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 Neues Projekt "Nile Hire"

Qualifizierte Ägypter gegen den Fachkräftemangel von IFM und IHSE

Wirtschaft / Lesedauer: 3 min

In Kairo entsteht ein deutsches Ausbildungszentrum. 200 Ägypter werden jährlich auf qualifizierte Jobs in der Region vorbereitet.
Veröffentlicht:12.02.2024, 18:00

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Regio-TV-Moderator Rolf Benzmann nennt es „einen Brückenschlag für die Region“, IFM-Personalchef Steffen Fischer (Tettnang) „ein spannendes Projekt“ und IHSE-Geschäftsführer Enno Littmann (Oberteurigen) spricht von „großen Möglichkeiten“: Auf Initiative der Fronreuter Unternehmerin Anne Schmieder wird in Kairo gerade ein deutschsprachiges Ausbildungszentrum errichtet, in dem ägyptische Fachkräfte für eine Festanstellung in Oberschwaben und im Bodenseekreis vorbereitet werden.

Wir reden seit Jahren über Fachkräftemangel. Qualifizierte Menschen aus Ägypten können unseren Firmen helfen, diesen Fachkräftemangel zu minimieren.

Anne Schmieder

Schmieder hatte das Projekt, das von der IHK Bodensee-Oberschwaben, der Hochschule Weingarten und der Agentur für Arbeit begleitet wird, vor interessierten Unternehmern im Ravensburger Schwörsaal vorgestellt.

In unserem Unternehmen gibt es dauerhaft rund 150 offene Stellen. Wir können uns in der Region nicht ständig Fachkräfte gegenseitig abwerben. Es macht hochgradig Sinn, sich anzuschauen, welche Qualifikationen gut ausgebildete Menschen aus Ägypten mitbringen.

Steffen Fischer

„Wir reden seit Jahren über Fachkräftemangel“, sagte Schmieder, „qualifizierte Menschen aus Ägypten können unseren Firmen helfen, diesen Fachkräftemangel zu minimieren.“ Fischer, der bei IFM rund 9000 Mitarbeiter betreut, ergänzte: „In unserem Unternehmen gibt es dauerhaft rund 150 offene Stellen. Wir können uns in der Region nicht ständig Fachkräfte gegenseitig abwerben. Es macht hochgradig Sinn, sich anzuschauen, welche Qualifikationen gut ausgebildete Menschen aus Ägypten mitbringen.“

Gesucht sind gut ausgebildete Fachkräfte für Mittelstand und Handwerk

Das Personalrecruiting vor Ort erfolgt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Universität Kairo, zu der RWU-Professor Michael Pfeffer gute Kontakte pflegt. Die Außenhandelskammer ist beim Recruiting ebenfalls involviert. In Ravensburg unterstützt die Agentur für Arbeit. Gesucht werden vor allem Akademiker und gut ausgebildete Fachkräfte für den Mittelstand und das Handwerk.

Wir möchten, dass sich die Ägypter schnell integrieren und wohlfühlen.

Anne Schmieder

Die erste Kontaktaufnahme erfolgt über eine Videoschalte. Falls gegenseitig Interesse an einer Zusammenarbeit besteht, können die potenziellen Fachkräfte zwei Wochen im neuen Ausbildungszentrum verbringen. Dort sollen Lehrer unter anderem die Deutschkenntnisse der Ägypter verbessern, den deutschen Arbeitsalltag erklären, Behördengänge, aber sie sollen auch gesellschaftliche und kulturelle Werte vermitteln.

Die Leute sollen auch schwäbisch schwätze.

Michael Pfeffer

„Wir möchten, dass sich die Ägypter schnell integrieren und wohlfühlen“, sagte Schmieder. Pfeffer ergänzte launig: „Die Leute sollen auch schwäbisch schwätze.“ Falls gewünscht, könne die Hochschule in Weingarten auch Studienplätze in Teilzeit anbieten.

Akademiker sollen die Möglichkeit bekommen, fünf Jahre in der Region Bodensee-Oberschwaben zu arbeiten, Fachkräfte drei Jahre. „Es ist nicht so, dass wir die besten Leute aus Ägypten dauerhaft abwerben möchten“, so Schmieder, „wir wollen eine Win-Win-Situation schaffen: Wir profitieren vom Wissen der ägyptischen Arbeitnehmer und sie profitieren von den Erfahrungen in Deutschland, wenn sie in ihr Heimatland zurückkehren.“ Rund 200 Fachkräfte sollen jährlich den Weg nach Oberschwaben und in die Bodenseeregion finden.

Schmieder hat für das Projekt „Nile Hire“ eine Projektleiterin eingestellt. Trotzdem ist es kein alleiniges Projekt der „Schmieder kkm“, die kaufmännische Dienstleistungen anbietet. Die Arbeitnehmer aus Ägypten werden direkt bei den jeweiligen Unternehmen angestellt. Das ist eine der Bedingungen, um ein Visum zu erhalten.