Bierkartell

Entscheidung zum Bierkartell naht - Brauereien im Süden setzen auf regionale Konzepte

Bonn / Lesedauer: 3 min

Brauereien im Süden setzen auf regionale Konzepte
Veröffentlicht:31.03.2014, 17:35
Aktualisiert:24.10.2019, 15:00

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Bei vielen Brauern dürfte der Fall für Katerstimmung sorgen: Das Bundeskartellamt steht kurz vor seiner abschließenden Entscheidung über das bislang größte Bierkartell in Deutschland. Beteiligt an den illegalen Preisabsprachen, die von der Behörde mit Hilfe von Kronzeugen aufgedeckt wurden, war ein Dutzend Unternehmen mit einem Anteil von 50 Prozent am deutschen Biermarkt.

Mit Spannung erwartet die Branche in dieser Woche den Beschluss des obersten deutschen Wettbewerbshüters Andreas Mundt über weitere Geldbußen gegen regionale Bierbrauer, zwei Brauereikonzerne und einen Brauereiverband.

Mitte Januar hatte Mundt bereits in einer ersten Runde Geldbußen in Höhe von 106 Millionen Euro wegen solcher Mauscheleien gegen die größten der deutschen Privatbrauereien verhängt: Bitburger, Krombacher, Veltins, Warsteiner und Barre. Der Kartellwächter wird dies vermutlich mit einer weiteren hohen Geldbuße gegen Brauereien fortführen, deren Fälle im Januar noch nicht abgeschlossen waren. Namen nennt das Kartellamt zwar nicht. Aber es ist inzwischen kein Geheimnis mehr, dass der dänische Bierbrauer Carlsberg (Holsten) und vor allem die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger Gruppe (Jever, Berliner Pilsener, Ur-Krostitzer) im Fokus der Ermittler stehen. Sie hatten sich im Gegensatz zu den anderen Beschuldigten geweigert, mit den Behörden zu kooperieren.

Ausgelöst wurden die Untersuchungen durch AB InBev , der als Kronzeuge auftrat und ohne Geldbuße blieb. Branchenexperten gehen davon aus, dass erneut ein dreistelliger Millionenbetrag fällig wird. Mundt selbst hatte gesagt, dass die Summe noch einmal „ganz erheblich steigen“ werde.

Für Michael Weiß, Chef der traditionellen Brauerei Meckatzer Löwenbräu in Heimenkirch (Kreis Lindau), ist das Vorgehen des Kartellamts jedoch zu harsch. „Dem Verbraucher ist letzten Endes kein Schaden entstanden“, sagt er. Schließlich müsste ein Kasten Bier der beanstandeten Marken, der in den 1990er-Jahren noch im Schnitt 22 DM gekostet habe, heute knapp 19 Euro kosten. Doch er kostet nur zehn Euro. Es sei also etwas zu weit gegriffen, den Konzernen Abzocke vorzuwerfen. Preisabsprachen seien dennoch falsch, betont der Brauer. Auch zur Häme sieht Weiß keinen Grund – obwohl sein Unternehmen ja nicht von den Vorwürfen betroffen ist: „Irgendwo bleibt der Verdacht von Preisabsprachen an der ganzen Branche hängen“, fürchtet er.

Mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro und einem Ausstoß von 13 Millionen Hektolitern im vergangenen Jahr ist die Radeberger Gruppe mit 5500 Beschäftigten und einem Marktanteil von 15 Prozent der Branchenprimus auf dem deutschen Biermarkt. Mit einigem Abstand folgt der belgisch-brasilianische Braukonzern AB InBev (Beck's, Diebels, Hasseröder), der hierzulande auf 10,5 Millionen Hektoliter kommt. Das Kartellamt wirft den Unternehmen vor, für Fassbier zwischen 2006 und 2008 Aufschläge von jeweils fünf bis sieben Euro je Hektoliter verabredet zu haben. Darüber hinaus hätten sie 2008 eine Preiserhöhung für einen 20-Flaschen-Kasten von einem Euro untereinander abgesprochen.

In einem knallharten Wettbewerb kämpfen die Brauereien um jeden Biertrinker. Seit Jahren geht der Absatz zurück, und die Margen sind niedrig. Das bestätigt auch der Meckatzer Brauer Weiß: „Wir Mittelständler führen keinen Preiskampf, sondern einen Qualitätswettbewerb. Mit den Preisen der Großen können wir nicht mithalten.“ Dazu gehöre die regionale Produktion mit Hopfen aus Tettnang und oberschwäbischer Gerste. „Da kommt uns der Trend zu regionalen Lebensmitteln sehr entgegen“, sagt Weiß. Das Pfund, mit dem die regionalen Brauereien wie Meckatzer wuchern können, ist Glaubwürdigkeit und Regionalität.