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Kaufhof-Eigentümer

Der tiefe Fall von Milliardär René Benko

Wirtschaft / Lesedauer: 4 min

Experten nannten Benkos Handeln schon lange „riskant“. Jetzt ist seine Signa-Gruppe insolvent. Für Kaufhof-Mitarbeiter und andere Angestellte könnte das übel enden.
Veröffentlicht:29.11.2023, 18:00

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Die hastigen Rettungsversuche in letzter Minute waren nicht von Erfolg gekrönt: Am Mittwoch hat die riesige Signa-Gruppe des österreichischen Milliardärs René Benko nach eigenen Angaben in Wien einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Zu dem weit verschachtelten Benko-Reich gehören verschiedenste große Immobilienprojekte in Deutschland, Österreich und Italien, auch ist es im Handel aktiv, etwa mit der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof. Nun ist Signa wegen Überschuldung zusammengebrochen, Benko ist pleite.

Dem einst hoch bejubelten 44-jährigen Unternehmer - in Österreich nannten sie den Innsbrucker den „Wunderwuzzi“ - war von Beobachtern schon seit langem ein äußerst risikoreiches, hasardeurartiges Handeln zugeschrieben worden. Seine Projekte in Top-Innenstadtlagen bewertete er hoch und erhielt dafür lange Zeit günstige Kredite. Mit den gestiegenen Zinsen und den höheren Baukosten war absehbar, dass dieses Modell zumindest in eine Schieflage gerät.

Stillstand auf den Baustellen

Vollkommen offen ist, was nun mit den einzelnen Teilen des Konzerns geschieht. Wahrscheinlich ist, dass sie herausgelöst werden und man versucht, sie einzeln zu verkaufen. Gegenwärtig herrscht auf allen Baustellen Stillstand.

Größtes bisheriges Prestige-Projekt ist der Elbtower in der Hamburger Hafencity. Er sollte 245 Meter hoch werden, ein Drittel davon steht bisher. Spekulativ wird immer wieder der aus Hamburg stammende Transportunternehmer und Milliardär Klaus-Michael Kühne als möglicher neuer Bauherr genannt. In der Münchner Innenstadt nahe dem Stachus ist die „Alte Akademie“ ein großes Signa-Projekt, wo sich nichts tut und alle Fragen offen sind. Dort wird noch geworben mit: „Ein Herzstück Münchens erstrahlt in neuem Glanz.“ Und in Stuttgart gibt es keine Bautätigkeiten mehr bei einem geplanten Neubau in der Fußgängermeile Königstraße.

Auch bei Galeria Karstadt Kaufhof muss man mit großen Sorgen in die Zukunft blicken. Die Warenhauskette hat schon zwei Insolvenzverfahren hinter sich und ist deutlich geschrumpft. Der Wirtschaftsprofessor Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein ist skeptisch und fragt: „Wer kauft heutzutage ein Kaufhaus?“ Klar ist bei all den nun verwaisten Signa-Projekten nur: Es wird neue Konzepte geben, man wird nach Investoren suchen. Und das kann dauern.

Undurchsichtiges Sanierungskonzept

Bisher bleibt vieles äußerst verworren. Anfang November hat René Benko Berichten zufolge den Vorsitz des Signa-Beirates an den Unternehmenssanierer und Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz aus Neu-Ulm übergeben. Dieser sollte Ordnung in das komplexe Firmenkonstrukt bringen. Von Benko oder Geiwitz war dazu aber nie eine Bestätigung zu hören. Benko hatte sich offenbar nicht von der Macht getrennt, über seine Familienstiftung ist er weiterhin an Signa beteiligt.

Die Unternehmensgruppe hatte schon zum Abschluss 2022 knapp elf Milliarden Euro an Schulden, mittlerweile dürften es einige mehr sein. Versicherungsgruppen, Banken, Unternehmen, nahezu alle hatten Benko Geld gegeben, nahezu alle hatte er von sich und seinen Projekten überzeugen können. Viele davon sind in Österreich und Deutschland ansässig. In Österreich spricht man nun von der größten Insolvenz seit Ende des Zweiten Weltkrieges.

Einen ungewöhnlichen Schritt ist die Schweizer Privatbank Julius Bär Anfang der Woche gegangen, als sie indirekt mitteilte, wie viele Schulden Benko bei ihr hat: als größtem Schuldner des Instituts sind es 600 Millionen Franken, was in etwa dem Euro-Wert entspricht. In Deutschland sind auch Landesbanken betroffen, etwa die Bayern LB und die LBBW in Baden-Württemberg. Über die Höhe ihrer Kredite an Benko schweigen sie sich aus, geschätzt werden dreistellige Millionenbeträge.

Benkos Privatvermögen soll sich halbiert haben

Zum Ende des Monats wurden laut Berichten 200 bis 300 Millionen Euro an Rückzahlungen fällig. Es gab vielerlei Meldungen darüber, wie René Benko, dem bisher alles geglückt war, das Geld kurz vor knapp aufbringen wollte. Den vielfach beschworenen reichen Ölscheich als Finanzier hat es nicht gegeben. Aber Benko soll noch mit einem US-Investmentfonds in Verhandlungen gestanden haben. Er soll auch seine Luxusyacht „Roma“ für 40 Millionen Euro zum Verkauf angeboten haben. Und seine millionenschwere Kunstsammlung, von der bisher niemand wusste, dass sie überhaupt existiert.

Dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ zufolge hat sich Benkos Privatvermögen im Zuge des Signa-Absturzes halbiert. Demnach besaß er im Sommer dieses Jahres sechs Milliarden Euro, jetzt sind es noch 2,8 Milliarden. Der Wirtschaftsprofessor Leonhard Dobusch von der Universität Innsbruck ist sich aber sicher: „Benko bleibt Multimillionär oder gar Milliardär“. Dafür habe er genug Vermögen von Signa auf seine Privatkonten herausgezogen.