Wirtschaftseinbruch - aber keine Panik bei Firmen

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Deutsche Presse-Agentur

In der deutschen Wirtschaft bricht trotz der schärfsten Krise seit Jahrzehnten keine Panik aus. In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) beurteilen knapp 75 Prozent von mehr als 25 000 Unternehmen ihre Lage derzeit als befriedigend oder gut.

Die Hälfte rechnet mit konstanten oder besseren Geschäften. Ein Viertel blickt düster in die Zukunft. Der DIHK erwartet nicht, dass die beiden Konjunkturprogramme der Bundesregierung den Absturz der Wirtschaftsleistung erheblich dämpfen können. 2009 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wohl um 3,0 Prozent schrumpfen, teilte der DIHK am Donnerstag in Berlin mit. Die Regierung geht von einem Minus von 2,25 Prozent aus. Laut DIHK könnten im Jahresverlauf rund 300 000 Menschen mehr arbeitslos sein.

„Die Lage ist ohne Frage ernst“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Erfreulich sei aber, dass sich weder ein radikaler Job-Abbau noch eine breite Kreditklemme im Mittelstand abzeichneten. Rund 70 Prozent der befragten Firmen sagt, dass ihre Kreditkonditionen sich seit Ausbruch der Finanzkrise nicht verschlechtert hätten. Rund 7 Prozent konnten sogar bessere Kreditkonditionen aushandeln.

„Die Befürchtungen einer sich insgesamt dramatisch verschlechterten Finanzierungssituation sind bislang nicht eingetreten“, sagte Wansleben. Jedoch verlangen viele Banken mehr Sicherheiten und höhere Zinsen, weil sie das Platzen von Krediten fürchten. Davon sind aber große Konzerne stärker betroffen als mittelständische Betriebe.

Viele Global Player klagen seit Monaten über erhebliche Probleme bei langfristigen Krediten. Dramatisch ist die Situation in der Autobranche. So wollen Opel oder der Zulieferer Schaeffler Kredite oder Bürgschaften vom Staat, weil die Banken ihnen nicht mehr trauen.

Einige Wirtschaftsbereiche haben die Krise bisher recht glimpflich überstanden. „Pharmaindustrie, Versicherungsgewerbe sowie konsumnahe Branchen wie Lebensmittelindustrie, Gastgewerbe, Einzelhandel und personenbezogene Dienstleister zeigen sich noch relativ widerstandsfähig“, berichteten die DIHK-Experten.

Mit voller Wucht trifft die Weltwirtschaftskrise die für Deutschland so wichtige Exportindustrie. Der DIHK rechnet 2009 mit einem Minus von 9,5 Prozent bei den Ausfuhren. „Innerhalb kurzer Zeit haben sich die Aussichten für das Auslandsgeschäft so stark verschlechtert wie nie zuvor“, sagte DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier. Die Hoffnung, Asien und Osteuropa könnten die Ausfälle in den großen Industrienationen ausgleichen, hätten sich zerschlagen.

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