Windkraftbranche im Südwesten fürchtet Flaute

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Windkraftanlage bei Illmensee (Landkreis Sigmaringen): Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) kritisiert d
Windkraftanlage bei Illmensee (Landkreis Sigmaringen): Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) kritisiert den Ausschreibungsmodus für Onshore-Windkraftprojekte. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Die Windkraftbranche in Baden-Württemberg steht nach einem Rekordjahr 2016 vor einer schwierigen Zukunft. Der Grund: In der ersten Ausschreibungsrunde für Onshore-Windkraftprojekte, deren Ergebnisse vor einigen Tagen von der Bundesnetzagentur veröffentlicht wurden, ist der Südwesten komplett leer ausgegangen. Stattdessen wurde der Großteil der Projekte Akteuren in Norddeutschland zugeschlagen.

Seit diesem Jahr müssen sich Planer von Windparks im Rahmen eines Ausschreibungsverfahren um die staatliche Förderung bewerben. Den Zuschlag bekommen die Projekte mit dem niedrigsten Angebot – also die Projekte, bei denen die staatliche Förderung am geringsten ist. In der jüngst abgeschlossenen ersten von drei Ausschreibungsrunden in diesem Jahr lag die Spanne der bezuschlagten Projekte zwischen 5,25 bis 5,78 Cent pro Kilowattstunde – ein Wert, mit dem sich Windparkprojekte im Südwesten nicht rentabel darstellen lassen.

Untersteller: Windkraft im Süden muss ausgebaut werden

„So kann es nicht weitergehen. Die Ergebnisse der Ausschreibungsrunde zeigen, dass das System hapert“, erklärte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) auf dem neunten Windbranchentag Baden-Württemberg am Mittwoch in Stuttgart. Untersteller, der sich in der Vergangenheit für den Systemwechsel von festen Einspeisevergütungen hin zu einem Ausschreibungsverfahren stark gemacht hatte, forderte eine „zeitnahe Nachbesserung des Systems“. Sein Vorschlag: die Einführung einer Regionalisierungskomponente, über die ein Teil der ausgeschriebenen Mengen verpflichtend im Süden der Republik installiert werden müssen.

„Wenn wir die Klimaschutzziele der Bundesregierung erreichen wollen brauchen wir auch den Ausbau der Windkraft im Süden“, erklärte Untersteller, der ankündigte, dass sich die baden-württembergische Landesregierung in den kommenden Wochen intensiv mit den Ausschreibungsmodalitäten befassen werde.

Preisdumping durch Bürgerenergiegenossenschaften

Das vergangene Jahr schloss die Windenergiebranche im Südwesten noch mit Rekordzahlen ab: Mit 124 neu installierten Windkraftanlagen und einer Leistung von mehr als einem Gigawatt in Betrieb ist Baden-Württemberg im innerdeutschen Ländervergleich auf Platz vorgerückt. Hinzu kommen Genehmigungen für weitere 209 Windkrafträder oder 650 Megawatt, die in den kommenden zwei Jahren realisiert werden. Doch spätestens im Jahr 2019 läuft die Branche Gefahr, in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, sollten das Ausschreibungssystem so bleiben wie es ist.

Deutliche Kritik am Verfahren äußerte auch Hartmut Brösamle, Vorstand der Wpd AG. Das Unternehmen aus Bremen hat unter anderem den Windpark Lauterstein, den größten Windpark in Baden-Württemberg, projektiert und gebaut. Der Manager sprach von „Preisdumping durch sogenannte Bürgerenergiegenossenschaften, hinter denen sehr oft gar keine Bürger stehen“. Von den 65 bezuschlagten Bürgerenergiegenossenschaften seien 45 erst im vergangenen Monat gegründet worden. Nur vier der Projekte hätten überhaupt eine Genehmigung. „Hier wird gepokert“, sagte Brösamle, der davon ausgeht, dass die Hälfte der Projekte gar nicht gebaut wird. „Wird das EEG nicht geändert, erleidet die Windkraftbranche das gleiche Schicksal wie die Solarenergie.“

Bürgerenergiegenossenschaften haben im Gegensatz zu professionellen Akteuren deutlich niedrigere Zugangshürden für den Ausschreibungsprozess. So haben sie vier Jahre Zeit, das Projekt umzusetzen und müssen auch keine Imissionschutzgutachten erstellen. Umweltminister Untersteller stellte diese Erleichterungen in Frage. „Ich habe den Eindruck, dass einige Bürgerenergiegenossenschaften sehr kreativ unterwegs sind. Dass dadurch professionelle Anbieter leer ausgehen, kann so nicht bleiben“, erklärte Untersteller.

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