VW steigt in Batteriezellenfertigung ein

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 Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen Pkw, spricht bei der Vol
Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen Pkw, spricht bei der Volkswagen-Hauptversammlung zu den Aktionären. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Christian Brahmann und Marco Engemann

Milliardenkosten für „Dieselgate“ und zigtausende Kundenklagen vor Gericht sind nur zwei Themen, die den weltgrößten Autobauer Volkswagen auch mehr als drei Jahre nach dem Auffliegen der Dieselmanipulationen im Griff halten. Aktionäre sparten daher auf der Hauptversammlung in Berlin nicht mit Kritik, auch wenn VW mit seinen Geschäftszahlen angesichts der aktuellen Branchenflaute und milliardenschwerer Herausforderungen vergleichsweise gut dasteht.

„Volkswagen ist weiter getrieben durch die Justiz“, kritisierte Ingo Speich von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka, die auch Musterklägerin im Anlegerverfahren um eine angeblich zu späte Information des Kapitalmarkts ist. Weitere Anleger kritisierten unter anderem die Besetzung des Aufsichtsrates und die in ihren Augen zu geringen Dividendenaufschläge für die Vorzugsaktionäre, die im Gegenzug für den Verzicht auf ihr Stimmrecht mehr Ausschüttung sehen wollen.

Die Macht im Konzern ist klar verteilt. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch halten mehr als die Hälfte der Stimmrechte, das Land Niedersachsen weitere 20 Prozent. VW-Chef Herbert Diess dürfte es ohnehin nicht in den Kram passen, dass weiter Themen aus der Vergangenheit die Diskussion um VW prägen. Mit „Vehemenz“ will er den Blick der Öffentlichkeit auf die Zukunft des Konzerns richten – die in der Elektromobilität liegen und für einen grünen Anstrich sorgen soll. „Auf absehbare Zeit gibt es keine Alternative zum batterieelektrischen Antrieb“, sagte Diess.

Produktion mit 700 Mitarbeitern

Am Abend vor der Aktionärsversammlung schnürte das Unternehmen ein Paket an Maßnahmen: Als erster deutscher Autobauer will VW am Standort Salzgitter in die Produktion von Batteriezellen für Elektroautos einsteigen. Noch vor der Sommerpause soll zudem die Lkw- und Bustochter Traton an die Börse gehen. Auch stellte das Unternehmen – ebenfalls ein Wunsch von Anlegern – die Zukunft des Maschinenbauers Renk sowie des Großmotoren- und Turbinenbauers MAN Energy Solutions unter dem Konzerndach infrage. „Wir überprüfen, ob wir noch der beste Eigentümer für die unterschiedlichen Geschäfte sind“, sagte Diess.

In Salzgitter soll zunächst Ende 2022 oder Anfang 2023 die Zellfertigung mit 700 Mitarbeitern und einer Kapazität von mehr als 10 Gigawattstunden starten, sagte VW-Einkaufschef Stefan Sommer. „Salzgitter ist ein Standort, wo wir schon heute etwa 200 Forscher und Entwickler mit dem Thema Batteriezelle beschäftigen, und ist deshalb auch ein natürlicher Standort für weitere Investitionen in eine Zellfabrik“, sagte Diess.

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