Wie eine gute Urlaubskasse aussehen sollte

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Nicht nur auf das Plastik vertrauen: Neben der Kreditkarte gehört immer auch etwas Bargeld in die Reisekasse. Wer in den Urlaub
Nicht nur auf das Plastik vertrauen: Neben der Kreditkarte gehört immer auch etwas Bargeld in die Reisekasse. Wer in den Urlaub reist, sollte vorbereitet sein. (Foto: dpa/Jens Schierenbeck)
Schwäbische Zeitung

Ravensburg (sz) - Die Sommerferien stehen vor der Tür und damit auch die Urlaubssaison. Wer ins Ausland reist, sollte sich davor Gedanken über seine Zahlungsmittel machen, damit der Urlaub entspannt und sicher wird. Fragen zu diesem Thema konnten Leser vergangene Woche bei einer Telefonaktion der „Schwäbischen Zeitung“ stellen. Gabriele Frankenhauser von der Südwestbank Ravensburg und Eberhard Haug von der Kreissparkasse Ravensburg lieferten Antworten.

Ich fliege nach Spanien. Wie bereite ich die Reise vor?

Um sich vor Überraschungen beim Bezahlen oder Geldabheben zu schützen, sollten Sie vor Reiseantritt das Auslandslimit der girocard und der Kreditkarte überprüfen. Manche Banken reduzieren das Auslandslimit aus Sicherheitsgründen, um zu verhindern, dass Unbefugte im Ausland mit der Karte Geld abheben oder bezahlen können. Machen Sie außerdem Kopien von Ihren Zahlungskarten und Reisepapieren, damit Sie im Notfall alle wichtigen Daten parat haben.

Wir fahren bald in die Schweiz. Ist es ratsam dort bar zu bezahlen oder mit Karte und wo sollen wir Geld tauschen?

Ich rate Ihnen am besten mit Karte zu bezahlen (girocard oder Kreditkarte). Wichtig: Lassen Sie den Betrag nicht in Euro anzeigen oder umrechnen, sondern wählen Sie die Landeswährung. Dadurch wird der Wechselkurs über die eigene Bank abgerechnet, was für Sie in der Regel günstiger ist. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, können Sie natürlich einen kleinen Handbestand Schweizer Franken bereits zu Hause tauschen. Ansonsten können Sie bequem mit der girocard Geld am Automaten abheben.

Wieviel Bargeld sollte man auf Auslandsreisen generell dabeihaben?

Das kommt auf die Art der Reise an: Pauschalurlaub oder Individualreise. Am besten klären Sie im Vorfeld, wie zum Beispiel die Unterkunft oder der Mietwagen zu bezahlen sind. Es gilt der Grundsatz: Weniger ist mehr. Physisches Geld stellt immer auch ein Risiko dar. Denn bei Verlust ist es endgültig verloren, Zahlungskarten hingegen können gesperrt werden. Ich würde aber auch davon abraten, nur mit einer girocard zu verreisen. Die Karte könnte auch mal nicht funktionieren, nicht akzeptiert oder gestohlen werden – dann stehen Sie mit leeren Händen da. Eine Kreditkarte ist eine gute Ergänzung für die Reisekasse, da sie auch eine höhere Akzeptanz im Ausland hat. Sie eignet sich gut für bargeldlose Zahlungen, mit der girocard können Sie sich Bargeld am Automaten beschaffen.

Welche Beträge kann ich kontaktlos bezahlen?

Seit dem 15. April können Sie in Deutschland mit einem erhöhten Limit von 50 Euro pro Einkauf ohne PIN-Eingabe mit der girocard kontaktlos bezahlen. Die flächendeck-ende Umstellung folgt. Daher kann es vorkommen, dass das alte Limit von 25 Euro ohne PIN-Eingabe noch bei verschiedenen Händlern gilt.

Ich mache Urlaub in Griechenland. Kann ich dort mit der girocard oder Kreditkarte auch kontaktlos bezahlen?

Grundsätzlich kann man auch im Ausland kontaktlos bezahlen, allerdings ist es abhängig vom jeweiligen Händler, ob das entsprechende Wellensymbol am Bezahlterminal vorhanden ist. Außerdem gelten im Ausland andere Betragsgrenzen, daher sollten Sie immer auch Ihre PIN bereithalten. Informieren Sie sich bei Ihrer Hausbank über die Bedingungen Ihrer girocard.

Mit welchen Gebühren muss ich rechnen, wenn ich meine Karten im Ausland nutze?

In Euro-Ländern können Sie grundsätzlich sowohl die Kreditkarte als auch die girocard gebührenfrei für das Bezahlen verwenden. Für Bargeldverfügungen am Geldautomaten und Zahlungen in Fremdwährungsländern variieren die Gebühren, daher sollten Sie sich bei Ihrer eigenen Bank informieren. Fragen Sie auch gleich, ob es Partnerbanken im Urlaubsland gibt, bei denen das Geldabheben günstiger oder sogar kostenfrei ist.

Welche Empfehlungen haben Sie für das Geldwechseln im Ausland?

Sie sollten Geld immer bei Banken oder in offiziellen Wechselstuben tauschen. Prüfen Sie vorher den Kurs und die Gebühren, da es teilweise erhebliche Unterschiede gibt. In Touristengebieten sind oftmals „fliegende Händler“ unterwegs, die einen Tausch von Bargeld vorschlagen. Häufig erhalten Sie einen schlechten Kurs oder laufen Gefahr, ungültige Scheine zu bekommen.

Kann ich Philippinische Pesos bereits in Deutschland tauschen?

Ja, generell ist das möglich. Allerdings gelten Einfuhrbestimmungen. Erkundigen Sie sich am besten bei Ihrer Hausbank, wie hoch das Entgelt ist. Oftmals haben Banken und Sparkassen gar keine Sorten mehr vorrätig und müssen diese über einen anderen Anbieter bestellen. Die Kosten liegen bei etwa 10 Euro aufwärts. Daher meine Empfehlung: Heben Sie Bargeld vor Ort am Geldautomaten ab, möglicherweise gleich bei Ankunft am Flughafen. Die girocard (Cirrus- oder Maestro-Logo) wird am Automaten und die Kreditkarte bei bargeldlosen Zahlungen akzeptiert.

Ist kontaktloses Bezahlen mit der Karte auch sicher?

Das kontaktlose Verfahren im girocard-System setzt auf die gleichen hohen technischen Standards, die schon beim kontaktbehafteten Bezahlen gelten. Im Vorbeigehen können Betrüger zum Beispiel keine Kartendaten auslesen, um sie für missbräuchliche Bezahltransaktionen zu nutzen. Denn die Daten für eine Zahlungstransaktion werden zwischen Kassengerät und Karte nur ganz nah, also mit wenigen Zentimetern Abstand, übertragen. Diese NFC-Technik, oder deutsch Nah-Feld-Kommunikation, dient dazu, unbeabsichtigte Zahlungen zu verhindern. Kontaktlose Terminals können zudem nur eine Transaktion zur selben Zeit vornehmen. Auch die Lesegeräte sind sicher: Der Händler benötigt ein zugelassenes Terminal. Und dafür muss er sich vorher legitimieren.

Wer haftet bei Schäden rund um kontaktloses Bezahlen?

Eine Zahlung ist nur rechtmäßig, wenn Sie diese aktiv und willentlich autorisieren. Sofern Sie Ihre Sorgfaltspflichten im Umgang mit Karte und PIN einhalten, sind Sie durch ihr Kreditinstitut geschützt. Bei missbräuchlichen kontaktlosen Zahlungen haftet grundsätzlich das kartenausgebende Institut.

Was ist beim Geldabheben am Automaten im Ausland zu beachten?

Benutzen Sie bevorzugt Geldautomaten innerhalb von Bankhäusern während der Öffnungszeiten. Dann hätten Sie bei Problemen direkt einen Ansprechpartner. In Zeiten des Coronavirus ist zudem ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern unbedingt einzuhalten und gegebenenfalls einzufordern. Um den direkten Kontakt mit bloßen Händen zu vermeiden, können Sie zum Beispiel ein Taschentuch oder einen Stift für die Bedienung des Automaten nutzen. Wichtig: Verdecken Sie immer die PIN-Eingabe und lassen Sie sich nicht von Fremden ablenken.

Wie funktioniert das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone?

Das Prinzip ist das gleiche wie bei der Karte. Nur, dass die Plastikkarte hierbei in digitaler Version in die Payment-App der jeweiligen Bank oder Sparkasse integriert wird und entsprechend als Zahlungsmittel hinterlegt ist. Das Bezahlen selbst funktioniert dann über die NFC-Schnittstelle des Smartphones. Sie halten beim Bezahlen einfach die Rückseite Ihres Smartphones ganz nah an das Wellensymbol des Terminals. Voraussetzung für das Ganze ist natürlich ein NFC-fähiges Smartphone und eine entsprechende App der Bank oder Sparkasse.

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