Sparkonto

Bodenständig anlegen: Acker und Wald statt Sparkonto

München / Lesedauer: 4 min

In landwirtschaftliche Flächen investieren und damit nachhaltig Rendite erzielen, das kann sehr rentabel sein. Warum ist das trotzdem nicht für jeden etwas und welche Möglichkeiten sind vielleicht sogar zu riskant?
Veröffentlicht:18.04.2021, 11:30
Aktualisiert:18.04.2021, 11:31

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„Das Land ist das einzige, wofür es sich zu arbeiten lohnt, zu kämpfen und zu sterben“, ist wohl eines der berühmtesten Filmzitate aus dem Klassiker „Vom Winde verweht“. Der ewige Wert von Ackerland und Wald ist auch in Zeiten von niedrigen Zinsen und steigenden Inflationserwartungen als Investment gefragt. Die Preise von landwirtschaftlichen Flächen sind in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts stark gestiegen. Wechselte etwa in Deutschland der Hektar Acker im Jahr 2000 noch für rund 9000 Euro im Schnitt den Besitzer, zahlten Bauern 2019 laut Bundesamt für Statistik bereits über 26 000 Euro für die gleiche Fläche. Begehrte Äcker etwa im Umland von großen Städten können aber schnell auch mal das Zehnfache kosten. Ist ein Investment in Scholle oder Forst also die bodenständige Alternative zu kaum mehr rentablen Sparprodukten oder schwankenden Aktien?

Extrem gefragt

„Landwirtschaftliche Nutzflächen sind in der Regel ein langfristiges Anlageziel, mit dem zuletzt sehr gute Wertentwicklungen erzielt werden konnten“, sagt Stephan Witt , Kapitalmarktstratege bei der Finum Finance AG in Berlin. Denn nicht nur der mögliche Verkaufspreis spielt eine Rolle, es können auch laufende Renditen durch die Verpachtung erzielt werden. Allerdings kommt es hier ganz entscheidend auf die Bodenqualität oder den Baumbestand an und nicht zuletzt auf die Lage. Der Markt für landwirtschaftliche Flächen in gefragten Regionen, mit perfekt gepflegter Forstwirtschaft oder für alles geeignete fruchtbare Böden ist jedoch extrem eng. Kaufgelegenheiten gibt es in Deutschland eigentlich nur mit Insiderinformationen und bei Angeboten in der Ferne bestehen einige Risiken.

Achtung im Ausland

Außerhalb des Euroraums können Währungsschwankungen und Inflation erhoffte Erträge schnell verpuffen lassen. „Bei Direktinvestments befinden sich die vermeintlich renditeträchtigsten Anlageobjekte in Süd- und Mittelamerika, Asien oder Ost-Europa“, sagt Andreas Görler , Finanzfachmann von der Wellinvest- Pruschke & Kalm GmbH aus Berlin. Investoren können sich in der Regel außerdem kaum davon überzeugen, dass ihr Geld tatsächlich vertragsgemäß verwendet wird. Zudem müssen die Tücken und Lücken bei der Durchsetzung von Rechtsansprüchen im Ausland beachtet werden. „Es gilt nicht ohne weiteres deutsches Verbraucherrecht“, gibt Görler zu bedenken. Und wer durch ein solches Investment zum Klima- oder Naturschutz beitragen möchte, muss genau hinsehen.

Geschmacksfrage Nachhaltigkeit

„Grundsätzlich entwickeln sich Investments, die das Thema Nachhaltigkeit miteinbeziehen, heutzutage oft besser als Produkte ohne diesen Auswahlfilter“, sagt Finum-Experte Witt. Es macht also unter Renditegesichtspunkten Sinn, Themen wie grüne Energien und Biolebensmittel bei der Geldanlage zu beachten. Wem es allerdings hauptsächlich um ein gutes grünes Gewissen geht, muss sehr genau überprüfen, was versprochen und ob es tatsächlich eingehalten wird. Und nur weil in landwirtschaftliche Flächen investiert wird, ist das nicht automatisch eine gute Sache. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob eine zertifizierte Eukalyptusbaum-Monokultur in Paraguay oder ein stark gedüngtes Maisfeld zur Biospritproduktion den eigenen Vorstellungen von Nachhaltigkeit entsprechen.

Was Anleger beim Kauf von Wald beachten sollten:

Klimawandel: Wer Ackerland oder Wald kauft, investiert in der Regel für Jahrzehnte. In dieser Zeit können klimatische Veränderungen dazu führen, dass fruchtbare Böden veröden oder ganze Wälder zum Beispiel Hitzeperioden nicht überstehen.

Pachtnachfrage: Investoren kaufen Boden oder Forstflächen in der Regel nicht, um selbst zu pflügen oder Holz zu schlagen. Deswegen ist es wichtig, vor einem Kauf die Verpachtungsmöglichkeiten auszuloten. Stimmt hier die Nachfrage, steigt in der Regel auch der Wiederverkaufswert.

Politik: Gerade Ackerflächen, die die Bevölkerung mit Nahrung versorgen, haben auch eine politische Dimension. Preisdeckelungen oder selbst großflächige Enteignungen gegen vergleichsweise geringe Entschädigung könnten bei einer explodierenden Wertentwicklung zum Thema werden.

Schädlinge: Ein über Jahrzehnte gewachsener Baumbestand kann innerhalb kürzester Zeit zum Opfer von eingewanderten Insekten werden. Der Klimawandel kann hier noch viele Überraschungen bringen, etwa auch neue Pilzerkrankungen, die bei höheren Temperaturen um sich greifen.

Altlasten: Gerade beim Kauf von Flächen ohne genaue Ortskenntnis, kann der Boden manchmal teure Überraschungen enthalten. Muss zum Beispiel Erde ausgetauscht und entsorgt werden, kann das viel Geld kosten, das sich nicht in allen Fällen vom Verkäufer eintreiben lässt.