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Daimlers große Pläne für Immendingen

Wirtschaft / Lesedauer: 3 min

Auf dem Neujahrsempfang der CDU Tuttlingen skizzierte der Manager seine Vorstellungen von der Mobilität der Zukunft
Veröffentlicht:28.01.2018, 20:20

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Für Daimler-Chef Dieter Zetsche war der Neujahrsempfang der CDU in Tuttlingen ein Heimspiel – auch wenn sein Arbeits- und Lebensmittelpunkt Stuttgart gefühlt deutlich weiter weg ist als die 130 Kilometer, die der Routenplaner für die Strecke errechnet. Die gut 500 anwesenden Mitglieder des CDU-Kreisverbandes gaben dem schnauzbärtigen Manager am Donnerstagabend nicht nur das Gefühl, hochwillkommen zu sein. Zetsche hat in seiner Funktion als Chef des weltweit größten Premiumautobauers auch beste Geschäftskontakte in die Region südlich des Heubergs.

Pläne für Immendingen: 300 neue Arbeitsplätze

Zum Automobilzulieferer und Mechatronikspezialisten Marquardt aus Rietheim-Weilheim beispielsweise, den Zetsche unlängst als einen der besten Daimler-Zulieferer ausgezeichnet hat, nach Immendingen, wo Daimler in diesem Jahr noch ein 200 Millionen Euro teures Prüf- und Technologiezentrum (PTZ) einweihen und 300 neue Arbeitsplätze schaffen wird , und natürlich zu Volker Kauder (CDU), dessen Heimatwahlkreis Tuttlingen ist und ohne den das PTZ auf den Konversionsflächen der ehemaligen Oberfeldwebel-Schreiber-Kaserne nicht zustande gekommen wäre.

Immendingen soll bedeutende Rolle spielen

Klar, dass Zetsche bei einer solchen Gemengelage die Einladung als Gastredner der Tuttlinger Kreis-CDU nicht ausschlagen wollte – zumal sich der Ortstermin prima mit einer Besichtigung der Bauaktivitäten am Hightechstandort Immendingen verbinden ließ, wo künftig Assistenzsysteme und autonome Fahrfunktionen sowie die Elektrofahrzeuge der Marke EQ getestet werden sollen. Immendingen, so Zetsche, werde für die Mobilität der Zukunft eine „entscheidende Rolle spielen“.

Die Mobilität der Zukunft und wie diese sich Daimler vorstellt – das versuchte Zetsche den CDU-Mitgliedern in seiner Rede zu skizzieren. Es ist eine Vision, die deutlich über die Produktion von Elektroautos hinausgeht, in die Daimler bisher allein zehn Milliarden Euro investiert hat. Sie beinhaltet den Ausbau von Carsharing-Dienstleistungen, ein Bereich, in dem die Stuttgarter zurzeit massiv zukaufen, und die Entwicklung hin zum autonomen Fahren. 2020, so Zetsche, will Daimler die ersten führerlosen Taxis auf die Straße bringen.

Digital noch viel zu tun

Damit diese Vision Realität werden kann, müssten jedoch erheblich größere Anstrengungen in den Ausbau der digitalen Infrastruktur unternommen werden, so Zetsche. Beim mobilen Internet rangiere Deutschland irgendwo abgeschlagen zwischen Dritte-Welt-Ländern. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen seien noch nicht so weit. In Deutschland etwa mache der Gesetzgeber autonomes Fahren möglich, auf europäischer Ebene fehlten solche Regelungen. Es könne nicht sein, dass Autofahrer mit dem Grenzübertritt in eine rechtliche Grauzone fahren, so Zetsche. Auch den Diesel will der Daimler-Boss nicht abschreiben. So hätten sich im vergangenen Jahr – entgegen dem allgemeinen Branchentrend – mehr Käufer für einen Diesel aus dem Hause Daimler entschieden als 2016. „Es lohnt sich, den modernen Diesel weiter zu verbessern“, sagte Zetsche und forderte die Politik auf, bei den Abgasgrenzwerten für die Autobauer technologieneutral zu bleiben. „Ich bin mit den Kohlendioxidzielen vollkommen einverstanden. Doch mit welcher Technik wir das erreichen – Elektromobilität, hocheffiziente Verbrennungsmotoren, Plug-in-Hybride oder synthetische Kraftstoffe – das sollte unsere Sache sein.“

Einigkeit mit Kauder und Wolf

Dass Zetsche mit vielen seiner Wünsche auf offene Ohren stößt, daraus machten Volker Kauder und der ebenfalls anwesende Guido Wolf (CDU), ehemaliger Landrat von Tuttlingen und zurzeit Minister für Justiz und Europaangelegenheiten in Baden-Württemberg, keinen Hehl. „Für die Unionsparteien ist das Auto ein existenzieller Teil der persönlichen Freiheit. Wir verteidigen das Auto“, sagte Kauder. Noch deutlicher wurde Wolf: „Die CDU macht keine Politik gegen das Auto. Nicht im Autoland Baden-Württemberg.“

Für diese Rückendeckung revanchierte sich Zetsche dann auch noch mit einem Versprechen: Die Standorte in Deutschland, so Zetsche, werden auch in Zukunft das Rückgrat des Produktionsnetzwerkes von Daimler bleiben.