Marktkapitalisierung

Marktkapitalisierung als Eintrittskarte für den DAX

Stuttgart / Lesedauer: 4 min

Was die Höhe der Marktkapitalisierung über eine Aktiengesellschaft aussagt
Veröffentlicht:11.09.2022, 11:00

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Bei den Kriterien, die Anleger für die Auswahl einer Aktie anlegen, steht eine Kennzahl nicht unbedingt im Vordergrund. Und doch sollte man ihre Bedeutung nicht unterschätzen.

Die Rede ist von der Marktkapitalisierung, die den Gesamtwert eines börsennotierten Unternehmens beziffert. Rein rechnerisch multipliziert man einfach den aktuellen Aktienkurs mit der Anzahl der in Streubesitz befindlichen Aktien, um diese Kennziffer zu erhalten. Auf diese Weise werden Größenvergleiche zwischen Unternehmen innerhalb, aber auch außerhalb einer Branche möglich. So kommt etwa die BASF auf eine Marktkapitalisierung von um die 45 Milliarden Euro, bei der Mercedes Benz Group sind es etwa 66 Milliarden Euro. Das Maß aller Dinge im Deutschen Aktienindex Dax 40 aber sind Linde mit 141 Milliarden und SAP mit 105 Milliarden Euro.

Die Marktkapitalisierung dient oftmals auch als Vergleichsmaßstab für eine Börse selbst. Als Synonym gebraucht man gerne die Begriffe Börsenkapitalisierung oder Börsenwert – Börsianer wählen oft den englischen Begriff Market Capitalisation oder kurz: Market Cap. Für den Anleger ist ein gewisser Börsenwert nicht ohne Belang, bedeutet eine hohe Marktkapitalisierung doch eine hohe Liquidität. Die Handelbarkeit der Aktie ist damit eher gegeben als die von marktengen Titeln mit einer geringen Marktkapitalisierung. Eine geringe Marktkapitalisierung birgt auch eine höhere Anfälligkeit für Unternehmenskäufe oder feindliche Übernahmen.

Tatsächlich ist die Marktkapitalisierung ein Aufnahmekriterium von Aktien in alle möglichen Indizes, so etwa in den Dax 40, der rund 80 Prozent der Marktkapitalisierung börsennotierter Aktiengesellschaften in Deutschland repräsentiert. Neben dem Dax (40) umfasst die Dax-Indexfamilie weitere Indizes wie den Mdax , der die 50 größten Unternehmen nach dem Dax abbildet, den TecDax, der einen Fokus auf Technologieunternehmen legt und den Sdax, der die 70 größten unterhalb des Mdax umfasst. Die Zusammensetzung der Indizes wird quartalsweise überprüft – das letzte Mal am 5. September 2022. Hierbei bestimmen klare und transparente Regeln über die Aufnahme oder Herausnahme von Unternehmen. Beides ist in der Regel kursrelevant. Hauptkriterium für die Eintrittskarte in den Dax aber ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes oder Freefloat, der die frei handelbaren Aktien eines Unternehmens im Besitz vieler Aktionäre umschreibt. Zum Streubesitz zählen also alle Aktien, die nicht von Großaktionären mit einem Anteil am Aktienkapital von mehr als fünf Prozent gehalten werden und somit vom breiten Publikum erworben und gehandelt werden können.

Wichtig für Anleger ist es, die Bedeutung des Freefloats nicht zu unterschätzen. Denn je höher der Freefloat ist, desto besser können die Chancen auf eine stattliche Dividende stehen, wenn das Management die große Menge der Anleger in der Gesellschaft zufriedenstellen möchte. Um die Chance auf ein Dax-Ticket zu bekommen, muss der Streubesitz bei mindestens zehn Prozent liegen.

Aus der Marktkapitalisierung leitet sich auch eine der wichtigsten Kennzahlen der Aktienanalyse ab – das sogenannte Kurs-Buch-Wert-Verhältnis (KBV). Es gibt an, ob eine Aktie grade günstig oder teuer ist.

Das KBV setzt den Aktienkurs eines Unternehmens zu dessen Buchwert ins Verhältnis. Der Buchwert des Unternehmens ergibt sich aus dem Eigenkapital des Unternehmens abzüglich seiner Verbindlichkeiten. Für die Berechnung des KBVs wird die Marktkapitalisierung durch den Buchwert geteilt. Eine Faustregel des sogenannten Value Investing besagt, dass eine Aktie umso preiswerter ist, je niedriger ihr KBV ist, und dass ihr fairer Wert in etwa dem Buchwert entspricht. Alles was dabei bei einem KBV von 1,0 aufwärts liegt, kann als ein gutes Kurs-Buchwert-Verhältnis angesehen werden. Ein KBV von unter 1,0 zeigt entweder an, dass das Unternehmen besonders günstig bewertet wird, oder zeigt auf Probleme im Unternehmen hin, welche sich zwar bereits im Aktienkurs, jedoch noch nicht im Buchwert niedergeschlagen haben. Kennzahlen können daher immer nur eine Ergänzung bei der Beurteilung einer Aktie sein.

Anleger müssen stets auch das Geschäftsmodell und die Geschäftszahlen im Blick haben.