Zum Frühjahrsanfang Lage auf Arbeitsmarkt frostig

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt bleibt auch zum Frühjahrsanfang frostig. Zumindest im März habe es keine Anzeichen für ein Tauwetter oder gar einen kräftigen Frühjahrs-Aufschwung gegeben, berichteten Arbeitsmarktexperten.

Vieles deute darauf hin, dass der Stellenmarkt immer mehr in den Abwärtsstrudel der Rezession gerate. „Der Trend der Vormonate setzt sich weiter fort. Hinzu kommt das aktuell schlechte Wetter“, stellte der Arbeitsmarktexperte des ifo Instituts, Steffen Henzel, fest.

Für den März rechnen die Fachleute mit einer Stagnation der Arbeitslosigkeit auf dem Vormonatsniveau von rund 3,55 Millionen. In den vergangenen drei Jahren war die Arbeitslosigkeit im März im Schnitt um rund 100 000 gesunken. Das Ausbleiben des Frühjahrs- Aufschwungs bringt dem Arbeitsmarkt zugleich eine Trendumkehr: Erstmals seit mehr als drei Jahren werde die Zahl der Arbeitslosen über dem entsprechenden Vorjahresniveau liegen - und zwar um rund 40 000. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Dienstag (31. März) bekanntgeben.

Ohne das inzwischen hunderttausendfach eingesetzte Instrument der Kurzarbeit wäre die Lage vermutlich weitaus dramatischer, gaben die Experten zu bedenken. Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld rechnet bis Ende Mai mit rund einer Million Menschen in Kurzarbeit. „Dadurch wird die Arbeitsmarktstatistik natürlich erheblich entlastet“, unterstrich er. Da die Arbeitszeit der Betroffenen nach BA- Erkenntnissen im Schnitt um 40 Prozent verringert ist, wären ohne Kurzarbeit rund 300 000 bis 400 000 mehr Menschen arbeitslos.

Schon jetzt schlägt die Auftragsflaute der Industrie immer stärker auf die Arbeitskräfte-Nachfrage in Deutschland durch. Nach einer teils rasanten Talfahrt in den vergangenen Monaten sei sie im März auf den niedrigsten Stand seit rund drei Jahren gesunken, geht aus vorab veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur zur Stellensituation hervor. „Auch in den kommenden Monaten ist mit einem weiteren Beschäftigungsrückgang zu rechnen“, betonte die Bundesagentur. Der von der BA allmonatlich ermittelte Stellen-Indikator BA-X sank im März um 4 auf 137 Punkte.

Uneins sind die Fachleute bei ihren Prognosen: So rechnet Allianz- Experte Rolf Schneider bereits in der zweiten Jahreshälfte 2009 mit ersten Anzeichen einer Konjunkturerholung. Damit würde der Anstieg der Arbeitslosigkeit abgebremst. Statt auf rund 4 Millionen könnte die Zahl der Erwerbslosen am Jahresende lediglich auf 3,7 Millionen steigen. Dagegen erwartet Commerzbank-Volkswirt Tuchtfeld, „dass sich die Konjunktur erst in der zweiten Jahreshälfte wirklich fängt“. Entsprechend werde sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt erst zur Jahreswende 2010/2011 verbessern.

Im Februar war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland aufgrund der flauen Konjunktur und der kalten Witterung um 63 000 auf 3,552 Millionen gestiegen. Das waren nur noch 66 000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,2 Punkte auf 8,5 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie bei 8,6 Prozent gelegen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen