Zeppelin schreibt Rekordgewinn und sorgt sich wegen schwelendem Handelsstreit

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Der Zeppelin Konzern Friedrichshafen schließt das Geschäftsjahr 2017 mit dem höchsten Umsatz der Firmengeschichte. Das hat der Vorstand heute bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Wie der Konzern mit dem Handelsstreit zwischen USA und China umgeht und welche Neuerungen beim Thema Digitalisierung geplant sind, hat Anna Kratky für Sie zusammengefasst.
Ressortleiter Wirtschaft

Gold, das edelste aller Metalle, hofft Lydian International in armenischer Erde zu finden. Doch für den Abbau braucht das britische Bergbauunternehmen Bagger, Raupen und riesige Kipplaster – und die hat es im vergangenen Jahr bei Zeppelin gekauft. Umgerechnet 52,8 Millionen Euro hat der Münchener Baumaschinenhändler und Anlagenbauer mit dem Geschäft eingenommen. Mit den zu erwartenden Service-Dienstleistungen in Höhe von rund 120 Millionen Euro ist das Geschäft der größte Einzelauftrag in der Geschichte des Unternehmens – und nicht zuletzt ein Grund dafür, dass der Konzern, der zur Zeppelin-Stiftung und damit der Stadt Friedrichshafen gehört, das vergangene Geschäftsjahr mit einem Umsatzrekord abgeschlossen hat.

Zeppelin steigerte seine Erlöse um 390 Millionen Euro oder 17 Prozent auf nun 2,75 Milliarden Euro. Der operative Gewinn stieg um 7,4 Prozent auf 108 Millionen Euro (Vorjahr 100,6 Millionen Euro), das Vorsteuerergebnis um 8,8 Prozent auf 93,5 Millionen Euro (Vorjahr 85,9 Millionen Euro). „Wir schließen ein äußerst erfolgreiches Jahr ab“, sagte Peter Gerstmann, der Vorsitzende der Zeppelin-Geschäftsführung, bei der Vorstellung der Bilanz am Freitag in Friedrichshafen.

Vor allem die beiden Geschäftsbereiche, die als Exklusivpartner die Maschinen und Baufahrzeuge des US-Konzerns Caterpillar einmal in Teilen von Europa und dann in Osteuropa sowie Zentralasien und der Kaukasus-Region verkaufen und die fast zwei Drittel zum Gesamtumsatz beisteuern, steigerten ihren Umsatz von 1,50 Milliarden Euro auf 1,74 Milliarden Euro. „Die Wirtschaftslage hat geholfen, die Bauindustrie brummt, die Rohstoffmärkte ziehen endlich wieder an und die Lage in Russland und der Ukraine hat sich etwas entspannt“, erklärte Gerstmann die Gründe für den Boom bei den Baumaschinen, um sich aber auch gleich ins Wort zu fallen. „Syrien macht mir große Sorgen. Wenn sich die politische Situation weiter aufheizt, Russland und die USA im Nahen Osten aufeinandertreffen, wird das alles verändern“, erläuterte Gerstmann. Das werde Kunden in Europa wie in Russland verunsichern und von weiteren Investitionen abhalten.

Levi’s, Jack Daniel’s – Caterpillar

Die Tatsache, dass das Unternehmen, das zu 100 Prozent im Besitz der Friedrichshafener Zeppelin-Stiftung ist, seit dem Jahr 1954 aufs Engste verbandelt ist mit dem US-Nutzfahrzeugbauer Caterpillar macht die Sache nicht einfacher. „Wenn es um uramerikanische Produkte geht, ist immer die Rede von Levi’s, Harley-Davidson oder Jack Daniel’s – Caterpillar passt sehr gut in diese Reihe“, sagte Gerstmann. Der 1925 gegründete weltgrößte Hersteller von Baumaschinen gehört zu den großen Traditionskonzernen der USA. „Und sollte Europa mit Importzöllen auf die Trump’schen Irrungen und Wirrungen reagieren, würde uns das hart treffen“, erklärte Gerstmann.

Positiv stimmt den Zeppelin-Chef dagegen die überraschend gute Entwicklung, die der US-Partner in den vergangenen Monaten genommen hat. Nach der kompletten Umstrukturierung hat Caterpillar 2017 seinen Umsatz um 18 Prozent auf umgerechnet 36,9 Milliarden Euro und den operativen Gewinn von 139 Millionen um 2937 Prozent auf umgerechnet 3,3 Milliarden Euro gesteigert. „Unser Herstellungspartner ist auf einem sehr guten Weg – und ein Herstellungspartner, der auf einem guten Weg ist, erleichtert auch dem Handelspartner die Arbeit“, sagte Gerstmann.

Wichtigste Sparte nach dem Verkauf von Caterpillar-Maschinen ist der Geschäftsbereich Vermietung, in dem Zeppelin Caterpillar-Gerät aber auch Fahrzeuge anderer Hersteller vermietet. Er wuchs 2017 um knapp 13 Prozent auf einen Umsatz von 410 Millionen Euro. Vor allem die Baustellenlogistik werde immer wichtiger. „Wir wollen nicht nur Vermieter des Baggers sein, sondern den Bauunternehmern für ihre Baustellen Lösungen bieten, indem wir auch die Baustellenkantine bieten, uns um Zugangskontrollen und um die Sicherheit kümmern und auch das gesamte Baustellenwerkzeug stellen können“, erläuterte Gerstmann.

Die in Friedrichshafen beheimatete Sparte Anlagenbau (Anteil am Gesamtumsatz 11,9 Prozent) lieferte 2017 eine Großmaschine zum Recycling von Altreifen aus und eine Anlage zur Kunststoffaufbereitung nach Sibirien. Spektakulärster Auftrag der Sparte Power Systems (Anteil am Gesamtumsatz 12,7 Prozent), die in Deutschland, Österreich, Tschechien und der Slowakei Diesel- und Gasmotoren von Caterpillar vertreibt, war der Verkauf von sieben Gasmotoren an die Reederei Carnival, die die Aggregate in den Kreuzfahrtschiffen der Aida-Gruppe einbauen wird. Das Volumen dieses Einzelaufrags beläuft sich auf rund 200 Millionen Euro.

Keinen einzigen Euro zum Gesamtumsatz steuerte der sechste Geschäftsbereich bei: Trotzdem setzt Gerstmann große Hoffungen auf das Z-Lab, die Einheit, die für Zeppelin die Chancen der Digitalisierung erschließen soll. „Wir wollen das Amazon der Bauindustrie werden“, sagte der Zeppelin-Chef mit Blick auf die Weiterentwicklung des Onlineportals Klickrent. Das Ziel ist einfach: Wenn Bauunternehmen schon keine Ausrüstung von Caterpillar kaufen, will Zeppelin wenigstens mitverdienen, wenn die Bauherren die Bagger anderer Hersteller mieten.

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