Automobilzulieferer

ZF will sich angeblich an milliardenteurer Chipfabrik beteiligen

Saarbrücken / Lesedauer: 3 min

Der US-Konzern Wolfspeed plant auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks in der Nähe von Saarlouis den milliardenteuren Neubau. ZF will sich offenbar mit einem Minderheitsanteil beteiligen.
Veröffentlicht:22.01.2023, 01:00

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Der Automobilzulieferer ZF will sich Medienberichten zufolge beim Aufbau des weltweit größten Werks für Siliziumkarbid-Halbleiter im Saarland beteiligen.

Wie das „Handelsblatt“ berichtete, plant der US-Konzern Wolfspeed auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks in Ensdorf in der Nähe von Saarlouis den milliardenteuren Neubau. ZF wolle sich demnach mit einem Minderheitsanteil beteiligen.

Nach Informationen der „Saarbrücker Zeitung“ und des Saarländischen Rundfunks könnten bis zu 1000 Arbeitsplätze entstehen. Ein Sprecher der saarländischen Landesregierung und ein ZF-Sprecher wollten die Berichte am Wochenende nicht kommentieren.

Noch fehlt die Zusage für staatliche Fördermittel

Dem „Handelsblatt“ zufolge will Wolfspeed möglichst schnell mit den Bauarbeiten beginnen. Im Jahr 2027 soll die Serienfertigung der vor allem in Elektrofahrzeugen und Photovoltaikanlagen genutzten Leistungshalbleiter anlaufen. Bis 2030 wolle man mit voller Kapazität produzieren. Darüber hinaus solle ein gemeinsames Forschungszentrum entstehen, an dem ZF die Mehrheit halte.

Noch fehle aber die Zusage über staatliche Fördermittel berichtete das „Handelsblatt“ aus mit dem Projekt vertrauten Kreisen. Die Subventionen seien die Voraussetzung für das Engagement im Saarland. Halbleiterhersteller kalkulieren in der Regel mit öffentlichen Mitteln von 40 Prozent der Gesamtkosten.

Das neueste Chipwerk von Wolfspeed in den USA kostete demnach rund zwei Milliarden US-Dollar. Dem Vernehmen nach solle die Fabrik im Saarland deutlich größer und damit auch teurer werden. Der Nachrichtendiest „Bloomberg“ berichtete von drei Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro).

ZF könnte das Personal stellen

Wolfspeed-Chef Gregg Lowe hatte bereits im März 2022 in einem Interview mit der „FAZ“ gesagt, dass er gerne eine eigene Chipfabrik in Europa bauen würde und sich auch Deutschland als Standort vorstellen könne. Viele Kunden von Wolfspeed, die zu einem großen Teil in der Automobilindustrie tätig sind, würden sich ein Werk in ihrer Nähe wünschen, so Lowe damals.

Dass die Wahl für den möglichen Standort auf das Saarland falle, habe dem „Handelsblatt“ zufolge vor allem mit ZF zu tun. Der Stiftungskonzern vom Bodensee beschäftigt in seinem Getriebewerk in Saarbrücken, das zum Elektro-Leitwerk umgebaut werden soll, mehr als 9000 Mitarbeiter und könne dringend benötigtes Personal für die neue Fabrik stellen.

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Für die EU wäre ein Engagement von Wolfspeed eine weitere Möglichkeit, im Halbleitermarkt über die letzten Jahrzehnte verloren gegangenen Boden gutzumachen und so dem ehrgeizigen Ziel näherzukommen, wieder eine bedeutende Rolle bei der Chipversorgung dieser Welt einzunehmen.

Im März 2022 hatte der US-Halbleiterriese Intel bekannt gegeben, in Magdeburg ab 2027 Chips der neuesten Generation produzieren zu wollen.

An dem US-Unternehmen Wolfspeed, das vormals unter dem Namen Cree firmierte, war vor einigen Jahren der Münchener Wettbewerber Infineon interessiert. Eine Übernahme scheiterte damals aber am Veto der US-Regierung.