Wie Sie jetzt auf die steigenden Energiepreise reagieren sollten

Wer saniert, der spart zugleich: Eine bessere energetische Effizienz des Eigenheims senkt dauerhaft die Heizkosten.
Deutschlands Verbraucher müssen einen erneuten Preisanstieg bei Heizöl und Gas verkraften. (Foto: dpa)
Korrespondent

Für viele Haushalte wird das Heizen im Winter teurer. Es gibt aber Möglichkeiten, die steigenden Kosten einzugrenzen, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbraucherportals Finanztip, im Gespräch mit Wolfgang Mulke.

Können Mieter, die mit Gas heizen, der Preisexplosion entgehen?

Eine Preisexplosion droht Verbrauchern nicht, Preissteigerungen aber schon. Als Mieter mit einer Gaszentralheizung können Sie dagegen gar nichts tun, außer Energie einzusparen. Das gilt auch für Wohneigentümergemeinschaften. Mein Tipp ist, die Rückzahlungen für das Jahr 2020, in dem das Gas sehr billig war, als Rücklage für die im kommenden Jahr fällige Nachzahlungen beiseite zu legen. Wenn es schon für 2020 keine Rückzahlung gab, ist es kein gutes Zeichen. Dann wird der kommende Winter teuer.

Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest
Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest (Foto: Ekko von Schwichow/dpa)

Wie sieht es beim Betrieb einer Gasetagenheizung aus?

Wer eine Gasetagenheizung hat, kann den Anbieter wechseln. Doch dafür ist jetzt nicht der günstigste Zeitpunkt. Besser ist es, abzuwarten, ob der bisherige Anbieter die Preise erhöht. Bisher haben das längst nicht alle Unternehmen getan oder angekündigt. Nach einer Erhöhung heißt es dann: Preise vergleichen. Generell empfiehlt sich dann der Wechsel zu einem großen Stadtwerk, gern auch mit einem Bonus beim Vertragsabschluss und der vertraglichen Möglichkeit, im nächsten Jahr erneut zu wechseln. Doch billiger wird es vermutlich nicht, nur nicht viel teurer.

Worauf sollten Kunden beim Wechsel achten?

Es gibt Anbieter, die mit Boni um Kunden werben. Der Wechsel kann sich für die Kunden lohnen. Ein paar Hundert Euro Ersparnis im ersten Jahr sind durchaus drin. Kunden müssen aber aufpassen. Wenn man den richtigen Kündigungstermin verpasst, verlängert sich der Vertrag oft automatisch um ein weiteres Jahr. Ohne Bonus viel teurer, wird aus dem Vertrag schnell ein Zuschussgeschäft. Daher sollte man die Allgemeinen Geschäftsbedingungen genau lesen, bevor man sich auf einen Wechsel mit Bonus einlässt. Im kommenden Frühjahr ändert sich die Rechtslage zum Glück. Dann wird ein monatliches Kündigungsrecht eingeführt.

Gibt es weitere Haken beim Wechsel?

Nein, der Wechsel selbst ist total einfach. Und sicher wird die Bude niemals kalt. Denn notfalls muss der Grundversorger das Gas liefern, etwa wenn ihr Anbieter pleite geht. Die Grundversorger sind übrigens teurer als andere Anbieter. Sie müssen auch an ihre Kommunen mehr abführen. So kommen zum Teil auch gewaltige Preisunterschiede zwischen einzelnen Städten zustande.

Sind Hauseigentümer besser dran als Mieter?

Von den Preissteigerungen sind langfristig alle gleichermaßen betroffen. Hauseigentümer können sich immerhin überlegen, ob sie eine alte Öl-Heizung durch eine neue, etwa mit Wärmepumpe und Solarenergie, ersetzen. Der Austausch wird finanziell massiv gefördert. Zum Umbau, der insgesamt 50 000 Euro kostet, schießt der Staat 22 500 Euro dazu.

Wie lassen sich die sozialen Härten des Preisschocks abmildern?

Ein einfacher Weg ist die Erhöhung des Wohngelds zum 1. Januar. Mit zehn oder 15 Euro mehr im Monat wäre ärmeren Haushalten schon viel geholfen. Vor allem aber sollten alle zum Wohngeld berechtigten Haushalte es auch bekommen. Momentan erhalten 660 000 Haushalte den Zuschuss, zwei Millionen wären aber berechtigt. Das Verfahren muss also vereinfacht werden. Bei Empfängern von Hartz IV sollte die Warmmiete bezahlt werden. Dann wäre auch dieser Gruppe geholfen.

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