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Chip-Fabrik von ZF und Wolfspeed verzögert sich

Wirtschaft / Lesedauer: 3 min

Der US-Konzern will weitere Fördermillionen - und peilt den Baubeginn im Saarland deshalb erst 2025. Doch es gibt auch gute Nachrichten für das Milliardenprojekt.
Veröffentlicht:08.02.2024, 18:00

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Die gemeinsame Chip-Fabrik des Automobilzulieferers ZF und des US-amerikanischen Halbleiterherstellers Wolfspeed im Saarland wird wohl nicht an fehlenden Fördermitteln scheitern. Das bestätigte eine Konzernsprecherin der „Schwäbischen Zeitung“.

In die Umsetzung des Milliardenprojekts war nach dem Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts im November vergangenen Jahres Unruhe gekommen, weil beide Partner fest mit öffentlichen Fördermitteln geplant hatten.

Sowohl die Chip-Fabrik in Ensdorf bei Saarbrücken als auch ein Chip-Forschungszentrum im Großraum Nürnberg sollten aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) des Bundes bezuschusst werden - was zwischenzeitlich in der Luft hing.

Nun also Entwarnung. „Wir gehen davon aus, unsere Projekte mit Wolfspeed inhaltlich wie geplant umzusetzen“, sagte die ZF-Sprecherin.

Spatenstich wohl erst 2025

Allerdings wird es auch mit dem schon einmal nach hinten geschobenen Zeitplan nichts. Ursprünglich wollten beide Unternehmen Mitte 2023 mit dem Bau beginnen. 2027 sollte dann die Produktion starten und 2030 das Werk mit voller Kapazität laufen.

Doch das klappte nicht. Vor einigen Tagen nun kündigte Wolfspeed-Chef Greg Lowe auf einer Analystenkonferenz an, dass der Spatenstich wohl erst im Jahr 2025 erfolgt. Die Produktion dürfte damit nicht vor 2027 beginnen.

Gründe für die Verzögerung sind neben noch ausstehender kartellrechtlicher Genehmigungen die Beantragung weiterer Fördermittel. Investoren teilten Lowe mit, dass zwar ein erster Förderbescheid eingegangen sei. Dieser erfolgte auf Basis eines sogenannten „wichtigen Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse“ (Important Project of Common European Interest – IPCEI), mit denen Maßnahmen zur Stärkung des Mikroelektronikstandorts Deutschland und Europa bezuschusst werden, und für das der Bund und das Land Saarland bereits Mittel zugesagt haben.

Wolfspeed hat jüngst aber auch Fördermittel auf der Grundlage des Europäischen Chip-Gesetzes (EU Chips Act) beantragt, das erst Mitte des vergangenen Jahres verabschiedet wurde und mit dem die EU mit vielen Milliarden verloren gegangenes Terrain bei der Mikrochip-Herstellung zurückgewinnen will. Ein Zuwendungsbescheid aus diesem Topf steht noch aus.

Hoffnung auf weitere Fördermittel?

Bei der Vorstellung der Chip-Fabrik vor Jahresfrist hatte Wolfspeed-Chef Lowe von einer Investitionssumme von bis zu drei Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro) und von Beihilfen von 20 bis 25 Prozent der Investitionssumme gesprochen.

Das wären im besten Fall 750 Millionen US-Dollar (700 Millionen Euro). Werden weitere Mittel genehmigt, könnte die Gesamtsumme auf rund eine Milliarde Euro steigen.

Weltweit größte und modernste Fabrik

ZF beteiligt sich an dem Projekt mit einem dreistelligen Millionen-Euro-Betrag, den der Stiftungskonzern im Tausch gegen Wolfspeed-Aktien investieren will.

Produziert werden sollen in Ensdorf Siliziumkarbid-Halbleiter, die vor allem in der Elektromobilität als Gamechanger gelten. Mit diesen leistungsfähigen Chips könnten Elektroautos attraktiver werden.

Sie versprechen ein schnelleres Laden, einen sparsameren Verbrauch und damit eine höhere Reichweite. Das Werk wäre die weltweit größte und modernste Fabrik für diese Bauteile.

Was das für das ZF-Werk in Saarbrücken heißt

ZF rechnet damit, dass mindestens 600 seiner Mitarbeiter in der geplanten Chip-Fabrik einen neuen Job finden. Der Zulieferer beschäftigt im nahe gelegenen Getriebewerk in Saarbrücken, das zum Elektro-Leitwerk umgebaut und in dem in diesem Jahr die Serienfertigung von elektronischen Achsen starten soll, mehr als 9000 Mitarbeiter.

Noch ist die Produktion wohl gut ausgelastet. Vor allem Hybridgetriebe erleben aktuell eine Sonderkonjunktur. Doch ob das auch künftig noch gilt, wird von Betriebsrat und Management unterschiedlich beurteilt.

„Das ZF-Werk in Saarbrücken ist für die nächsten Jahre sehr gut ausgelastet und die Belegschaft mittelfristig nicht auf externe Arbeitsplätze angewiesen“, heißt es aus der Konzernzentrale.

Probleme bei der Beschäftigung

Derzeit gehe man davon aus, dass ab Jahresende die Produktion deutlich weniger stark ausgelastet sei, heißt es vom Betriebsrat.

Mit dem verzögerten Baustart der Chip-Fabrik und dem damit wohl auch späteren Beginn der Produktion von Leistungshalbleitern werde das wohl auch in der Beschäftigung bei ZF Probleme bringen.