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Sprichwort

Organisationsökonom: „Loben ist natürlich billiger als ein BMW“

Wirtschaft / Lesedauer: 4 min

Der Wirtschaftswissenschaftler Nick Zubanov über den Nutzen aufmunternder Worte
Veröffentlicht:28.02.2017, 19:57

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„Nicht geschimpft, ist genug gelobt.“ So heißt es in einem schwäbischen Sprichwort. Doch ist das wahr? Ist kein Lob wirklich die beste Lösung? Oder gibt es Möglichkeiten, die Leistungen von Mitarbeitern, Studenten und Schülern durch aufmunternde Worte zu verbessern? Genau das hat Nick Zubanov, Organisationsökonom und Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Konstanz , untersucht. Kerstin Conz hat sich mit ihm unterhalten und ihn gefragt, wann Loben wirklich funktioniert und für wen die Aussicht auf einen Pokal motivierender ist als die Aussicht auf einen Dienstwagen.

Wann haben Sie zum letzten Mal ihre Studenten und Mitarbeiter gelobt?

Ich lobe sie die ganze Zeit und versuche vorzuleben, was ich predige. Loben ist billig und effektiv.

Warum ist Lob so motivierend?

Vor allem aus zwei Gründen. Gelobt werden erfüllt ein ganz elementares Bedürfnis, nämlich das Bedürfnis, Teil einer Gruppe zu sein. Dann, und das zeigt sich insbesondere in meiner Studie, befriedigt Loben das Bedürfnis, Erwartungen und Normen zu entsprechen. Wir leben in einer Welt von Normen. Die Arbeitswelt ist voller Normen.

Zum Beispiel?

In manchen Unternehmen ist es eine Norm bis 17.30 Uhr zu bleiben, obwohl ich mit meiner Arbeit längst fertig bin. Oder zu bleiben, bis der Chef nach Hause geht. Solche Normen können über Lob und Anerkennung kommuniziert werden.

Und wie funktioniert das?

Wenn ich die lobe, die länger geblieben sind, kommuniziere ich, dass sie die Norm oder die Erwartung erfüllt haben. Die Anderen lernen, dass sie sie nicht erfüllt haben. Auch sie wollen Teil der Gruppe sein und beim nächsten Mal versuchen, die Erwartung zu erfüllen.

Das ist natürlich sehr viel eleganter, als eine offene Kritik.

Ja! Ein Lob kommt immer besser an als die Anweisung „in Zukunft müssen alle bis 18 Uhr im Büro bleiben“. Das kann man natürlich auch strategisch einsetzen. Gerade für Teamleiter, die nicht viel älter als die anderen sind, oder gar nicht die Kompetenz haben, den anderen solche Vorgaben zu machen, ist ein Lob einfacher und natürlicher.

Sie haben Ihre Studie mit einer Gruppe Studenten gemacht. Wer profitiert vom Lob besonders?

Die Studenten, die weder besonders gut, noch besonders schlecht waren, haben am meisten auf das Lob reagiert und ihre Leistung verbessert. Die Studenten, die gelobt wurden, haben sich nicht weiter verbessert.

Kann man die Ergebnisse der Studenten wirklich auf Schule oder Arbeitswelt übertragen?

Ich sehe keine großen Unterschiede. Überall folgen wir Anweisungen und werden beurteilt. Die Mechanismen sind sehr ähnlich.

Was sonst treibt Menschen an, außer den Wunsch dazuzugehören oder eine Norm zu erfüllen?

Da gibt es ganz verschiedene Faktoren. Geld, Karrierechancen, ein besserer Status.

Funktioniert Loben genauso gut wie Geldanreize? Das wäre natürlich sehr viel günstiger.

Loben ist natürlich billiger als eine Gehaltserhöhung oder ein BMW als Dienstwagen. Es ist auch effektiv. Steven Levitt, John List, Susanne Neckermann und Sally Sadoff etwa haben in einer Studie mit 6500 Schulkindern herausgefunden, dass Anerkennung in Form von Pokalen die Kinder mehr motiviert als 20 Dollar. Für ein Schulkind ist das ziemlich viel Geld. Allerdings waren das noch recht junge Kinder, die ein anderes Verhältnis zu Geld haben als Erwachsene.

In der Arbeitswelt kommt man mit Pokalen vermutlich nicht sehr weit.

Hier würde ich sagen, dass Geldanreize besser funktionieren. Trotzdem gehören Lob und Anerkennung – sparsam angewendet – bei jedem guten Manager mit in den Werkzeugkasten. Geldanreize motivieren Underperformer – also Menschen, die eine unterdurchschnittliche Arbeitsleistung abliefern – weniger als Leistungsträger. Dagegen zeigt meine Studie, dass Underperformer durch Lob mehr motiviert werden als Leistungsträger. Je nachdem, wen ein Manager motivieren will, kann er zwischen Geld oder Lob wählen.

Studie beruht auf Leistungen von 300 Studenten

An der jetzt veröffentlichten Studie „The power of (no) recognition“ – Deutsch: Die Macht des (nicht) Lobens – haben mehr als 300 niederländische Studienanfänger in 15 Gruppen teilgenommen. Das beste Drittel der Studierenden in acht zufällig ausgewählten Gruppen wurden für ihre Leistungen im Fach Mikroökonomie vor ihren Kommilitonen gelobt. Die folgenden Klausurergebnisse wurden mit Ergebnissen aus den sieben Kontrollgruppen verglichen, in denen nicht gelobt wurde. Nick Zubanov ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Konstanz. Der Forschungsschwerpunkt des 37-Jährigen ist Organisationsökonomie.