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Rekordwert

Rekordwerte bei Spenden

Wirtschaft / Lesedauer: 3 min

Die Deutschen haben in diesem Jahr bereits weit über drei Milliarden Euro zur Verfügung gestellt
Veröffentlicht:18.11.2015, 19:37

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Weit über drei Milliarden Euro haben die Deutschen in diesem Jahr bereits für notleidende Menschen, für den Tier- oder Umweltschutz gespendet. Doch die Terroranschläge könnten die Spendenbereitschaft der Bevölkerung bremsen.

Selten zuvor hat die Bevölkerung Deutschlands Hilfsorganisationen so viel Geld zur Verfügung gestellt wie in diesem Jahr. Nach einer Erhebung des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Deutschen Spendenrats wurden zwischen Januar und September bereits 3,4 Milliarden Euro gespendet. Das sind 13,6 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Vor zehn Jahren lag das Spendenvolumen im selben Zeitraum bei nur 2,94 Milliarden Euro.

„Immer wenn es große und medienwirksame Katastrophen gab, dann stiegen die Spenden“, sagt Gertrud Bohrer von der GfK. Besonders spendenwillig waren die Deutschen im Mai, als die schweren Erdbeben in Nepal Tausende Opfer forderten und im September. Zu diesem Zeitpunkt erreichte die Zahl der Flüchtlinge, die in Deutschland ankamen, erstmals einen Höchststand.

Allerdings werden die Terroranschläge in Paris auch die Spendenbereitschaft der Bevölkerung beeinflussen, vermuten die Wissenschaftler. Noch rechnet die GfK-Expertin Bohrer mit einem Anstieg der Gelder bis Ende des Jahres auf bis zu fünf Milliarden Euro. Viel hänge jedoch davon ab, ob es gesellschaftlich gelänge, die Flüchtlingsproblematik nicht mit dem Terrorismus zu verknüpfen, sagt Bohrer.

Zuwachs bei Katastrophenhilfe

Den größten Zuwachs bei den Spenden erreichte laut Studie die Not- und Katastrophenhilfe. 18,4 Prozent der Einnahmen – also etwa 630 Millionen Euro – gingen an Hilfsorganisationen, die sich um Opfer von Naturkatastrophen oder Bürgerkriegen kümmern. Auch Initiativen, die sich um den Tierschutz bemühen, konnten sich über viele Spenden freuen. Weniger Geld bekamen der Umwelt- und Naturschutz, die Kultur-und Denkmalpflege sowie der Sport.

18,4 Millionen Menschen in Deutschland haben laut der Erhebung gespendet. Der klassische Spender mit den höchsten Ausgaben ist 70 Jahre und älter. Durchschnittlich 223 Euro erhielten die Organisationen in den vergangenen drei Quartalen aus dieser Altersgruppe.

Wenn es um die Opfer von Erdbeben, Tsunami oder Überschwemmungen in aller Welt geht, profitieren vor allem die großen Hilfsorganisationen wie das Bündnis Aktion Deutschland hilft, Ärzte ohne Grenzen, Unicef oder die Welthungerhilfe. Bei den Flüchtlingen wollen die Menschen auch immer häufiger die Helfer in der Nachbarschaft unterstützen. Initiativen wie beispielsweise der Berliner Verein „Moabit hilft“ würden hohen Zulauf bekommen. „Bei vielen dieser Organisationen bleibt allerdings das Problem der Transparenz, wohin das Geld schließlich geht“, sagt Daniela Felser, Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats. Viele dieser Hilfsorganisationen hätten sich erst vor wenigen Monaten oder Wochen gegründet, um den Flüchtlingen vor Ort schnell zu helfen.

Um ein Spendensiegel zu bekommen, muss eine Initiative nicht nur gemeinnützig sein, sondern weitere bürokratische Auflagen erfüllen. Dazu gehören etwa Geschäftsberichte und eine genaue Auflistung der Einnahmen und der Ausgaben.