Umsatz

Ravensburger: Umsatz bleibt stabil, aber weniger Gewinn

Stuttgart / Lesedauer: 3 min

Händlerpleiten und Rohstoffpreise drücken auf Bilanz – Umsatz stagniert – Investitionen steigen
Veröffentlicht:27.06.2018, 18:45
Aktualisiert:22.10.2019, 18:00

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Es ist schon etwas länger her, mehr als neun Jahre, dass Ravensburger, der Puzzle- und Spielehersteller mit der blauen Ecke, seinen Umsatz nicht steigern konnte. Das Vorstandsduo Clemens Maier , Firmenchef, und Hanspeter Mürle, Finanzchef, sprach dennoch von einem „respektablen Ergebnis“ bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das Jahr 2017 am Mittwoch in Stuttgart. Demnach lag der Umsatz des 135-jährigen Familienunternehmens mit 471 Millionen Euro knapp unter dem des vorausgegangenen Jahres mit 473,5 Millionen Euro. Ein Rückgang von 0,5 Prozent, der sich währungsbereinigt auf null rechnen lasse. Auch habe der Jahresüberschuss mit 23,7 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert von 32,1 Millionen Euro gelegen, wie es am Mittwoch weiter hieß.

Die Weiterentwicklung des Unternehmens hat 2017 an anderer Stelle stattgefunden: Die Investitionsausgaben stiegen von 27 Millionen Euro auf 37 Millionen Euro an – hauptsächlich wegen einer sechsprozentigen Beteiligung an dem englischen Buchverlag Wonderbly und der Übernahme der amerikanischen Spieleschmiede Thinkfun – ein Spezialist für Denk- und Logikspiele. Die Anzahl der Mitarbeiter nahm ebenfalls zu, von 2109 im Jahr zuvor auf 2133. Etwas mehr als die Hälfte davon, 55 Prozent, arbeiten in Deutschland.

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Kugelbahn Gravitrax von Ravensburger: der Verkaufsschlager des vergangenen Weihnachtsgeschäfts. (Foto: OH/Schwäbische.de)

„Das haptische und physische Produkt wird unser Hauptgeschäft bleiben, davon sind wir überzeugt“, sagt Maier. Trotzdem müsse man der Digitalisierung Rechnung tragen. Deshalb auch die strategische Neuausrichtung hin zum Digitalen unter dem Führungsduo Maier/ Mürle , das seit April 2017 die Geschicke des oberschwäbischen Spieleherstellers lenkt. Was die Spiele betrifft, so müssten Ravensburger Produkte beide Bereiche abdecken, sie aber nicht im Spiel miteinander verbinden. Die Kugelbahn Gravitrax, der Verkaufsschlager des vergangenen Weihnachtsgeschäfts, beispielsweise funktioniert im Kinderzimmer bestens ohne Smartphone. Mit der zugehörigen App können Strecken geplant und getestet werden. Nach diesem Prinzip sollen die digitalen Produkte von Ravensburger die physischen Spielwaren ergänzen.

Jahr des Wandels

Auch bei der Produktentwicklung und der Produktion sei Ravensburger digitaler und somit schneller geworden, so Maier, weshalb das vergangene Jahr unter dem Zeichen des Wandels gestanden habe.

Der Umsatz im Geschäftsbereich Spielwaren sank währungsbereinigt um 0,2 Prozent auf 399 Millionen Euro, der Umsatz im Geschäftsbereich Kinder- und Jugendbuch sank um 1,8 Prozent auf 64 Millionen Euro und der Umsatz im Geschäftsbereich Freizeit und Promotion, worunter auch das Spieleland fällt, stieg um 17 Prozent auf knapp 18 Millionen Euro. Dass die Summe der Spartenerlöse höher als der Gesamtumsatz ist, liege an Überlappungen der einzelnen Bereiche, erklärte Mürle. Zudem habe Ravensburger wegen der Insolvenzen von Toys R Us und einer französischen Handelskette mehr Rücklagen bilden müssen. Das belaste die Bilanz ebenso, wie die steigenden Preise für Rohstoffe, besonders für Papier und Pappe sowie für Kunststoffgranulat. Auch vor diesem Hintergrund sei das Jahresergebnis 2017 „respektabel“.

Die Aussichten für das laufende Jahr seien gut, so Maier. Trotz aller Bescheidenheit wolle man die 500-Millionen-Euro-Marke beim Umsatz knacken – nicht dieses Jahr, aber irgendwann schon.