Südwesten

„Russland-Sanktionen haben keine Wirkung“

Wirtschaft / Lesedauer: 2 min

BWIHK-Präsident Peter Kulitz wünscht sich mehr wirtschaftliche Kooperation
Veröffentlicht:01.06.2016, 12:09
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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Die exportstarke Wirtschaft im Südwesten verliert allmählich die Geduld: Die EU-Sanktionen gegen Russland kosten Milliarden-Umsätze, zehntausende Arbeitsplätze hängen am Exportgeschäft mit Russland. Politisch bewegt sich indessen nicht viel. Peter Kulitz , der Präsident der Industrie- und Handelskammer in Baden-Württemberg (BWIHK), erklärt im Gespräch mit Sigrid Stoss, warum die Bundesregierung hier umsteuern müsse und schlägt eine andere Strategie vor.

Herr Kulitz, Sie kritisieren die Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland.

Selbstverständlich habe ich Verständnis für die politische Reaktion der EU auf die Annexion der Krim und das Verhalten Putins in der Ukraine. Es gilt natürlich das Primat der Politik. Allerdings stelle ich in Frage, ob diese Sanktionen die gewünschte Wirkung erzielen können.

Frage: Was stört Sie daran?

Die Folgen für unsere Wirtschaft, und damit für die Menschen im Südwesten, sind erheblich: Die Exporte sind innerhalb von zwei Jahren von 4,85 Milliarden Euro auf 3,05 Milliarden Euro zurückgegangen. In Baden-Württemberg hängen geschätzt rund 40.000 Arbeitsplätze unmittelbar vom Export mit Russland ab.

Was schlagen Sie vor?

Die Sanktionen wurden vor zwei Jahren verhängt und zeigen offensichtlich nicht die politisch gewünschte Wirkung. Im Gegenteil, wir schwächen uns damit ökonomisch zunehmend selbst. Wenn ein Unternehmer neue Produkte auf den Markt bringt, die nach zwei Jahren immer noch nicht nachgefragt werden, dann muss er über einen Strategiewechsel nachdenken. Dasselbe empfehle ich der Politik.

Wie könnte eine neue Strategie aussehen?

Wir kommen besser zum Ziel, wenn wir eine wirtschaftliche Kooperation anbieten. Als Unternehmer kann ich mir gut vorstellen, dass Russland Entgegenkommen zeigt, wenn wir die Sanktionen lockern würden. Ich bin gespannt, was Außenminister Steinmaier nächste Woche auf dem 'Tag des deutschen Familienunternehmens' dazu sagt.

Was macht der Westen falsch in den Beziehungen zu Russland?

Ob zur Sicherung der Anrainerstaaten die Ausweitung der NATO direkt bis an die Grenzen Russlands richtig war, wird von manchen in Frage gestellt. Das trifft die russische Seele bis ins Mark. Verlorenes Vertrauen muss gegenseitig wieder aufgebaut werden.

Wie offen sind russische Unternehmen für die deutsche Wirtschaft?

Aus Erfahrung kann ich sagen, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist dort sehr hoch. Der Besuch des russischen Wirtschaftsministers Alexei Ulyukayev mit drei Gouverneuren im Tross zeigt den hohen Stellenwert, den die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen dort haben.