Zeitarbeitsverband: Krise beutelt Branche stark

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Deutsche Presse-Agentur

Die Wirtschaftskrise trifft die Zeitarbeiter-Firmen zurzeit mit voller Wucht. „Die Branche ist stark gebeutelt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Interessenverbandes deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ), Werner Stolz, der Deutschen Presse- Agentur dpa in Münster.

Viele Unternehmen etwa aus der Automobil-Industrie trennten sich zurzeit als Allererstes unbürokratisch von ihren Zeitarbeitern. Solche Entwicklungen seien „systemimmanent“, um die Stammbelegschaften bei konjunkturellen Schwankungen zu schützen. „Das liegt im Wesen der Zeitarbeitsbranche“, sagte Stolz. Der iGZ ist der mitgliederstärkste Arbeitgeberverband der Branche in Deutschland.

Nach ersten Schätzungen haben seit Ausbruch der Krise in Deutschland rund zehn Prozent der Zeitarbeiter ihre Stelle verloren und warten zumeist auf eine neue Vermittlung. Nach Angaben von Stolz hatten im vorigen Jahr rund 700 000 Frauen und Männer in Deutschland Arbeitsverträge mit Zeitarbeitsunternehmen - mehr als doppelt so viele wie 2004. Die Branche mit ihren fast 7500 Unternehmen mache einen Jahresumsatz von rund 13,5 Milliarden Euro.

Im Koalitionsstreit um einen Mindestlohn für Zeitarbeiter in Deutschland mahnt die Branche ein Einlenken von CDU und CSU an. „Die Union kann doch nicht ernsthaft wollen, dass der Eindruck entsteht, die Devise ist: "Deutschland sucht den niedrigsten Zeitarbeitslohn"“, sagte Stolz. Dies würde der Branche schaden. Die Chancen für eine Einigung seien dennoch gut. „Erstmalig haben beide Seiten den Handlungsbedarf anerkannt und sich darauf verständigt, dass es überhaupt eine Lohnuntergrenze geben soll“, so Stolz.

Koalitionsintern gestritten wird um eine Lösung im Rahmen des Gesetzes zur Arbeitnehmerüberlassung. Dafür sollten nach Absprachen im Koalitionsausschuss die bestehenden Branchentarifverträge zugrunde gelegt werden - mit künftigen Lohnuntergrenzen von etwa 7,35 Euro im Westen und 6,15 Euro im Osten. Die Union pocht aber nun darauf, dass ein Tarifvertrag mit einer Lohnuntergrenze von 6,50 Euro im Westen und 6,00 Euro im Osten verbindlicher Maßstab wird.

„Unser Ziel ist es, Armutslöhne in der Zeitarbeit zu verhindern und für Zeitarbeitnehmer ein Schutzniveau zu etablieren - und das geht nur mit gesetzlichen Vorgaben“, sagte Stolz. Allerdings sollten mit den Lohnuntergrenzen soziale Mindeststandards gesichert und ein fairer Wettbewerb gewährleistet werden können.

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