Warum sich auch in der Krise eine langfristige Anlagestrategie lohnt

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Aktienkurse an der Boerse: „Wichtig ist, den richtigen Index zu finden“, betont Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherze
Aktienkurse an der Boerse: „Wichtig ist, den richtigen Index zu finden“, betont Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. (Foto: McPHOTO/imago Images)
Max Geissler

Die Corona-Krise sorgt für dicke Minuszeichen im Depot. Viele Anleger fragen sich, ob Aktien nicht zu riskant sind. Doch das ist zu kurzfristig gedacht. Langfristig erzielen Aktien trotz Kursrückschlägen hohe Renditen, das gilt vor allem für ETF-Sparpläne. Wichtig ist, geeignete Fonds auszusuchen, seiner Strategie treu zu bleiben und auf eine optimale Risikostruktur zu achten.

Nicht emotional Handeln:

In unruhigen Börsenphasen ist es wichtig, nicht auf sein Bauchgefühl zu hören. Der Versuch, den optimalen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu finden, ist meist zum Scheitern verurteilt. Wer jetzt aus Angst vor weiteren Verlusten Aktien und Aktienfonds verkauft, der wird einen Großteil seiner Gewinne einbüßen. Sinnvoller ist es, die Titel zu halten und der gewählten Anlagestrategie treu zu bleiben. Denn eine gute Strategie bildet die Basis für den langfristig Depoterfolg. Zielverführend ist der Vermögensaufbau mit Fonds-Sparplänen. Wer monatlich einen gleichbleibenden Betrag spart, der kauft bei niedrigen Börsenkursen mehr Fondsanteile, bei hohen Kursen weniger. Unterm Strich entsteht so ein günstiger Anteilspreis.

ETF-Auswahl:

„Wichtig ist, den richtigen Index zu finden“, betont Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Der Markt hält Hunderte von ETF-Sparplänen bereit. Selbst ETFs mit der gleichen Benchmark können sich im Detail deutlich unterscheiden – mit Auswirkungen auf die Performance. „Exotische oder marktenge Strategie-Indizes sind für Privatanleger eher ungeeignet, weil diese oft höhere Kosten verursachen, nur wenige Aktien enthalten oder nach schwer nachvollziehbaren Kriterien berechnet werden“, bemängelt Nauhauser. Besser seien etablierte Indizes, die möglichst große Teile des Marktes abdecken und systematisch aufgebaut sind, wie etwa der FTSE All World oder der MSCI All Country Index.

Kosten und Rendite

: Sogenannte physisch replizierende ETFs, die den zugrundeliegenden Index mit echten Aktien oder Anleihen nachbilden, können teurer sein als synthetisch zusammengesetzte ETFs. Letztere bilden die Indexentwicklung durch Swapgeschäfte mit anderen Marktteilnehmern ab, also mittels stellvertretend aufgelegter Börsenpapiere. Allerdings besteht bei synthetisch replizierenden ETFs auch ein sogenanntes Kontrahenten-Risiko. Die Verbraucherzentralen raten daher zu physisch replizierenden ETFs.

Gebührenunterschiede können zu einer Minderrendite führen. Anleger sollten daher auch auf Renditeunterschiede achten. Beispiel: Comstage MSCI World Ucits ETF (ISIN LU0392494562) und der UBS MSCI World UCITS ETF (ISIN LU0340285161). Der erste ETF (synthetisch replizierend) berechnet nur 0,2 Prozent Jahresgebühr und erzielte in den letzten fünf Jahren einen Wertgewinn von knapp zehn Prozent (Stichtag: 27. März 2020). Der zweite (physisch vollständig replizierend) erhebt 0,3 Prozent und schaffte im gleichen Zeitraum nur gut zwei Prozent Performance. Mit dem iShares Core MSCI World UCITS ETF (IE00B4L5Y983), der sich nur auf die repräsentativsten im Index befindlichen Aktien konzentriert, hätten Anleger mit 0,2 Prozent Kosten sogar gut 13 Prozent Performance erzielt.

Ordergebühren:

Beim Sparplan-Check sollten auch die Kaufkosten auf den Prüfstand, denn niedrige Gebühren begünstigen den Ertrag. Preiswerte Anbieter wie Onvista oder DKB berechnen pauschal einen Euro beziehungsweise 1,50 Euro pro Sparplan-Ausführung, die Postbank fordert gar nur 90 Cent. Die pauschale Gebührenerhebung ist vor allem bei hohen Sparraten günstig. Bei niedrigen Sparraten ist die prozentuale Abrechnung besser. Comdirect und Consorsbank erheben beispielsweise 1,5 Prozent vom Kurswert. Wer monatlich 50 Euro spart, zahlt in diesem Fall nur 75 Cent pro Rate. S-Broker bittet seine Kunden mit 2,50 Prozent zur Kasse, dadurch kostet die gleiche Sparrate 1,25 Euro. Anleger sollten die Orderkosten also genau vergleichen.

Kostenfreie Sparpläne:

Viel sparen können Anleger mit ETF-Sparplänen zum Nulltarif. So bietet Comdirect – zeitlich unbegrenzt – 130 gebührenfreie Sparpläne. S-Broker offeriert rund 30 ETF-Sparpläne unlimitiert ohne Orderentgelt. In der Regel sind solche Marketingaktionen aber zeitlich begrenzt. So hält die Consorsbank aktuell über 200 ETF-Sparpläne zum Nulltarif vor. Die Sparpläne der Anbieter iShares und Lyxor laufen vorerst bis Ende 2020, die Sparpläne von Xtrackers und BNP Paribas bis Ende 2022. Die ING hat bis Jahresende rund 170 rabattierte ETF-Sparpläne im Angebot, mit Option auf Verlängerung.

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