Übernahme

Die Übernahme ist sinnvoll für ZF

Wirtschaft / Lesedauer: 2 min

Die Übernahme ist sinnvoll für ZF
Veröffentlicht:28.02.2019, 18:58
Aktualisiert:22.10.2019, 12:00

Von:
Artikel teilen:

Auch wenn das Geschäft noch lange nicht unter Dach und Fach ist, eines ist jetzt schon klar: Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand als Vertreter der Zeppelin-Stiftung im Aufsichtsrat von ZF und damit maßgeblicher Entscheider für alle grundsätzlichen Weichenstellungen schätzt – und schätzte wohl auch vor knapp zwei Jahren – die Übernahme des belgisch-amerikanischen Bremsenhersteller durch den Zulieferer vom Bodensee von der industriellen Logik her positiv ein. Denn gegen den Willen von Brand hätte ZF-Chef Wolf-Henning Scheider die Verhandlungen jetzt niemals aufgenommen. Dafür ist im Frühjahr 2017 zu viel passiert, als sich Brand mit Scheiders Vorgänger Stefan Sommer so überwarf, dass der Aufsichtsrat den heutigen VW-Einkaufsvorstand am Ende zum Rücktritt zwang. Sommer hatte die Übernahme um jeden Preis durchsetzen wollen und Brand sogar eine Einflussnahme auf das operative Geschäft vorgeworfen.

Doch egal, warum die Übernahme vor zwei Jahren scheiterte, sie ist heute noch genau so sinnvoll wie vor 24 Monaten. Mit den Produkten von Wabco könnte ZF auch für Nutzfahrzeuge den gesamten Antriebsstrang vom Fahrgestell über die Bremsen bis zum Getriebe anbieten und ihn mit Sensorik und dem Fahrzeugcomputer ZF Pro AI kombinieren. Das kann der Konzern bisher nur für Personenwagen. Diese Bandbreite würde ZF zwar auch bei etablierten Autobauern helfen, sie würde den Zulieferer aber vor allem für die vielen neuen Wettbewerber attraktiv machen. Denn Unternehmen wie Google, Apple oder Alibaba glänzen zwar in der für das autonome Fahren oder für neue Mobilitätsdienste so wichtigen Datenanalyse, haben aber kaum Erfahrungen im klassischen Autobau. Diesen Firmen könnte ZF mit seinen Komplettangeboten viel Arbeit abnehmen.

2017 haben Analysten den Preis für die Übernahme auf sechs bis acht Milliarden Euro geschätzt. Ärgerlich wäre es, wenn ZF zwei Jahre später deutlich mehr zahlen müsste – und das auch deswegen, weil sich zwei Männer nicht einigen konnten.