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Saulgauer Bauträger 3S-Bauart ist insolvent: Mitarbeiter verlieren Job

Wirtschaft / Lesedauer: 3 min

Die Krise am Bau kommt mit Wucht in der Region an. Vier Insolvenzen gab es innerhalb weniger Monate. Nun trifft es das Saulgauer Unternehmen. 
Veröffentlicht:07.12.2023, 07:00

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Die Pleitewelle in der regionalen Baubranche zieht weitere Kreise. Am Dienstag musste auch das Bauunternehmen 3S-Bauart GmbH mit Sitz in Bad Saulgau beim Amtsgericht Ravensburg Insolvenz anmelden (Aktenzeichen 105 IN 651/23).

Drei Wochen zuvor hatte die Monument Klosterarkarden Weingarten GmbH seine „drohende Zahlungsunfähigkeit“ angezeigt. Davor Kuhn Bau aus Bad Wurzach, davor Rinker-Bau aus Ravensburg.

Vier Insolvenzen innerhalb weniger Monate, die auch mit menschlichen Schicksalen verwoben sind. Mitarbeiter verlieren oder bangen um ihre Jobs. Bauherren stehen verunsichert vor halbfertigen Immobilien. Bauunternehmer blicken frustriert auf ihr Lebenswerk. Wie Geschäftsführer Jacint Szimai, der sein Unternehmen 3S-Bauart im Jahr 2016 gegründet hatte.

Hohe Baustoffpreise und Flaute bei Aufträgen

Rund 250 Rohbauten wurden von 3S Bauart errichtet, darunter Ein- und Mehrfamilienhäuser, Hallen und landwirtschaftliche Gebäude. Hinzu kamen Projekte im Hochbau und Tiefbau. „Wir haben bei null angefangen“, sagt Szimai, „wir waren voller Engagement und Schaffenskraft. Aber jetzt ist der Punkt gekommen, an dem es nicht weitergeht.“

Der Tropfen auf den heißen Stein war die jüngste Erhöhung der Zementpreise.

Jacint Szimai

Genau genommen sind es viele Punkte, die die Baubranche und 3S-Bauart in den vergangenen zwei Jahren mit voller Wucht treffen. Preise für Baustoffe wie Holz und Stahl stiegen laut Statistischem Bundesamt seit 2021 so stark wie noch nie seit 1949. Bauholz verteuerte sich um 61,4 Prozent, Konstruktionsvollholz sogar um 77,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr „Der Tropfen auf den heißen Stein war die jüngste Erhöhung der Zementpreise“, sagt Szimai.

Und weiter: „Vorher konnten wir einen Kubikmeter Zement für 120 Euro einkaufen und als Beton für zirka 280 Euro verkaufen. Jetzt müssen wir für 150 Euro einkaufen. Wir können aber nur für 220 Euro verkaufen, weil wir sonst keine Aufträge bekommen würden.“

Bauträger unterbieten sich gegenseitig

Viele Bauträger unterböten sich seit Monaten bei der Angebotsvergabe, was laut Szimai dazu führt, dass vielfach das Einrichten der Baustellen nicht in Rechnung gestellt werde. „Der Gewinn geht gegen Null“, sagt Szimai deprimiert.

Seine 3S-Bauart GmbH meldet sogar rote Zahlen. In der letzten veröffentlichten Jahresbilanz von 2020 steht ein Minus von 140.431 Euro. Dagegen stehen Kosten für Löhne und Sozialabgaben in Höhe von 549.000 Euro. Welche Gelder jetzt noch freigegeben werden, entscheidet allein der Insolvenzverwalter. In der Bekanntmachung vom Ravensburger Amtsgericht heißt es: „Hinsichtlich der Bankkonten und der Außenstände der Schuldnerin geht die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis auf den vorläufigen Insolvenzverwalter über.“

Als Insolvenzverwalter wurde der Ulmer Betriebswirt Reinhard Wünsch von der Kanzlei Pluta bestellt. Er entscheidet auch, ob angefangene Bauprojekte fortgeführt werden. Szimai darf keine Aufträge zusagen, solange das dreimonatige Insolvenzverfahren läuft. 3S-Bauart Firma hatte 17 Mitarbeiter beschäftigt, von denen einige bereits gehen mussten. Die Auftragsvergabe an Subunternehmen entfällt komplett.

Szimai fürchtet, dass in den kommenden Monaten weitere Bauunternehmen die Segel streichen. „Viele Mittelständler können die gestiegenen Kosten einfach nicht stemmen.“

Branchenverband meldet Auftragseinbruch

Seine Einschätzung deckt sich mit den jüngsten Zahlen des Branchenverbands Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Dort heißt es in einer Pressemitteilung: „Der seit Oktober vergangenen Jahres anhaltende Abwärtstrend bei den Auftragseingängen im baden-württembergischen Wohnungsbau setzt sich unvermindert fort. Wie aus aktuellen Konjunkturdaten hervorgeht, war im September ein Auftragsminus von real 28,9 Prozent zu verzeichnen.“ Laut einer Umfrage würden 29 Prozent der Mitgliedsbetriebe damit rechnen, 2024 Kurzarbeit beantragen zu müssen.

Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, teilt mit: „Die hohen Baumaterial- und Energiepreise, deutlich gestiegene Zinsen und verschlechterte Förderbedingungen schrecken viele Bauherren ab. Hinzu kommen zahlreiche Projektstornierungen. Nun hat sich die Situation durch die Haushaltssperre infolge des Urteils zum Klima- und Transformationsfonds weiter verschärft.“ Möller fordert die Politik auf, klare Impulse für den Wohnungsbau zu setzen, etwa durch Zinsverbilligungsprogramme bei energetischen Standards.