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Strategiedialog Automobilwirtschaft

Kretschmann will der Landesvater fürs Auto bleiben

Wirtschaft / Lesedauer: 3 min

Der Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg stellt klare Forderungen an die Bundespolitik. Derweil werden Pläne zur CO₂-Speicherung geschmiedet.
Veröffentlicht:09.12.2023, 05:00

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Schulterschluss im Land und klare Forderungen in Richtung Bund: Die Automobilwirtschaft Baden-Württemberg und die grün-schwarze Landesregierung stellen in einem aktuellen Impulspapier gemeinsame Forderungen an die Ampel-Regierung. „Wir appellieren an den Bund, die notwendigen Weichenstellungen für eine erfolgreiche Transformation vorzunehmen“, sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann beim 7. Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg, der dieses Mal in Berlin stattfand.

Die Autobauer und ihre Zulieferer stecken nicht nur mitten in einer umfassenden Transformation weg vom Verbrenner hin zum Elektro-Antrieb, sie leiden zudem unter der Bürokratie und den relativ hohen Kosten am Standort Deutschland sowie an einer immer stärker werdenden internationalen Konkurrenz.

Fast 500.000 Arbeitsplätze betroffen

Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, zitierte bei dem Spitzentreffen eine Studie von „e-mobil“, nach der allein im Südwesten knapp 500.000 Arbeitsplätze von der Transformation der Automobilwirtschaft betroffen seien - nicht nur bei den großen Herstellern, sondern auch bei den kleinen und mittleren Unternehmen im Zuliefererbereich, im Handel und in den Werkstätten.

Demnach sollen bis zum Jahr 2040 bis zu 30 Prozent der Arbeitsplätze in Gefahr sein. Von den Unternehmen erwartet die IG Metall, dass sie ihre Beschäftigten auf allen Ebenen qualifizieren, um die Jobs zu sichern.

Die Unternehmen bräuchten nun ein schnelles Signal und Planungssicherheit von der Bundesregierung, betonte derweil Kretschmann. „Der Bund muss an den Investitionen in Zukunftstechnologien festhalten, die Projekte des Klima- und Transformationsfonds müssen kommen. Denn unser Standort steht in einem harten Wettbewerb mit China und den USA. Beide investieren gerade massiv und sichern sich dadurch Standortentscheidungen.“ Das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts schwebe da wie ein Damokles-Schwert über der Automobilwirtschaft.

„Benötigen bezahlbare Energiepreise und Bürokratieabbau“

Das Impulspapier des Strategiedialogs will konkrete Handlungsempfehlungen aufzeigen, „um das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder zu stärken und Anreize für Investitionen zu schaffen“. „Hierfür benötigen wir bezahlbare Energiepreise, Bürokratieabbau auf allen Ebenen und die bestmöglichen Rahmenbedingungen für Forschung und Innovationen“, fasste Kretschmann zusammen.

Mit Blick auf die Förderpolitik der EU sagte er, der Befristete Krisen- und Transformationsrahmen TCTF sei für Transformationsregionen wie Baden-Württemberg nur bedingt geeignet. So gingen wichtige Zukunftsinvestitionen regelmäßig an Baden-Württemberg vorbei.

„Eine größere Berücksichtigung von innovativen Regionen wie unserem Land würde zu einer Schubkraft für ganz Europa führen“, ist der grüne Ministerpräsident überzeugt. „Das EU-Beihilferecht verhindert nicht nur regelrecht, dass sich neue Unternehmen hierzulande ansiedeln - bei uns ansässige Unternehmen verlagern ihre Produktion auch in andere Länder. Diesen Trend müssen wir schnellstmöglich stoppen“, forderte er.

Ziel: führender Automobil- und Mobilitätsstandort bleiben

Auf Einladung der Landesregierung nahmen an dem Treffen in Berlin Spitzenvertreter großer Automobilhersteller und Zulieferunternehmen sowie hochrangige Experten aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik teil. Der seit 2017 bestehende Strategiedialog hat es sich zum Ziel gesetzt, Baden-Württemberg zum Vorreiter einer klima- und umweltschonenden Mobilität zu machen. Auch bei neuen Technologien soll der Südwesten ein weltweit führender Automobil- und Mobilitätsstandort sein.

Wir freuen uns darauf, das Direct-Air-Capture-Verfahren künftig gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg und weiteren Partnern vorantreiben zu können.

Porsche-Vorstandsmitglied Meschke

Im Rahmen der Veranstaltung unterzeichneten Kretschmann, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Porsche, Lutz Meschke, und das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), Frithjof Staiß, eine Absichtserklärung zu „Direct Air Capture“ (DAC) - ein Verfahren zur Gewinnung von Kohlenstoffdioxid.

Mithilfe dieser Technologie kann CO₂ aus der Atmosphäre entnommen werden. Anschließend ist es möglich, dieses etwa als Rohstoff für nachhaltige Kraftstoffe oder Kunststoffe nutzbar zu machen oder auch im Boden zu speichern. Diese Technologie kann fortan neue Geschäftsfelder für Unternehmen aus Baden-Württemberg erschließen und eine wichtige Stellschraube bei der Bekämpfung des Klimawandels sein, heißt es in einer Pressemitteilung des Staatsministeriums dazu.

„Wir freuen uns darauf, das Direct-Air-Capture-Verfahren künftig gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg und weiteren Partnern vorantreiben zu können“, sagte Porsche-Vorstandsmitglied Meschke. „DAC kann weltweit zu einer wichtigen Klima-Technologie werden, wenn wir dafür gemeinsam den Weg zur industriellen Produktion und Anwendung ebnen.“