Wirtschaft

Enercity rüstet Schwörer-Häuser mit PV-Anlagen aus

Hohenstein / Lesedauer: 1 min

Der Fertighaus-Spezialist Schwörer tut sich mit dem Hannoveraner Versorger Enercity beim Bau von Photovoltaikanlagen zusammen. Für Schwörer-Kunden soll sich das lohnen.
Veröffentlicht:20.01.2023, 19:00
Aktualisiert:20.01.2023, 01:00

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Mit einer ungewöhnlichen Partnerschaft will der Fertighausbauer Schwörer die wachsende Nachfrage nach Solaranlagen bewältigen. Schwörer-Kunden soll garantiert werden, mit Fertigstellung ihres Hauses eine funktionsfähige Photovoltaikanlage (PV) auf dem Dach zu haben. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, machte Geschäftsführer Johannes Schwörer bei einem Pressegespräch am Freitag am Firmensitz in Hohenstein bei Reutlingen deutlich.

Seit 2022 gilt in Baden-Württemberg die PV-Pflicht für Wohnneubauten. Seit Anfang dieses Jahres müssen auch Bestandsbauten bei einer Dachsanierung mit PV ausgestattet werden. Auch in Berlin ist eine Solaranlage gesetzlich vorgeschrieben, in weiteren Bundesländern ist sie geplant.

Eine „Riesenchance“ sieht Schwörer deshalb in der Kooperation mit dem Energiedienstleister Enercity-Solutions, hinter dem sich die Stadtwerke Hannover verbergen und der auf das Photovoltaik-Geschäft spezialisiert ist.

Im vergangenen Jahr gab es nach Schwörers Worten immer wieder Verzögerungen bei der Lieferungen von Modulen für Solaranlagen und bei der Montage. Mal fehlte das Material, mal gab es keine Handwerker. Mit der neuen Partnerschaft soll sich das grundlegend ändern. „Noch mehr Kundinnen und Kunden können bald mit eigenen PV-Anlagen erneuerbaren Strom erzeugen“, versprach Enercity-Geschäftsführerin Alexandra Lorenz.

Enercity verneint Lieferprobleme

Das Unternehmen sei von den aktuellen Lieferproblemen nicht betroffen, weil man in den vergangenen Jahren hohe Lagerbestände aufgebaut habe. Auch bei der Montage sieht sie kein Problem. Enercity-Solutions arbeite mit einem bundesweiten Netzwerk von Handwerkern zusammen und sei außerdem an einem Installationsservice beteiligt.

Die beiden Partner wollen es künftigen Bauherren möglichst einfach machen. Neue Fertighäuser werden vom Unternehmen Schwörer bereits für ein PV-Dach vorkonfiguriert. „Bei Baubeginn sind alle technischen Anforderungen in den Fertigbauteilen erfüllt“, so der Schwörer-Chef. Die PV-Anlage kann dann „passgenau und individuell“ mit Speicher auf der Website des Energiedienstleisters zusammengestellt werden. Auf Wunsch bietet Enercity ein Rundum-Sorglos-Wartungspaket an.

Nachlass für Neukunden

Die Montage soll dann vor Ort schnell und nahtlos gehen: PV-Module, Speicher und Wechselrichter werden auf die Vorrichtungen installiert. Spezielle Dachziegel sollen das Montieren vereinfachen.

Rund 25.000 Euro müssen Bauherren dafür investieren. Zehn Prozent Nachlass werden Neukunden in Aussicht gestellt. Daneben bietet Enercity auch an, die PV-Anlage zu pachten. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus und bei einer Laufzeit von 20 Jahren fallen dafür monatlich 180 Euro an, Wartung eingeschlossen. Das sei für viele Kunden angesichts der gestiegenen Baukosten und der höheren Zinsen vermutlich attraktiv, so Alexandra Lorenz. Nach Ablauf der 20 Jahre kann der Hausbesitzer die Anlage dann abkaufen.

Die PV-Anlage werde allen Neukunden angeboten und sei, laut Enercity, für die voraussichtlich 1000 Häuser, die 2023 verkauft werden, garantiert. „Das stellen wir sicher“, so Lorenz. Auch alle 44.000 Bestandskunden sollen nach und nach mit einem Angebot angeschrieben werden. Der Schwörer-Chef schätzt, dass bisher 7000 bis 8000 Schwörer-Hausbesitzer bereits eine Solaranlage auf dem Dach haben. „Wir haben bereits viele Anfragen von Kunden, die sich für Sonnenstrom vom Dach interessieren.“ Konkrete Zahlen, wieviele Häuser pro Jahr nachgerüstet werden könnten, nannte er nicht. Das Potential ist groß: Geschätzt sind es rund 1,5 Millionen Quadratmeter Dachfläche, die mit PV-Anlagen ausgestattet werden können.

Preise für Schwörer-Häuser kräftig gestiegen

Auch bei Schwörer, der zu den führenden Anbietern von Fertighäusern zählt, sind die Preise kräftig gestiegen. 2023 rechnet der Schwörer-Chef mit einem Durchschnittspreis von 350.000 Euro – PV-Anlage eingerechnet – für ein Einfamilienhaus in Holzständer-Bauweise. Vor zwei Jahren waren es noch 300.000 Euro. „Es ist noch nicht lange her, da lagen wir bei 250.000 Euro“, so Schwörer.

Das 1950 gegründete Familienunternehmen erwirtschaftet nach eigenen Angaben jährlich rund 350 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt bundesweit an sieben Standorten 1850 Mitarbeiter. Im Schnitt verkauft Schwörer rund 1000 Fertighäuser im Jahr. 2021 waren es sogar 1200. Im abgelaufenen Jahr flaute das Geschäft ab: Die Nachfrage ging in der Folge von gestiegenen Bauzinsen, Inflation und der gekappten Neubauförderung auf 700 zurück. Dieses Jahr sollen es wieder 1000 Häuser sein, versicherte Schwörer. „Wir haben einen hohen Auftragsbestand.“ Unsicher sei, wie es 2024 weitergehe. „Ich glaube aber nicht, dass die Bauflaute lange anhält, denn der Bedarf an Wohnraum ist groß“, so der Firmenchef.

Enercity Solutions gehört zum Konzern Enercity mit Sitz in Hannover, der mit rund 3000 Mitarbeitern rund fünf Milliarden Euro Umsatz im Jahr erwirtschaftet und zu den größten kommunalen Energiedienstleistern gehört.