Spielertransfer

Privatbank am Bodensee spielt in der Champions League - Spezialisiert auf Spielertransfers

Friedrichshafen / Lesedauer: 5 min

Internationales Bankhaus Bodensee AG hat sich auf besondere Nischen wie etwa Spitzenfußball spezialisiert
Veröffentlicht:02.11.2022, 18:35
Aktualisiert:03.11.2022, 10:36

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„Entweder man verändert oder man wird verändert. So einfach ist das“, macht Heike Kemmner, Vorstandsmitglied der Internationalen Bankhaus Bodensee ( IBB ) AG, mit Blick auf ihr Institut klar.

Tatsächlich hat sich das Bankhaus in den bisher 26 Jahren seines Bestehens immer wieder neu erfinden müssen. 2006 war schließlich die Würth Finanz-Beteiligungs-GmbH in Künzelsau eingestiegen, die heute 94,42 Prozent am IBB hält.

Die restlichen 5,56 Prozent liegen bei der einzig verbliebenden Gründungsgesellschaft, der Hypo Vorarlberg Bank AG, mit Sitz in Bregenz.

Warum aber hat sich das weltweit führende Handelsunternehmen für Befestigungs- und Montagetechnik ausgerechnet eine Bank eingekauft, noch dazu in einer Zeit, als kaum mehr ein Investor eine Bank haben wollte?

Zur Absatzfinanzierung war die IBB AG jedenfalls nie gedacht, vielmehr rundete Würth sein ohnehin schon sehr diversifiziertes Portfolio weiter ab. „Wir sind nicht die Bank des Würth-Konzerns, sondern ein reines Investment“, erläutern Kemmner und ihr Co-Vorstand Stephan Waiblinger.

Reinhold Würth gibt wertvolle Anstöße

Darüber hinaus repräsentiere das IBB Werte wie Bodenständigkeit und Moderne – „so, wie es eben auch der Würth-Konzern tut“. Firmeninhaber Reinhold Würth selbst nimmt gerne ein bis zwei Mal im Jahr an der Planungsrunde der Bank teil.

Der 87-Jährige wolle mit der persönlichen Teilnahme seinen Respekt über die Entwicklung der Bank zum Ausdruck bringen, heißt es aus Künzelsau . Dabei bringe Würth immer wieder wertvolle Anstöße zur Unternehmenskultur mit ein, erzählt Kemmner. „Erst recht in Zeiten wie diesen sehen wir, wie wichtig es ist, einen stabilen Hauptgesellschafter zu haben“, sagt Waiblinger.

Würth hat die Bank freilich nicht aus reinem Spaß in sein Portfolio genommen. Von allen seinen Beteiligungen, und damit auch vom IBB, fordert Würth kontinuierliches Gewinnwachstum. Denn Wachstum ohne Gewinn sei tödlich, so sein Credo.

Das Institut habe seit seinem Einstieg nie Verlust geschrieben und der Würth-Gruppe ausschließlich Freude bereitet, sagt der Patriarch in Künzelsau selbst. Man kann durchaus davon ausgehen, dass die IBB AG ohne das Engagement von Würth heute keine eigenständige Bank mehr wäre.

IBB hat 185 Beschäftigte

Grundlage ihres Wachstums war es, von Anfang an auf eine profitable Nischenpolitik zu setzen, in deren Rahmen sich die Bank auf wenige, beratungsintensive Geschäftsbereiche konzentriert hat. Hinzu kommt, dass sich das Geschäft über eher kurze Laufzeiten auszeichnet. „Flexibilität, unkompliziertes, rasches Handeln ist unser Gegenentwurf zu etablierten Regionalbanken“, sagt dazu Kemmner.

Unter dieser Prämisse ist das IBB kein Niedrigpreisanbieter, sondern ein Spezialist, der für seine Leistung auch höhere Preise verlangen kann. Unterm Strich kommt das Bankhaus damit auf eine Bilanzsumme von 1,54 Milliarden Euro (2021) und erzielte zuletzt mit 185 Beschäftigten einen Jahresüberschuss von 5,1 Millionen Euro.

Aktuell fußt das Geschäftsmodell der IBB AG auf vier Segmenten, wovon das Geschäft mit gewerblichen Immobilienkunden das wichtigste ist. Als weitere Bereiche betreibt das IBB Private Banking für vermögende Privatanleger und institutionelle Investoren sowie das Firmenkundengeschäft mit dem Fokus auf Projektfinanzierungen und Refinanzierung von Finanzdienstleistern. Zielkunden in diesem Segment sind mittelständische Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland.

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Etwas exotisch mutet dagegen das vierte Standbein des IBB an, wird aber laut Kemmner wie klassisches Bankgeschäft betrieben. So hat das Bankhaus vom Bodensee in den vergangenen 15 Jahren Kompetenzen für ihren Geschäftsbereich Sportfinanzierung aufgebaut, in dessen Rahmen die Vorfinanzierung von Transfers bei Profifußballern betrieben wird.

Hierbei kauft die Bank vor allem Forderungen aus dem Fußballbereich in Form von Sponsoring- und Werbeverträgen, von TV-Vermarktungsverträgen sowie Transferverträgen auf. Bei einem Spielertransfer wird oftmals nicht die gesamte Wechselsumme von dem aufnehmenden Club sofort bezahlt, sondern teilweise auf ein oder zwei Jahre gestreckt.

Die daraus entstehenden Forderungen kauft das IBB von dem alten Club des Spielers mit einem gewissen Abschlag ab, um nach einer Laufzeit von ein bis zwei Jahren die restliche Tranche von dem Club zu erhalten, der den Spieler gekauft hat.

Wohlgemerkt, werden im Rahmen des Geschäfts nicht die Landesliga-Kicker des VfB Friedrichshafen finanziert. Vielmehr betreibt das Bankhaus eine Art Factoring von Forderungen, die sich aus Spielertransfers von Bundesliga- und internationalen Clubs aus der Champions League ergeben.

„Komplexe Aufgabenstellungen bedürfen einer kreativen Finanzierungslösung, welche ein besonderes Know-how benötigt“, sagt Kemmner auf die Frage, warum ausgerechnet das IBB ein derartiges Geschäft betreibt. Um Zugang zu den Märkten und deren Usancen zu bekommen, galt es unter anderem, normales Recht mit Verbandsrecht und internationalem Sportrecht zusammenzubringen.

Dafür habe man sich ein Netzwerk aus spezialisierten Rechtsanwälten und potenziellen europäischen Partnerbanken aufgebaut, mit denen man gegebenenfalls große Deals zusammen schultern kann. Aufgrund eines 60-prozentigen, coronabedingten Einbruchs des europäischen Transfermarkts der Profikicker ist dieses Segment des IBB zwar unter Druck geraten, sei aber wie alle anderen Bereiche der Bank weiterhin profitabel.

Champions-League-Club lobt die Zusammenarbeit

Welche Clubs zu den IBB-Kunden gehören, will der Vorstand nicht verraten. Nur so viel, man habe Kundenbeziehungen zu Champions-League-Clubs auf Topniveau, sagt Kemmner. Einer davon ist der FC Porto, der die Kundenbeziehung an den Bodensee selbst öffentlich gemacht hat.

2021 hat der 30-malige portugiesische Meister das IBB zum „Partner of the Year“ auserkoren. „Die Siege des FC Porto haben seit einigen Jahren immer ein bisschen etwas von dem Bankhaus am Bodensee”, sagte damals Club-Präsident Jorge Nuno Pinto da Costa.

Und natürlich seien sie beim IBB im Grunde alle Fußballfans, gesteht Kemmner ein, um jedoch gleich zu betonen, dass man bei der Risikobewertung von Fußballclubs genauso nüchtern prüfe wie jeden anderen Firmenkunden auch.

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