Wohnungsbranche schlägt Alarm

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Deutsche Presse-Agentur

Die Wohnungswirtschaft schlägt Alarm: Jährlich fehlen einer Studie zufolge mehr als 200 000 Neubauwohnungen. Die Politik müsse mit Steuerermäßigung und anderen Förderinstrumenten reagieren, forderten Spitzenverbände der Wohnungswirtschaft und der Deutsche Mieterbund in Berlin.

Der Wohnungsmangel in Deutschland erreiche Höchststände, der Neubau liege mit rund 175 000 Objekten in diesem Jahr am Boden. Dem stehe eine Neubaubedarf von aktuell 400 000 Wohnungen gegenüber, heißt es in einer von den Verbänden in Auftrag gegebenen Studie des Eduard Pestel Instituts zum Wohnungsmangel. Etwa die Hälfte davon entfällt auf Neubauten hauptsächlich wegen der regionalunterschiedlichen Bevölkerungsentwicklung, die andere auf Ersatzbauten nach Abriss älterer Gebäude, der zur Qualitätssicherung künftig zunehmen sollte.

„Wenn die Wirtschaftspolitik nicht reagiert, wird sich die Qualität des Wohnens für breite Schichten der Bevölkerung nicht halten lassen“, sagte der Marktforscher des Instituts, Matthias Günther. Die Verbände gehen davon aus, dass bei rund 20 Prozent der Wohnungen der 50er, 60er und 70er Jahre eine Sanierung und Modernisierung nicht sinnvoll erscheint. „Wirtschaftlich günstiger sind hier Abriss und Neubau“, sagte Günther. Das komme auch den Bedürfnissen der zunehmenden Zahl an Senioren entgegen, deren Wohnungen zum erheblichen Teil nicht mehr sanierbar seien.

„Im Ergebnis errechnet sich eine Größenordnung von 4 Millionen Wohnungen, die aus qualitativen Gründen durch Neubauten ersetzt werden sollten“, heißt es in der Studie. Dies sind rund 10 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes von 40 Millionen. Im übrigen sei der Mangel an Wohnraum nicht mehr nur das Problem von Ballungszentren und Städten. Künftig seien auch Regionen in Ostdeutschland sowie ostdeutsche Abwanderungsgebiete betroffen. „Wenn die Bautätigkeit auf diesem Niveau verharrt, werden im Jahr 2025 in Thüringen rund 23 000 Wohnungen fehlen - in Bayern insgesamt ca. 770 000.“

Mieterbund-Präsident Franz-Georg Rips forderte eine Konzentration der Wohnungsbau-Förderung auf die regionalen Zentren. Zugleich warnte er davor, Wohnungen vorschnell abzureißen und den Schutz bestehender Mietverträge aufzuweichen. „Der Ersatzbau darf bezahlbare Wohnungen für einkommensschwache Nachfragegruppen nicht vom Markt drängen.“

Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) und einige bauwirtschaftliche Verbände (Architekten und Baustoff- Fachhandel) forderten umfangreiche Staatshilfen, um den Wohnungsbau und damit die Beschäftigung wieder anzukurbeln. Zur Abfederung der Finanzkrise sollten Bauherren und Wohnungswirtschaft in die Kreditsicherungs-Programme der Bundesregierung einbezogen werden, forderte BFW-Chef Walter Rasch. Die lineare steuerliche Wohnungs- Abschreibung müsse mindestens auf 4 Prozent verdoppelt werden. Möglichst sollte die degressive Abschreibung mit anfänglich hohem und dann geringer werdenden Steuerabzug wieder eingeführt werden. Die Mehrwertsteuer müsse für Handwerkerleistungen gesenkt werden.

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