Geschäftsidee

Brüder von der Alb bauen Caravane für Bauwagenromantiker und Vanlife-Fans

Engstingen / Lesedauer: 4 min

Nico und Nino König fertigen auf der Schwäbischen Alb mit viel Herzblut ungewöhnliche Wohnwagen. Ein Geschenk des Großvaters war der Beginn für das Unternehmen TheCuber.
Veröffentlicht:17.01.2023, 19:00
Aktualisiert:17.01.2023, 01:00

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Peterwagen heißt er und erinnert an einen Schäferwagen oder auch an einen Bauwagen. In einem solchen hat die Geschichte von TheCuber begonnen.

Nino und Nico König bauen in Engstingen bei Reutlingen Caravane, die ganz anders aussehen als die gewohnten weißen Kästen. Sie sind zum ersten Mal bei der Tourismusmesse CMT in Stuttgart dabei.

„Wir sind sehr zufrieden“, sagt Nico König nach dem ersten Wochenende in den Stuttgarter Messehallen.

„Das Interesse an unseren Fahrzeugen ist sehr gut“, sagt der 26-jährige Firmenchef Nico König, der zusammen mit seinem Bruder Nino (22) das Unternehmen die Ni-Ko GmbH vor drei Jahren gegründet hat. Der Markenname TheCuber steht für die kompakte Form der Anhänger.

Für Angler, Jäger, Kletterer, Motorradfahren und Freiheitsliebende

Der Holzwagen, genannt Peterwagen, ist als Idee in der Kindheit der beiden Brüder entstanden. „Mein Opa hat uns einen Bauwagen geschenkt. Den haben wir selbst ausgebaut und daraus ein Hobby entwickelt. Das zweite Hobby, alte Traktoren, ergänzte sich perfekt. So war das Zuhause auf Rädern entdeckt.“

Mittlerweile haben die Brüder, die in Trochtelfingen bei Engstingen aufgewachsen sind, den Caravanbau professionell aufgezogen. Es gibt den Peterwagen aus Holz, der Romantiker ansprechen dürfte, und den Adventure für Abenteuerlustige. 2022 hat das junge Unternehmen 300 Fahrzeuge verkauft und beschäftigt in Engstingen auf der Schwäbischen Alb 20 Mitarbeiter.

Wohnanhänger kann man auch als Gartenhäuschen oder Homeoffice nutzen

„Uns war die Multifunktionalität wichtig“, erklärt Nico König im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Wohnwägen würden oft die meiste Zeit des Jahres rumstehen. „Mit unseren Fahrzeugen kann man auch mal abends zu einem Geburtstag fahren und im Hänger übernachten.“

Die Caravane von TheCuber sind mit Deichsel zwischen fünf Metern und 6,50 Metern lang und können deshalb einfach an der Straße abgestellt werden. Das mache es einfacher, den Wohnanhänger auch im Alltag zu nutzen.

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Um ihn fortzubewegen, brauche man nicht unbedingt einen Traktor, meint König augenzwinkernd. Auch wenn das ein perfektes Gespann für Bauwagen-Romantiker sei. „Unsere Caravans kann man mit jedem Auto ziehen“, sagt er.

Kunden sind ihm zufolge Angler, Jäger, Kletterer, Motorradfahren – das Zweirad kann man gut im Wagen unterbringen – oder einfach Menschen, die freiheitsliebend sind und gerne unabhängig in der Natur unterwegs sein möchten. „Wenn man nicht unterwegs ist, kann man es auch als Gartenhäuschen nutzen oder als Homeoffice,“ so König.

Einsteigerpreise für Vanlife-Fans

Auch der Einstiegspreis dürfte eher die Anhänger des neuen „Vanlife-Trends“ (Leben im Bus) ansprechen, die auf Minimalismus und Autarkie setzen, als gereifte Reisemobil-Fans. Ab 20.000 Euro ist so ein Fahrzeug zu haben.

Je nach Ausstattung und Größe, zwei bis vier Personen, steigt der Preis bis 30.000 Euro. Im Peterwagen können es sich Camper mit einem Holzofen kuschelig machen. Ausgestattet mit Lithium-Batterie, Solardach, Kühlschrank und Wasserkanister können Urlauber darin drei bis vier Tage autark sein.

„Auch im Winter“, wie König betont. Eine Dieselstandheizung gehört zur Raumausstattung und eine 40 Millimeter dicke Außenschicht aus Hightech-Material hält den Innenraum warm. Die Möbel werde nach Kundenwunsch in der Werkstatt geschreinert.

Auch für Rollstuhlfahrer geeignet

Eine Besonderheit ist die Ausstattung für Rollstuhlfahrer, die es für alle Varianten von TheCuber gibt. Über eine Rampe, die sich unter dem Wagen verstauen lässt und auch als Tisch nutzbar ist, kommt man barrierefrei in den Caravan.

Ein Hubbett lässt sich absenken auf die gewünschte Höhe. In den kompakten Wohnhäuschen steckt viel Liebe zum Detail und das Herzblut der beiden Brüder.

Auf die Frage, wie sie darauf gekommen sind, Wohnwägen für Rollstuhlfahrer anzubieten, sagt Nico König: „Bei einer Messe vor zwei Jahren ist uns aufgefallen, wie sehnsüchtig einige Besucher vom Rollstuhl in unseren Caravan geschaut haben. Wir wollten ermöglichen, dass jeder mit unseren Wagen campen kann.“