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Kaufzurückhaltung spürbar

Einzelhändler wollen die Hoffnung auf Weihnachtsumsätze noch nicht aufgeben

Wirtschaft / Lesedauer: 4 min

Dem Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel fehlt Schwung. Nur die Hälfte der Geschäfte rechnet mit mehr Umsatz. Die Händler hoffen, dass die Kauflaune noch steigt.
Veröffentlicht:28.11.2023, 17:00

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Mit Zuversicht startet der baden-württembergische Einzelhandel ins Weihnachtsgeschäft. Obwohl die Zahlen laut einer Umfrage des Handelsverbands (HBW) noch wenig Grund zur Vorfreude geben, rechnet fast die Hälfte der 300 befragten Unternehmen mit „leichten bis deutlichen Umsatzsteigerungen“ in den Wochen bis Heiligabend. Überschattet wird die Konsumstimmung zum Fest von der großen wirtschaftlichen Unsicherheit und vom andauernden Tarifkonflikt. Die Händler hoffen, dass sich die Stimmung auf der Zielgeraden noch dreht.

„Wir sind Berufsoptimisten“, so drückte es Michael Endress aus, Geschäftsführer von Endress Motorgeräte. Der Gartengerätehändler betreibt zwanzig Filialen, vorwiegend in Süddeutschland. Auch wenn der Händler wie viele seiner Kollegen momentan die Kaufzurückhaltung der Verbraucher spürt, hofft er auf gute Umsätze vor dem Fest.

Zu Weihnachten würden beispielsweise Motorsägenkurse verschenkt, so Endress bei einem Pressegespräch des baden-württembergischen Handelsverbands, an dem mehrere Branchenvertreter teilnahmen.

Umfrage spiegelt vorsichtigen Optimismus

Verbandspräsident Hermann Hutter, der selbst mehrere Schreib- und Spielwarengeschäfte betreibt, betonte, für viele Einzelhändler seien die letzten Monate des Jahres die umsatzstärksten. So macht die Spielwarenbranche in den Wochen vor Weihnachten sogar 40 Prozent des Jahresgeschäfts. „An den Kindern wird zuletzt gespart“, so Hutter. Deshalb rechne er mit guten Umsätzen. Bereits am Black Friday hätten die Kassen kräftig geklingelt.

Die Ergebnisse der Umfrage spiegeln eher vorsichtigen Optimismus. Die Händler wurden in der Woche zwischen dem 17. und 24. November befragt, noch vor dem eigentlichen Black-Friday-Wochenende. Zudem sei die Stimmung „überschattet“ gewesen, wie Verbandsgeschäftsführerin Sabine Hagmann sagte, von dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts wenige Tage zuvor. Die Verfassungsrichter hatten der Ampelregierung die Umwidmung von 60 Milliarden Euro aus dem Corona-Fonds untersagt. Im Haushalt klafft somit ein Loch - mit noch nicht absehbaren Folgen. Das habe auch Unternehmen und Konsumenten verunsichert, vermutet Hagmann.

Fast drei von vier gaben an, dass „allgemein weniger gekauft wird“.

Laut der Umfrage hatten die Händler bis dahin noch keinen Aufschwung verspürt. Im Gegenteil: Der vorweihnachtliche Umsatz lag im Schnitt um zwölf Prozent unter den Vorjahren. Zwar gaben 46 Prozent der Befragten an, sie rechneten mit einer Umsatzsteigerung im Weihnachtsgeschäft, doch gut 18 Prozent erwarten keinen Effekt, während der Rest zu diesem Zeitpunkt sogar von einer Verschlechterung des Umsatzes ausging - immerhin 36 Prozent.

Die Kunden konzentrieren sich immer mehr auf Aktionen.

Christian Klemp

Fast drei von vier gaben an, dass „allgemein weniger gekauft wird“. Knapp die Hälfte beobachtete, dass die Kunden preissensibel sind und bei günstigen Angeboten zugreifen. Das bestätigte auch Christian Klemp, Sprecher der Geschäftsführung bei Modehaus Zinser. „Die Kunden konzentrieren sich immer mehr auf Aktionen“, so Klemp. Am Black-Friday-Wochenende seien die Läden voll gewesen. Er rechne mit „vernünftigen Umsätzen“ vor Weihnachten. Der Herbst sei dagegen für den Modehandel wegen der bis Mitte Oktober noch sommerlichen Temperaturen schwierig gewesen.

Die Kunden kaufen überlegter und hochwertiger. Sie wollen wissen, wo etwas hergestellt wird und wie hoch der Energieverbrauch ist. Da können wir mit Beratung punkten.

Thomas Breuninger

Kunden kaufen überlegter und hochwertiger

Thomas Breuninger, Geschäftsführender Gesellschafter von Tritschler, einem Fachhändler für Haushaltswaren, sieht indessen auch einen Gegentrend zur Schnäppchenjagd: „Die Kunden kaufen überlegter und hochwertiger. Sie wollen wissen, wo etwas hergestellt wird und wie hoch der Energieverbrauch ist. Da können wir mit Beratung punkten“, so Breuninger. Laut der Befragung gaben nur 17 Prozent der Händler an, die Kunden würden zwar weniger, dafür jedoch hochwertiger kaufen.

Höhenflug des Online-Handels scheint gestoppt

Einen Trend zurück in die Ladengeschäfte will auch Hutter beobachten. Zumindest, das bestätigen Berechnungen des Hauptverbands (HDE) für ganz Deutschland, scheint der Höhenflug des Online-Handels gestoppt: Sowohl im Weihnachtsgeschäft als auch auf das Gesamtjahr gesehen können die Umsätze des letzten Jahres zwar nominal gehalten werden, real ergibt sich für das Weihnachtsgeschäft aber ein Minus von vier Prozent. Für das Jahr 2023 bedeutet das online ein reales Minus von 4,3 Prozent. Insgesamt rechnet der Bundesverband damit, dass im deutschen Einzelhandel 2023 die Umsätze preisbereinigt um vier Prozent sinken.

60 Prozent aller Besucher kommen wegen des Handels in die Innenstadt.

Hermann Hutter

Der Einzelhandel sei nach wie vor ein starker Magnet: „60 Prozent aller Besucher kommen wegen des Handels in die Innenstadt“, so Hutter. Von den Weihnachtsmärkten erhoffen sich die Händler einen Booster für ihre Geschäfte. Die stimmungsvollen Märkte würden die Menschen in die Städte locken. Man treffe sich dort und mancher verbinde das mit einem Einkaufsbummel. Hier könnten die Kommunen noch mehr tun, so die Händler.

Der Tarifkonflikt schwelt weiter

Stimmungsaufheller können die Kaufleute allemal brauchen. Denn auch der Tarifkonflikt schwelt noch. Hagmann sagte im Gespräch mit Schwäbische.de, man hoffe nach dem Spitzengespräch am 23. November mit der Gewerkschaft Verdi auf einen Abschluss „auf der Grundlage unseres letzten Angebots“. Die Arbeitgeber bieten für 24 Monate ein Gehaltsplus von sechs Prozent ab 1. Juli 2023 und um weitere vier Prozent ab 1. April 2024. Spielraum sieht die Verbandschefin keinen: „Damit sind wir schon über das Ende der Fahnenstange hinaus.“

Der Handel ist nach eigenen Angaben der drittgrößten Wirtschaftszweig in Baden-Württemberg mit 500.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern und 90 Milliarden Euro Umsatz.