Wie Kassen Betroffene bei der Pflege zu Hause unterstützen

Eine Frau und eine Seniorin stehen nebeneinander am Spülbecken
Experten raten dazu, ein soziales Netzwerk aufzubauen, das kurzfristig abrufbar ist, wenn Pflege nötig wird. So könnenAngehörige, Freunde, ein ambulanter Pflegedienst, ein Mahlzeitenservice, ehrenamtliche Besuchsdienste oder eine Haushaltshilfe eingebunden werden. (Foto: Roland Rasemann)
Annette Jäger

Eine Pflege zu Hause ist möglich – in allen Pflegegraden. Sie verlangt aber ein hohes Maß an Organisation. Mit einem individuellen Pflegemix lässt sich die Versorgung auf mehreren Schultern verteilen. Die Pflegekasse unterstützt viele Kombinationen finanziell.

Organisation:

Die meisten Menschen wollen trotz Pflegebedürftigkeit zu Hause wohnen bleiben. Dass dies oft nicht gelingt, liegt meist an mangelnder Vorbereitung. „Frühzeitig ein Netz knüpfen, lautet unser Appell“, sagt Felizitas Bellendorf, Pflegeexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Ein soziales Netzwerk aufbauen, das kurzfristig abrufbar ist, wenn die Pflege nötig wird. Das kann Angehörige, Freunde, einen ambulanten Pflegedienst, einen Mahlzeitenservice, ehrenamtliche Besuchsdienste oder eine Haushaltshilfe einbinden.

Wohnraum anpassen:

Nicht jede Wohnung eignet sich, um eine Pflege darin zu ermöglichen. Davon sollten sich Betroffene nicht entmutigen lassen. Rund 90 Prozent der nötigen Wohnungsänderungen oder -anpassungen lassen sich mit technischen Hilfsmitteln bewältigen. Spezielle Wohnungsberatungsstellen, etwa von Kommunen oder Wohlfahrtsverbänden, beraten zur Umgestaltung. Auch diesen Rat sollte man frühzeitig einholen. Die Pflegekasse gewährt 4000 Euro Zuschuss pro Umbaumaßnahme ab Pflegegrad 1.

Pflegemix:

Eine Pflege zu Hause lässt sich kaum von einer Person alleine stemmen. Eine Entlastung für Angehörige kann eine Tagespflege sein: Der Pflegebedürftige wohnt zuhause, verbringt manche Tage pro Woche jedoch in einer Tagespflegeeinrichtung. Ebenso kann ein ambulanter Pflegedienst bei der Versorgung helfen. „Hier sollte man sich Kostenvoranschläge verschiedener Dienste einholen und sicherstellen, dass das benötigte Leistungsspektrum abgedeckt ist“, rät Bellendorf. Auch die Verhinderungspflege entlastet Angehörige: Bis zu sechs Wochen im Jahr finanziert die Pflegekasse eine Versorgung zu Hause, auch stundenweisen, wenn die Pflegeperson verhindert ist.

Haushaltshilfe:

Viele setzen auf eine Haushaltshilfe, die beim Pflegebedürftigen einzieht. Meist wird dieser Dienst von Hilfskräften aus Osteuropa angeboten. „Die Kosten hierfür betragen oft zwischen 2000 und 3000 Euro im Monat bei einer 40-Stunden-Woche“, sagt Susanne Punsmann, Rechtsreferentin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Teurer kann es werden, wenn man die Hilfe über eine der Vermittlungsagenturen im Internet gewinnt. Betroffene können zur Finanzierung vor allem das Pflegegeld für die Pflege durch Angehörige einsetzen. Allerdings dürfen diese Hilfen neben der Haushaltsversorgung nur pflegerische Alltagshilfen leisten, sie ersetzen keinen ambulanten Pflegedienst.

„Auch eine 24-Stunden-Betreuung ist nicht möglich, denn Arbeitszeiten sind einzuhalten: maximal acht Stunden pro Tag unter Einhaltung von Ruhezeiten und freien Sonntagen“, betont Punsmann.

Finanzierung:

Die wichtigsten Zuschüsse der Pflegekasse für die Pflege zu Hause ist das Pflegegeld, wenn Angehörige die Pflege leisten, und Pflegesachleistungen, wenn ein ambulanter Pflegedienst eingesetzt wird. Beide Leistungen können kombiniert werden. Das Pflegegeld beträgt je nach Pflegegrad zwischen 316 und 901 Euro im Monat, Pflegesachleistungen zwischen 689 und 1995 Euro im Monat. Für 2021 plant der Gesetzgeber eine Erhöhung der Leistungen um fünf Prozent. Zusätzlich stehen für eine Tagespflege (teilstationäre Pflege) zwischen 689 und 1995 Euro im Monat zur Verfügung.

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Impftermin-Ampel: Jetzt mit neuen Termininfos für neue Altersklassen

Mehr holprig als reibungslos läuft seit einigen Wochen die Corona-Impfkampagne in ganz Deutschland. Vornehmlich alte oder pflegebedürftige Menschen werden in den meisten Bundesländern zuerst geimpft.

Doch selbst wer zur aktuellen Zielgruppe gehört, hat es gerade schwer, einen Termin zu bekommen. Regionale Impfzentren haben - wenn überhaupt - nur wenige freie Termine, die schnell vergeben sind. Daneben fällt es schwer zu verstehen, welche Alternativen zum Impfzentrum vor Ort es noch gibt.

Lockdown-Verlängerung mit Lockerung: Das sind die Beschlüsse des Corona-Gipfels

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland wird angesichts weiter hoher Infektionszahlen grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Allerdings soll es je nach Infektionslage viele Öffnungsmöglichkeiten geben. Das haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder-Ministerpräsidenten am Mittwoch in Berlin in stundenlangen Verhandlungen beschlossen.

Vereinbart wurde eine stufenweise Öffnungsstrategie mit eingebauter Notbremse: Führen einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen in einer ...

Stufenweise aus dem Lockdown: So gehen BaWü und Bayern mit den Beschlüssen um

Bund und Länder wollen in der Coronakrise einen Balanceakt wagen: In vorsichtigen Schritten soll das öffentliche Leben zurückkehren, obwohl die Infektionszahlen zuletzt leicht stiegen. Eine entscheidende Rolle kommt dabei massenhaften Schnelltests zu, bei den Impfungen soll zudem das Tempo deutlich anziehen.

+++ Alle bundesweit geltenden Beschlüsse der Bund-Länder-Beratungen finden Sie hier +++

Was das für Baden-Württemberg bedeutet Baden-Württemberg trägt die Entscheidung der Bund-Länder-Runde für regionale Lockerungen ...

Mehr Themen