz-Sprechers sind die Lieferanten bereits bezahlt worden. Ausnahme sind Verbindlichkeiten, die vor dem 23. Januar 2012 entstanden sind, dem Tag des Insolvenzantrags.

Allein diese Ansprüche belaufen sich auf rund eine Milliarde Euro. 22000 Gläubiger sind betroffen. Gerade für kleinere Unternehmen sind diese Forderungen existenzbedrohend, sagt ein Lieferant aus der Nähe von Bad Saulgau. Er wartet bis heute auf 95000 Euro, die er noch von Schlecker bekommen würde.

Nach Darstellung des Insolvenzverwalters haben diese Gläubiger jedoch keine Chance aus dem Topf der Insolvenzmasse eine Entschädigung zu erhalten. Das jetzt eingeklagte Geld werde kaum reichen, um alle Masseverbindlichkeiten zu erfüllen.